Der Dax notiert im großen Bild gar nicht so weit entfernt von seinem Rekordhoch bei 24.639 Punkten. Mit aktuell 23.654 Punkten sind es aber immerhin gut 1.000 Punkte unter dem Hoch. Der Chart, der bis Jahresanfang zurückreicht, zeigt aber das immer noch hohe Kursniveau. Vor allem der gestrige Kurssturz um gut 500 Punkte lässt aktuell Ängste vor einem Crash im Dax aufkommen. Die Erholung der US-Märkte läuft heute mit mehr Kraft als bei europäischen Indizes.
Dax mit Rückschlag im September?
Womöglich sorgen die politischen Krisen in Frankreich und Großbritannien und die damit verbundenen steigenden Anleiherenditen dafür, dass Dax und Co sich aktuell gebremster erholen. Eskaliert diese Politikkrise, können auch FTSE100, CAC40 und Dax noch kräftiger abrutschen? Das ist gut möglich! Jochen Stanzl von CMC Markets hat in seiner heutigen Analyse das Crash-Szenario besprochen. Er sieht im Dax aus charttechnischer Sicht im Verlauf dieses Monats weiteres Rückschlagpotenzial. Sehen Sie hier dazu das Video.
US-Strategen optimistisch für europäische und US-Märkte
Erst gestern berichteten wir über Äußerungen von Top-Strategen bei Goldman Sachs und JPMorgan. Man ist recht optimistisch über die Entwicklung der europäischen Aktienmärkte in den nächsten Monaten, und damit auch für den Dax. Die Gründe: Verbesserte Wachstumsaussichten, eine niedrige Positionierung und relativ günstige Bewertungen. Man sehe den wachsenden Wunsch von Anlegern, sich aufgrund der Dollar-Schwäche und der konzentrierten Positionen im Technologiesektor von US-Aktien zu diversifizieren.
Abgesehen davon muss man weiterhin anerkennen, dass die europäischen Märkte immer noch deutlich unter dem Einfluss der US-Märkte stehen. Gut laufende US-Indizes helfen also weiterhin auch dem Dax? Die Experten von Evercore ISI stellten sich erst vorgestern an die Spitze der Optimisten mit 20 % Anstiegsaussicht für den S&P 500 bis Ende 2026. Eine technologische Revolution werde Aktien, Multiplikatoren und die Gesellschaft zu neuen Höhen führen, so die Begründung.
Wall-Street Top-Stratege Michael Wilson von Morgan Stanley sagte erst gestern, dass die Rally an den Aktienmärkten noch Luft nach oben hat. Wilson zufolge werden US-Aktien nach vier Monaten mit rasanten Kursgewinnen weiter steigen, da die Zinssenkungen der Fed mit robusten Unternehmensgewinnen zusammenfallen. Er widerspricht der Auffassung, dass Zinssenkungen bereits eingepreist sind. Dazu können wir von FMW anmerken: Steigen die Amerikaner wirklich weiter an, wäre das für den Dax eine verdammt kräftige Stütze, die einen Crash doch recht unwahrscheinlich erscheinen ließe.
Auch heute gibt es weitere positive Kommentare zu US-Aktien. Laut einem Bericht von Bloomberg empfiehlt das weltweit führende Unternehmen für aktive, verantwortungsbewusste Investitionen, Federated Hermes, man solle US-Aktien bei Kursrückgängen kaufen, denn die Gewinne seien solide. Der Rückgang dürfte nur von kurzer Dauer und geringfügig sein, da die Unternehmensgewinne und die Wirtschaftsaussichten weiterhin robust sind, so die Begründung.
Kommentar
Die Unternehmensgewinne in Euroland sind weiter gut, auch bei den Dax-Konzernen. Und ja, es gibt unzählige Risikofaktoren, wie Trumps Zölle oder die aktuelle Politikkrise in Frankreich und Großbritannien, die über den Anleihemarkt letztlich auch im Dax ankommen könnte. Aber die letzten Monate haben stets gezeigt (siehe auch im Chart): Bei Rückschlägen haben Anleger immer wieder schnell zugegriffen und „etwas günstiger“ eingekauft, und damit europäische Aktienkurse gestützt. So könnte es auch dieses Mal laufen. Kurzfristig bietet die nächsten Tage in der Tat die Politikkrise (vor allem in Paris) Rückschlagpotenzial für die europäischen Märkte.
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