Der DAX gerät unter Druck – und das ausgerechnet in einer Phase, in der die Saisonalität an den Aktienmärkten ins negative dreht. Was zunächst wie eine gewöhnliche Korrektur wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Reaktion auf ein gefährliches Zusammenspiel globaler Risiken: Die US-Notenbank Fed sendet widersprüchliche Signale zur Zinspolitik, der US-Arbeitsmarkt zeigt erste Risse, und Donald Trump schürt mit seiner aggressiven Zollpolitik neue Unsicherheit. Inmitten dieser Gemengelage verliert der deutsche Leitindex an Boden – und Experten wie André Stagge warnen: Das dicke Ende könnte erst noch bevorstehen.
DAX vor großer Korrektur?
Der deutsche Leitindex DAX hat in kurzer Zeit über 1.000 Punkte eingebüßt – ein deutlicher Kursrutsch, den ehemaligen Portfoliomanager André Stagge nicht als vorübergehende Schwäche, sondern als Beginn einer größeren Korrektur interpretiert. Die jüngste Bewegung sei kein klassischer saisonaler Rücksetzer im Sinne der bekannten Saisonalität der Sommermonate, sondern Ausdruck eines strukturellen Bruchs im Marktvertrauen.
Stagge verweist in seinem neuen Video auf gleich mehrere belastende Brandherde. Zunächst sei das makroökonomische Wachstum in den USA schwächer als das Potenzialwachstum – begleitet von erneut steigender Inflation. Dies sind Auswirkungen der Zollpolitik von Donald Trump. Zudem befinde sich die US-Notenbank Fed in einem Spannungsfeld zwischen Inflationsbekämpfung und konjunktureller Abkühlung, die durch den schwächelnden Arbeitsmarkt an Fahrt gewinnen könnte. Zwei Mitglieder des Offenmarktausschusses plädierten zwar bereits für Zinssenkungen im September, doch Fed-Chef Jerome Powell hielt bei seiner jüngsten Pressekonferenz sogar die Möglichkeit einer Zinserhöhung offen. Die widersprüchlichen Signale führen zu Unsicherheit an den Aktienmärkten, zumal der US-Arbeitsmarkt mit einer Abwärtsrevision von 260.000 Stellen in den vergangenen zwei Monaten überraschend schwach ausfiel.
Der folgende DAX-Chart von TradingView zeigt den dynamischen Rücksetzer und den Ausbruch aus der knapp vierwöchigen Seitwärtsrange. Der heutige Rebound an den Aktienmärkten ist mit Vorsicht zu genießen, da sich der Chart erst wieder über der Marke von 24.000 Punkten aufhellen würde.
Donald Trumps politische Willkür
Zudem kritisiert Stagge die zunehmende politische Willkür in Washington. Donald Trump untergrabe das Vertrauen in staatliche Institutionen, etwa durch die Entlassung der Leiterin der Statistikbehörde Bureau of Labor Statistics. Laut Stagge rüttele dieser Schritt an den Fundamenten der Kapitalmarkteinschätzung. Zudem setzt er den Fed-Chef Powell weiter unter Druck, die Zinsen zu senken, und legt ihm nahe, seinen Posten eher früher als später zu räumen. Parallel dazu entfalten steigende Zölle eine zunehmend inflationäre Wirkung. Trotz gegenteiliger Ankündigungen wurden bestehende Zollerhöhungen verlängert – ein Rückschritt für den globalen Handel, der potenziell auch Gegenmaßnahmen wie Gegenzölle aus Europa nach sich ziehen könnte.
Aus markttechnischer Sicht ist der jüngste Abverkauf im DAX untypisch für einen Monatswechsel, da Window Dressing in der Regel für Stabilität sorgt. Steigende Credit Spreads und ein Kapitalabfluss in sichere Häfen wie Gold und Anleihen signalisieren jedoch laut Stagge eine Umkehr im Marktregime. Besonders problematisch ist der Rückzug institutioneller Anleger während der Urlaubssaison, da dies die Abwärtstrends verstärkt. Der Börsenmonat August ist für seine saisonale Schwäche bekannt. Zudem kann es aufgrund des geringen Handelsvolumens im Sommerloch zu stärkeren Kursausschlägen in beide Richtungen kommen.
In der Summe sieht Stagge alle klassischen Vorboten einer anhaltenden Korrektur im DAX. Zwar sei ein großer Crash noch unwahrscheinlich, da der übergeordnete Aufwärtstrend noch intakt ist, doch kurzfristig sei mit weiter fallenden Kursen zu rechnen. Für Anleger empfiehlt er daher eine defensive Ausrichtung mit Gold und Anleihen – und rät davon ab, derzeitige Rücksetzer zum Einstieg zu nutzen. Stattdessen könne es sinnvoll sein, sich auf fallende Kurse im DAX strategisch vorzubereiten.
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Moin, moin,
wer im Dax, sonstigem Index oder Einzelaktien investiert ist oder es beabsichtigt, der sollte schon eine eigene Markt-Meinung haben. Kann sich unserer Investor, Trader oder Börsenteilnehmer keine eigene Markt-Meinung bilden, dann stellt sich m.E. doch die Frage was er an der Börse als aktiver Teilnehmer will.
Für diejenigen, die keine eigene Marktmeinung haben, aus welchen Gründen auch immer, gibt es ETFs oder Fonds. Hier ist man passiv dabei und zahlt eine Gebühr für die Passivität.
Fazit: Börse ist nicht für alle geeignet.
Also das dicke Minus bei den Automobil- und Zulieferaktien wird sicher nicht weggehen. VW zuletzt -10%. Warum die in den Tagen zuvor um 10% stiegen ist mir ein Rätsel. Banken und Versicherungen laufen dagen schon länger sehr gut und ich sehe nicht warum sich das ändern sollte. Dann gibt es noch einige wenige Tech-Aktien: Siemens, SAP. Da entscheidet die Geschäftsentwicklung wie es weiter geht, und die US-Börsen. Bei Rüstungsaktien könnte der Höchstpunkt überschritten sein, zumindest für einige Jahre.
Das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist dagegen ein anderes Thema, aber welches Unternehmen ist davon abhängig?
Also, Crash sehr ich nicht, wenn auch 10% runter durchaus drin sind. Man sollte sich also eine Reserve zulegen, um dann zu kaufen.
@asyoulike
Ganz richtig erkannt! Ohne eine eigene Meinung oder einigermaßen fundierte Überzeugung wird ein „Anleger“ immer nur eine von vielen „Säuen“ sein, die man täglich durchs Dorf treibt. Selbst gestandene Aktivisten der Branche werden nicht bezweifeln , das der nächste Tag einer sein kann, den man so gar nicht vorherzusagen wagt. Die teilweise erratischen Bewegungen der Märkte lassen sich oft nicht mehr wirklich mit dem Erfahrungsschatz vergangener Jahrzehnte erklären. Buchstäblich täglich stehen viele Marktteilnehmer wie der „Ochs vor‘ m Scheunentor“ weil bewährte Erfahrungsschätze nicht mehr so richtig zu erklären vermögen, was und warum es gerade wieder läuft, wie es läuft. Da bleibt oft nur die eine entzaubernde Erkenntnis “ verrückt“ übrig. Es wurden mittlerweile so viele Stellschrauben in die Märkte hineingearbeitet, das der reine klateMenschenverstand geopfert wird, um in Sekundenbruchteilen Welten zu erschaffen und wieder auszublasen um aus diesen Schockmomenten Honig zu saugen. Ich denke, das nicht mehr das Gute Zeit bekommen soll, die Früchte zu ernten, sondern das im täglichen Ausverkauf abstruser Erklärungsversuche die Anleger geohrfeigt werden sollen um frisch gedrucktes Geld in ganz wenigen Händen anzuhäufen. Mehr denn je ist es hoch riskant sich als Neueinsteiger zu versuchen und wenigstens mit Recht einfachen Anlagemöglichkeiten eine kleine Rendite zu erzielen. Eine erfolgreiche Teilhabe an einer Überrendite im Vergleich zu Anlagen in Zinsprodukten ist für konservative Anleger zunehmend schwieriger zu erzielen. Auf lange Sicht sind somit Finanzierungsmöglichkeiten der Märkte über eine breite Anlegerbasis zunehmend gefährdet.