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Dax: Chance auf mehr

Alles spricht für steigende Aktienmärkte, aber wenn das – wie derzeit besonders in den USA – alle denken, ist das nicht ohne Gefahr..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Gestern hat der Dax endlich die Kurve gekriegt und sich der weltweiten Rally an den Aktienmärkten angeschlossen – die Lücke zum Leitindex S&P 500 ist kleiner geworden. Und das obwohl der Euro gestern ebenfalls zulegen konnte, was den deutschen Leitindex jetzt auf einmal nicht mehr zu interessieren scheint. Warum der Dax also ausgerechnet gestern plötzlich durchstartete (und nicht schon in den Tagen zuvor, als die Wall Street ja schon haussierte), entzieht sich also gewissermaßen einer rationalen Erklärung.

Vermutlich hatte sich da etwas aufgestaut: der Dax hatte ja lange genug untätig zugesehen, wie die Wall Street von einem Allzeithoch zum anderen jagte. So hat der Dow Jones einen neuen Rekord gebrochen: in nur 23 Handelstagen kletterte der Index von 24.000 auf 25.000 Punkte (der schnellste Anstieg von einer Tausender-Marke zur nächsten in der über hundertjährigen  Geschichte des Index), getrieben vor allem von Finanzwerten – einem Sektor, der unseres Erachtens das größte Potential im derzeitigen Umfeld hat.

Charttechnisch hat sich die Ausgangslage für den Dax mit dem gestrigen Anstieg deutlich verbessert – jetzt aber gilt es, die Widerstandszone 13190/13220 zu knacken, an der der Index gestern noch gescheitert war:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Diese Widerstandszone zu knacken, wird nicht ganz einfach. Denkbar ist daher, dass der Dax sich erst einmal die Zähne an diesem harten Bereich ausbeißt und dann entnervt erst einmal nach unten dreht – doch ist zu erwarten, dass die Zone um 13090 eine solide Unterstützung darstellt, die einen zwischenzeitlichen Rückfall aufhalten dürfte. Im Optimalfall würde der Dax mit Überwinden der 13190/13220 dann zügig in Richtung des Dezember-Hochs bei 13340 Punkten laufen können.

Viel wird natürlich davon abhängen, wie die heutigen US-Arbeitsmarktdaten ausfallen werden. Die Erwartungen sind nach den gestern sehr starken ADP Arbeitsmarktdaten gestiegen, von daher ist natürlich auch das Enttäuschungspotential größer, wenn die Daten die erhöhten Erwartungen verfehlen sollten. Aber das wäre dann vielleicht eher ein Problem für den Dollar als für die Aktienmärkte, die derzeit ja sowieso alles rosig sehen. Sind die Daten schlecht, sagt man: ist doch schick, dann wird die Fed nicht so stark an der Zinsschraube drehen. Sind die Daten gut, heißt es: die Konjunktur brummt, hurra! Das Glas ist also stets halbvoll, nicht halbleer aus der Sicht der Aktienmärkte, vor allem der US-Aktienmärkte.

Aber während die Dax-Stimmung zwar auch optmistisch ist, herrscht in den USA inzwischen eine Euphorie, die sich schon fast zur Hysterie ausgweitet hat (siehe dazu „Der perfekte Kontraindikator? Amerikas Privatinvestoren so optimistisch wie seit drei Jahren nicht mehr!“). Das heißt nicht, dass es nun an der Wall Street sofort nach unten gehen muß, aber es ist doch eine erhöhte Vorsicht angebracht: überbordender Optimismus gepaart mit überkauften (US-)Märkten ist eigentlich ein immer wieder kehrendes Muster von Korrekturen in Bullenmärkten! Und solche Korrekturen sind dann zwar meist recht kurz, was ihre Dauer, aber eben auch sehr heftig, was ihre Intensität betrifft!

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Macwoiferl

    5. Januar 2018 11:17 at 11:17

    Tja.
    War wohl nix.
    Börsen-Tsunami mal wieder verschoben, Herr Fugmann?
    Wann begreifen Sie bitte endlich, dasss Kostolanys Börsengesetze NICHT(!!!!) mehr gelten?
    Zu Kostolanys Zeiten zockte man auf eigene Rechnung.
    Heutzutage richtet es die NOTENBANK = KEINERLEI Risiko mehr:
    Zu Pessimistenzeiten wird gekauft.
    Und jetzt, in Euphoriezeiten, ebenso.
    Intel? Kaufen, was heißt schon Sicherheitsleck.
    Apple-Gewinnwarnung wegen I-Phone X? Kaufen, kaufen, kaufen!
    Lieschen Müller hat Bitcoin? Kaufen, kaufen, kaufen, buy the fucking dip.
    Die BILD-Zeitung wirbt für Aktien? Kaufen, kaufen, kaufen, kaufen.

    Was haben wir aus der Dotcom-Welle gelernt?
    Es war niemand da, der den „Investoren“ (=Casino-Zockern und Bänkstern) das Risiko abgenommen hat.
    Das war übel und musste geändert werden.
    Jetzt gibt es die NOTENBANK als Market Player.
    Der Steuerzahler zahlt.
    Die nächsten Generationen zahlen.
    Die Rechnung kommt, klar, aber mañhana, mañhana!
    Merke es im ganz persönlichen Umfeld bereits:
    „Schulden? Klar hab ich welche, und bald noch viel mehr! Das zahlen die Kinder dann ab.“

    Wir werden die 26.000 bald sehen und die 14.000.
    Und womöglich die 185.000 beim Dow, klaro.
    Es wird die Susi Sorglos-Rallye geben mit Lieschen Müller!
    Und auch das kein Grund, die Party zu beenden.
    Mafio Droghi warnt vor Bitcoin. Und kauft selbst welche, klaro (buy the dip).

    Der Irrsinn hat erst angefangen, Herr Fugmann.
    Es gibt da kein Zurück mehr, denn jeder Crash auf jetzigem Level bedeutet das Aus für das Finanzsystem (das Aus für Trump und seine Finanz-Junta, das Aus für Junckers Steuerparadiese, das Aus für Lloyd Blankfein und damit Gott selbst)
    Der Irrsinn folgt nur einem einzigen Gesetz: dem des größtmöglichen Wahnsinns.
    2018 wird ein langweiliges, berechenbares Jahr:
    Die Rallye geht weiter.
    Nächster EZB-Präsident wird ein linkssozialistischer Grieche werden (natürlich unter „offiziellem“ Protest der GroKo Bundesregierung/Alibi-Weidmann und heimlich-deutlicher Zustimmung!)
    Trump dereguliert bis der Arzt kommt = Euphorie hält an, bis über alle Midterm-Wahlen
    Die EU wird Schuldengemeinschaft (Eurobonds) mit gemeinsamem „Haushalt“
    Kryptos werden als Parallelwährungen eingeführt
    Fugmann wird vor Crash warnen, während die Märkte steigen

    Na denn glückauf!

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      5. Januar 2018 11:33 at 11:33

      @Macwoiferl, ich kann mich nicht erinnern, vor einem Crash gewarnt zu haben! Ich sehe alsbald die Gefahr einer Korrektur der US-Indizes wegen überbordendem Optimismus/Sentiment – gehe aber für 2018 insgesamt von dann höheren Kursen aus. Und der Artikel, den Sie hier kommentieren, ist ja nicht gerade eine Crash-Ansage, wie schon der Titel „Dax – Chance auf mehr“ klar macht!

      • Avatar

        baeuerin

        5. Januar 2018 11:42 at 11:42

        Ja das darf doch nicht wahr sein!!
        Sie gehen von hoeheren Kursen aus,als JETZT??
        Goldman&Fugmann..spielen in der selben Liga?
        Wie @Woifer“l schon sagte….wenns in der Bild steht,dann aber ganz schnell RAUS!!

  2. Avatar

    Macwoiferl

    5. Januar 2018 11:58 at 11:58

    Oje, Herr Fugmann.
    Ich denke da nicht a la Minute, sondern in Zeiträumen.
    Wenn es einen letzten Bären-Tummelplatz gibt auf dieser Erde ist das hier, die FMW.
    „Finanz-Tsunami“ etc. pp., all das waren und sind Ihre Schlagzeilen hier!
    Ich sage ja nicht dass Ihre Skepsis verkehrt ist. Im Gegenteil, höchst unterhaltsam!
    Nur Ihre Denke und Ungeduld.
    Sie werden den Crash erleben. Aber womöglich eben als Spätrentner. Major Rütting am Rollator, wenn ich dies so sagen darf.
    Fakt ist doch: Man will die ganz, ganz große Champagnersause feiern und dieses, wie ein kleines Kind, jetzt, sofort und auf der Stelle, und dann für ganz, ganz lange!
    Fakt ist: jedweder Verstand ist ausgehebelt. Es ist Karneval. Der Irrsinn regiert. Tröööööt, wollen wir ihn rauflassen, den DAX? Ja freilich!
    Fakt ist auch: Gesetze sind heutzutage dazu da, höchstens für einen winzigen Augenblick, sagen wir fünf Minuten zu gelten. Dito Gesetzmäßigkeiten. Die EU z.B. ist dort, wo es „die Märkte“ benötigen, längst dereguliert (z.B. 3%-Defizitgrenze, Euro-Rettung etc.). In den USA schafft Trump alles Störende ab. Die SPD sagt „nie wieder GroKo“, um dann ungestraft, ja vom Wähler sogar eingefordert: GroKo zu machen. Prinzipien brechen, Versprechen nicht einhalten, Inhalte „umtexten“, das komplette Leben ist heutzutage deregulierbar ohne Konsequenzen.
    Das alles ist anders als zu Kostolanys Zeiten, wo sich Börseneuphorie womöglich rächte.

    Sie schreiben so was auch manchmal.
    Aber Sie scheinen das nicht zu begreifen!

    • Avatar

      baeuerin

      5. Januar 2018 12:18 at 12:18

      +++Sie werden den Crash erleben. Aber womöglich eben als Spätrentner. Major Rütting am Rollator, wenn ich dies so sagen darf.++
      Ein Bayer,wie Hr.Fugmann incl.Mir..,werden den Crash als Fruehrentner erleben!!
      Die Hyperinflation, wird u.a.Mio.Menschen das Genick brechen…ohne Fremdeinwirkung!!

  3. Avatar

    Macwoiferl

    5. Januar 2018 12:08 at 12:08

    @baeuerin:
    Was ich sagte:
    Obwohl es in der BILD steht: alle rein, rein, rein!

    Kostolany ist tot!
    Es lebe der Irrsinn!

    • Avatar

      baeuerin

      5. Januar 2018 12:31 at 12:31

      Ich habe im Jahre 2000, auch noch die Bild gelesen und bin als dummer Lemming darauf reingefallen!!
      Da wuchsen die DWS-Primaten(Provisionsgeier),wie Schwammer“l aus dem Boden….
      Ich habe mich noch bei 8000Pkt.im DAX .. einlullen lassen!

      • Avatar

        PK

        5. Januar 2018 13:26 at 13:26

        haha, da kommt das also her !
        Ein Trauma aus den Frühzeiten der eigenen Spekulation.
        Man will natürlich aus den eigenen Fehlern lernen und so sorgt das Gehirn dafür, daß einem sowas garantiert nicht nochmal passiert. An sich kein so schlechter Selbstschutz, aber alles was in der Natur der Neandertaler mal funktioniert hat ist an der Börse leider verkehrt.
        Taleb sagt mal, „we are flawed beyond repair for this environment“.
        Er hat recht !

        • Avatar

          baeuerin

          5. Januar 2018 14:09 at 14:09

          Ich bin wenigstens ehrlich,zu meinem Fehler!!!!….aber auch zu Neandertaler“s-Zeiten,war Gold praesent!
          Seit 2005 habe ich mich fuer phys.Gold und Freiheit entschieden und ich fahre bis heute sehr gut damit!!
          DEFEKT….wird bald die mehrheitliche Bevoelkerung sein!!!
          @PK…man sieht,dass sie manisch veranlagt sind!

          • Avatar

            PK

            5. Januar 2018 15:59 at 15:59

            die Frage ist immer, was ist ein Fehler ?
            Geld zu verlieren ist an sich noch kein Fehler. Denn das gehört an der Börse dazu. Einmal Geld zu verlieren und dann die beleidigte Leberwurst zu spielen und „nie mehr Aktien“ zu heulen nur weil man sich einmal die Finger verbrannt hat ist dagegen ganz sicher ein Fehler.
            Aber Gold ist aktuell sicher keine schlechte Idee. 2018 würde ich tatsächlich erstmals seit Jahren eher auf Gold als auf Aktien setzen.
            Aber man muss eben in der Lage sein sein Fähnchen in den Wind zu hängen. Opportunisten ohne klare eigene Meinung sind an der Börse die erfolgreichsten.

        • Avatar

          Wolfgang M.

          5. Januar 2018 14:28 at 14:28

          @PK. Ich wusste, dass er Nassim T. nicht verstanden hat. Was mir neu ist, dass man in der Zeit von 130 000 bis 30 000 vor Chr. schon Gold gefördert hat??

          • Avatar

            baeuerin

            5. Januar 2018 15:07 at 15:07

            Muss man Nassim T. kennen?
            Ich finde es aber gut,dass du dich noch in der Vergangenheit bewegst!

        • Avatar

          baeuerin

          5. Januar 2018 16:21 at 16:21

          Ich habe nie behauptet,seitdem keine Aktien mehr zu halten!!!
          Ich habe nur in Gold bzw.in G-Minen Aktien invest.!
          Beleidigte Leberwurst?
          Das waere ja so in etwa,wenn ich jetzt in Kryptos invest.wuerde und dann Absturz….
          Dann bin ich nicht beleidigt,sondern DUMM!!!
          Vorallem wenn ich schon lese:WAEHRUNG
          Damals war ich GIERIG …aber (man) lernt aus Fehlern!!
          Mein Fehler war,bei einem Versicherung-Fuzzi,die Vertraege zu unterschreiben!!(DWS Fonds)

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

Veröffentlicht

am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien

Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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Aktien

JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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