Der Gegenwind für den DAX und die US-Börsen nimmt weiter zu, ein Ende der Korrektur ist noch nicht in Sicht. Die KI-Euphorie an der Wall Street bröckelt, Anleiherenditen steigen, die Angst vor einer Eskalation im Iran-Krieg kehrt an die Aktienmärkte zurück und auch die heutige EZB-Zinsentscheidung dürfte die Kurse bewegen. Anleger ziehen zunehmend Kapital aus riskanten Anlagen ab, während gleichzeitig die Ölpreise leicht zulegen. Für den DAX geht es dabei nicht nur um neue Impulse von der Makro-Seite, sondern auch um die Verteidigung der entscheidenden 200-Tage-Linie, die über den weiteren Kursverlauf entscheiden könnte.
EZB und Renditen im Fokus
In diesem angeschlagenen Marktumfeld rückt auch noch die EZB-Zinsentscheidung in den Mittelpunkt des heutigen Handelstages. Die Märkte rechnen fest mit einer Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank um 25 Basispunkte. Gleichzeitig erwarten Anleger inzwischen auch in den USA einen Anstieg der Zinsen durch die US-Notenbank. Entsprechend bleiben die Renditen sowohl am kurzen als auch am langen Ende der Zinskurve auf erhöhtem Niveau.
Die am Mittwoch veröffentlichten US-Inflationsdaten lieferten dabei kaum Entlastung. Zwar fiel die Kerninflation mit 2,8 Prozent leicht niedriger aus als erwartet, die Gesamtinflation stieg jedoch auf 4,2 Prozent und liegt damit deutlich über dem Zielwert der Fed von 2 %.
Hohe Renditen belasten vor allem Wachstumswerte und gelten neben einer Enthebelung sowie Gewinnmitnahmen als einer der Gründe für den jüngsten Rückschlag der KI-Rallye an der Wall Street. Der jüngste Abverkauf erstreckt sich allerdings nicht nur über die Aktienmärkte, Kapital fließt derzeit auch aus Edelmetallen und Kryptowährungen.
Geopolitik bleibt Belastungsfaktor
Auch die Lage im Nahen Osten sorgt weiter für Unruhe an den Aktienmärkten. Nach neuen US-Angriffen auf den Iran, verschärfte US-Präsident Donald Trump seine Rhetorik und stellte dem Iarn ein Ultimatum. Daraufhin zogen auch die Ölpreise wieder leicht an, nachdem diese in den letzten Tagen deutlich zurückgekommen waren. Brent konnte sich nach dem Rücksetzer unter 90 US-Dollar wieder erholen und notiert aktuell im Bereich von 93 US-Dollar. Höhere Energiepreise nähren zusätzliche Inflationssorgen und erschweren schnelle Zinssenkungen.
200-Tage-Linie entscheidet über den Trend
Charttechnisch bleibt die Ausgangslage kritisch. Der DAX verlor am Mittwoch rund 1 Prozent und schloss bei 24.195 Punkten direkt an seiner aktuell bei rund 24.180 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie.
Seit dem Doppeltop im Bereich von 25.500 Punkten befindet sich der deutsche Leitindex in einem intakten Abwärtstrend. Die Serie tieferer Hochs und tieferer Tiefs besteht weiterhin, während mehrere wichtige Unterstützungen bereits unterschritten wurden.
DAX-Prognose für den Handelstag
Im bullischen Szenario verteidigt der DAX die 200-Tage-Linie, nachdem er am Vortag kurzzeitig darunter gefallen war und damit bereits das 38,2%-Retracement des gesamten Aufwärtsimpulses seit dem März-Tief bei 24.073 Punkten erreicht hatte. Diese Zone stellt nun eine potenzielle Unterstützung dar. Zunächst könnte der DAX das Zwischenhoch bei 24.358 Punkten anlaufen. Darüber warten im Bereich von 24.517 und 24.544 Punkten die nächsten Widerstände, an denen die Bären erneut das Ruder übernehmen könnten. Erst oberhalb von 24.800 Punkten würde sich das technische Bild wieder deutlich aufhellen.
Im bärischen Szenario fällt der DAX nachhaltig unter die 200-Tage-Linie. Dann könnte zunächst das 38,2%-Retracement bei 24.073 Punkten erneut angelaufen und die 24.000-Punkte-Marke getestet werden. Rutscht der Index darunter, liegen die nächsten Ziele bei 23.800 sowie 23.715 Punkten. Auch ein Rücksetzer an das 50%-Retracement des gesamten Aufwärtsimpulses seit dem März-Tief bei 23.650 Punkten wäre dann möglich, bevor es zu einer technischen Gegenbewegung kommen könnte.
DAX Widerstände: 24.358, 24.425, 24.517 (TH), 24.673, 24.770, 24.820 (TH), 24.865, 24.930, 25.024, 25.124 (Gap)
DAX Unterstützungen: 24.179 (SMA), 24.074 (38,2%), 24.043 (TT). 24.000, 23.800, 23.715
Dax-Chart auf TradingView-Basis
Unter dem Strich startet der DAX angeschlagen in den Donnerstag, an dem die EZB für neue Impulse sorgen könnte. Steigende Renditen, geopolitische Risiken und die Schwäche der US-Technologiewerte sprechen kurzfristig weiterhin für Vorsicht. Damit dürfte die 200-Tage-Linie zur entscheidenden Marke werden, an der sich die weitere Richtung des DAX entscheidet.
Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung oder Handelsempfehlung dar.
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Nun gilt es zu schauen, ob neben den US-Staatsanleihen-Renditen auch die Renditen der BRD-Bundesanleihen steigen. Im Falle letzteres wird möglicherweise der Spitzensteuersatz zu Lasten der mittelständischen Elektroindustrie, welche Zuliefererfunktion für Airbus hat, erhöht.