Indizes

Renditen treiben den Rebound DAX-Ausblick: US-Jobbericht stellt die Erholung auf die Probe

DAX-Erholung dank Wall Street und Renditen
Frankfurter Skyline. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Der US-Arbeitsmarktbericht dürfte am Freitag zum entscheidenden Einflussfaktor für den DAX und die Wall Street werden. Nach der deutlichen Erholung der Aktienmärkte am Vortag steht um 14:30 Uhr nun viel auf dem Spiel: Die Daten müssen zeigen, ob der kräftige Rückgang der US-Renditen und der Zinserwartungen gerechtfertigt ist – oder ob der jüngste Rebound bereits wieder ins Wanken gerät.

Renditen treiben den Rebound

Am Donnerstag beendete der DAX seine dreitägige Verlustserie und schloss 0,6 Prozent höher bei 26.003 Punkten. Damit eroberte der Leitindex die psychologisch wichtige Marke von 26.000 Punkten knapp zurück. Zuvor war er innerhalb von drei Handelstagen um mehr als 700 Punkte gefallen.

Den entscheidenden Rückenwind lieferte erneut die Wall Street. Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq setzten ihren Turnaround vom Mittwoch mit deutlichen Gewinnen fort. Besonders Big Tech zog kräftig an. Microsoft, Meta und Tesla gehörten zu den größten Gewinnern, während auch Nvidia nach der angekündigten Übernahme der KI-Plattform Hugging Face zulegte.

Haupttreiber waren jedoch die Anleihemärkte. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel von zeitweise 4,82 Prozent am Mittwoch auf rund 4,74 Prozent. Die 30-jährige Rendite sank auf etwa 5,23 Prozent. Der nachlassende Zinsdruck erhöhte vor allem die Attraktivität hoch bewerteter Technologieaktien.

Für zusätzliche Entspannung sorgten Aussagen von Fed-Gouverneur Christopher Waller. Er zeigte sich bereit, den Leitzins im September unverändert zu lassen, sofern die Inflation weiter nachlässt. Zuvor hatte bereits New-York-Fed-Präsident John Williams vorsichtigere Töne angeschlagen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 16. September fiel daraufhin von zeitweise rund 70 auf etwa 50 Prozent.

Der Ölpreis gab zwischenzeitlich etwas nach, blieb mit mehr als 95 Dollar für ein Barrel Brent aber auf einem hohen Niveau. Die Lage im Iran und an der Straße von Hormus bleibt damit ein Risiko für Inflation, Renditen und Aktienmärkte.

Arbeitsmarkt entscheidet über Zinsen

Am Freitag wird der US-Arbeitsmarktbericht zeigen, ob die Märkte ihre Zinserwartungen womöglich zu stark reduziert haben. Für August rechnen Ökonomen im Median mit 55.000 neuen Stellen, nachdem im Juli überraschend 23.000 Arbeitsplätze weggefallen waren. Die Arbeitslosenquote dürfte auf 4,1 verbleiben.

Die Vorgaben fielen im Vorfeld gemischt aus. Laut ADP entstanden im Privatsektor lediglich 38.000 Stellen – der schwächste Zuwachs seit Januar. Der starke ISM-Dienstleistungsindex spricht gegen einen deutlichen Konjunktureinbruch, während dessen Beschäftigungskomponente erneut schrumpfte.

Ein moderat schwacher Arbeitsmarktbericht könnte Renditen und Zinserwartungen weiter drücken und die Aktienmärkte zunächst stützen. Sehr schwache Zahlen würden dagegen neue Konjunktursorgen auslösen. Übertrifft der Stellenaufbau die Erwartungen deutlich und ziehen zugleich die Löhne an, dürften die Renditen wieder steigen – dann geriete der laufende Rebound schnell unter Druck.

DAX: Erholung auf dem Prüfstein

Charttechnisch hat sich die Lage durch die Ausbruch über das Vortageshoch bei 25.924 sowie die Rückeroberung von 26.000 Punkten aufgehellt. Bestätigt der DAX den Ausbruch, liegt das erste Ziel bei 26.042 bis 26.069 Punkten (38,2%-Fibo). Oberhalb davon wären weitere Kursgewinne bis 26.174 Punkte möglich, wo sich das 50er Retracement befinden.

Fällt der Index dagegen wieder unter 25.924 beziehungsweise 25.895 Punkte zurück, wäre der Ausbruch über 26.000 zunächst infrage gestellt. Dann rücken 25.810 und das Tagestief bei 25.784 Punkten erneut in den Fokus. Darunter folgen 25.700 sowie das offene Gap bei 25.629 Punkten.

DAX-Widerstände: 26.007 (TH), 26.069 (38,2), 26.174 (50%), 26.258 (Gap), 26.370

DAX-Unterstützungen: 25.924-25.895, 25.784 (TT), 25.700, 25.629 (Gap), 25.589 (50%)

DAX: Wall Street und sinkende Renditen treiben - Arbeitsmarktbericht im Blick

Dax-Chart auf TradingView-Basis

Vor dem US-Arbeitsmarktbericht dürfte der Handel zunächst von Zurückhaltung geprägt sein. Bereits um 8:00 Uhr erscheinen die deutschen Industrieaufträge, um 11:00 Uhr folgen die Einzelhandelsumsätze der Eurozone. Die eigentliche Richtungsentscheidung ist jedoch erst um 14:30 Uhr zu erwarten.

Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Handelsempfehlung dar. 



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Der S&P 500 ist jetzt nur noch Nuancen vom All Time High entfernt…möglich machte das die FED…mit ihren dovishen Erörterungen zur weiteren Geldpolitik…

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage