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Europa

Dax: Der Kampf um die technische Rezession in Deutschland

In Zeiten von Corona mehren sich die Anzeichen, dass es das Export- und Tourismusland Deutschland besonders treffen wird – mit Folgen für den Dax

Wolfgang Müller

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Unser Leitindex Dax ist wie gewohnt dabei, wenn es an den Börsen abwärts geht – aber häufig ist er zögerlich bei Erholungen anderer Indizes. In Zeiten von Corona mehren sich die Anzeichen, dass es das Export- und Tourismusland Deutschland besonders treffen wird, sollte die Virusinfektion nicht rasch eingedämmt werden. So verwundert es nicht, dass der Dax in seiner Entwicklung selbst der italienischen Börse hinterherhinkt. Deutschlands Konjunktur kämpft schon über ein Jahr mit dem Abgleiten in eine technische Rezession, Handelskrieg und Automobilkrise setzten unsere Wirtschaft ständig unter Druck. Jetzt beginnt der Kampf von Neuem, unter verschärften Bedingungen.

Die abgesenkten Prognosen der Unternehmen im Dax

Sollten die Gewinne der 30 DAX-Unternehmen im Jahr 2020 nicht im Schnitt um zehn Prozent wachsen? So lautete erst vor Kurzem noch der Konsensus der Analystenschätzungen. Nach dem Stillstand Chinas in der Folge von Covid-19 ist davon keine Rede mehr, zu stark wird Chinas Katastrophenquartal Deutschlands Industrie in die Knie zwingen. Ob Daimler oder Volkswagen, die in China 30 bis 40 Prozent ihrer Umsätze erwirtschaften, oder BASF, der weltgrößte Chemieproduzent, der über 100 Länder mit seinen Grundprodukten beliefert: sie alle spüren die sinkende Nachfrage und vor allem unterbrochene Lieferketten. Man muss kein Prophet sein, um für die nächsten Wochen eine Kaskade von Gewinnwarnungen von im Dax notierten Unternehmen zu prognostizieren. Kein Firmenchef und auch keine Börse konnte vor zwei Monaten antizipieren, was das Coronavirus für eine Belastung für die Weltwirtschaft darstellen wird.

Demzufolge hagelt es Wachstumsabstufungen für nahezu alle Regionen der Welt – und mit an vorderster Front, der ehemalige Exportweltmeister Deutschland. Und das belastet natürlich den Dax.

Das US-Haus Goldman Sachs hat bereits nach zwei Monaten seine Jahresprognose für Deutschland drastisch revidiert. Von einem Plus von 0,9 Prozent auf jetzt ein Minus von 0,2 Prozent. Die Begründung für diesen radikalen Schritt ist eine allseits bekannte: Deutschland leide am Stillstand Chinas von allen Nationen am meisten und man erwarte deshalb für das erste Halbjahr eine technische Rezession. Die Bank of America kommt ebenso zu einer deutlichen Revision ihrer Prognose mit einer Abstufung auf 0,1 Prozent. Selbst ein staatliches Konjunkturprogramm würde erst im zweiten Halbjahr für Erleichterung sorgen. Hinzu käme die große Bedeutung des aktuell leidenden Tourismus, der immerhin mit acht Prozent in das Bruttoinlandsprodukt einfließt.

Die Analysten bringen noch ein weiteres Argument, welches sich als nachträgliche Belastung für Deutschlands Konjunktur erweisen könnte. Man habe im vierten Quartal große Lagerbestände aufgebaut, deshalb kam es in Q4 zu dem anämischen Wachstum von 0,028 Prozent. Der Abbau wird das aktuelle Wachstum schwächen.

Auch die OECD senkte die Prognose für Deutschland – allerdings moderat von 0,4 auf 0,3 Prozent für 2020. Für ausländische Investoren ist all das kein wirkliches Argument, um den Dax zu kaufen.

Der Einbruch des Ifo-Beschäftigungsbarometers

Die gute Beschäftigungslage in Deutschland war bisher der entscheidende Faktor, warum die Rezession in der Industrie noch nicht voll auf das Bruttoinlandsprodukt des Landes durchschlagen konnte. Der Konsum florierte.

Aber es geht mit der Beschäftigung im Industriesektor sukzessive weiter nach unten. Von plus 3,3 auf minus 17,7 Punkte, innerhalb eines Jahres und dies in gradliniger Bewegung, so präsentiert sich das Ifo-Beschäftigungsbarometer für die deutsche Industrie. Die Bereitschaft neue Mitarbeiter einstellen zu wollen, sank im Februar von 99,6 auf 98,1 Punkte, der größte Rückgang seit der Finanzkrise 2008.

„Der zu Jahresbeginn herrschende Optimismus auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist verflogen”, so der Arbeitsmarktexperte des Ifo-Instituts Klaus Wohlrabe.

Fazit

Der einst starke Mann Europas, in Gestalt der deutschen Volkswirtschaft, steht gewaltig unter Druck. Handelsstreit mit den USA, Brexit, Umbruch in der Automobilindustrie, ein grassierendes Virus, welches sich in Deutschland ausbreitet und nicht zuletzt ein neues Flüchtlingsproblem. Mit dem Rekordstand von 45 Millionen Beschäftigten in Deutschland zu Beginn des Jahres waren Konsum und Steuereinnahmen gesichert und dennoch reichte es in Q4 2019 nur noch für ein Wachstum von 0,028 Prozent. Wie soll bei diesen Rahmenbedingungen die nächste technische Rezession nach der Eurokrise 2012/13 verhindert werden können? Für den Dax ist da kein gutes Omen..

Der Dax in Zeiten des Coronavirus

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Europa

ifo Index mit zweitem Rückgang in Folge – Lage ok, Erwartungen schwächer

Markus Fugmann

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am

Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für November veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 90,7 (Prognose war 90,1; Vormonat Oktober war 92,7) – das ist der zweite Rückgang in Folge nach zuvor fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,0 (Prognose war 87,0; Vormonat war 90,3)

– Erwartungen: 91,5 (Prognose war 93,5; Vormonat war 95,0)

Dazu Wohlrabe von ifo: Dienstleistungssektor spürbar schwächer, Industrie hat sich Abwärtsentwicklung entgegen gestemmt, Handel schwächer

Hier die Pressemitteilung des ifo:

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November auf 90,7 Punkte gesunken, nach 92,5 Punkten im Oktober. Der Rückgang war vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Auch ihre aktuelle Lage bewerteten sie etwas weniger gut. Die Geschäftsunsicherheit ist gestiegen. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen.

Das Verarbeitende Gewerbe ist der Lichtblick in diesem Monat. Das Geschäftsklima hat sich verbessert. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage deutlich besser. Die Auftragseingänge stiegen, wenn auch langsamer als im Vormonat. Der Ausblick auf die kommenden Monate fiel jedoch merklich weniger optimistisch aus.

Im Dienstleistungssektor hat der Geschäftsklimaindikator merklich nachgegeben. Er liegt erstmals seit dem Juni wieder im negativen Bereich. Die zuletzt gute Lageeinschätzung hat sich deutlich eingetrübt. Zudem blicken erheblich mehr Unternehmen pessimistisch auf die kommenden Monate. Die Indikatoren im Bereich Hotels und Gastgewerbe sind regelrecht abgestürzt.

Im Handel hat sich das Geschäftsklima verschlechtert. Die Unternehmen waren mit ihrer aktuellen Lage weniger zufrieden. Auch die Erwartungen trübten sich merklich ein. Insbesondere die Einzelhändler berichteten von deutlich weniger gut laufenden Geschäften.

Im Bauhauptgewerbe hat der Index leicht nachgegeben. Die Baufirmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas besser als im Vormonat. Ihre Erwartungen hingegen fielen etwas pessimistischer aus.“

Der ifo Index ist das wichtgiste deutsche Konjunkturbarometer

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanager – Lage mau, aber Optimismus wegen Impfstoff

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für November) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 52,0 (Prognose war 50,4; Vormonat war ,)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,9 (Prognose war 56,5; Vormonat war 58,2)

Dienstleistung: 46,2 (Prognose war 46,3; Vormonat war 49,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 49,1 für Gewerbe (Prognose war 50,1; Vormonat war 51,3) und mit 38,0 für Dienstleistung (Prognose war 37,7; Vormonat war 46,5) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Wie erwartet wirkten sich die neuerlichen Lockdown-Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie negativ auf die deutsche
Wirtschaft aus. Die aktuellen PMI-Vorabschätzungen zeigen, dass der Servicesektor aktuell wieder so tief in der Krise steckt wie im Mai.
Die Widerstandskraft der Industrie, die vor allem von den Exportsteigerungen nach Asien profitierte, bekräftigt uns allerdings in der Annahme, dass ein möglicher Abschwung im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen dürfte als im ersten Halbjahr. Die positiven Nachrichten um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs verliehen der Stimmung unter den deutschen Unternehmen jedenfalls Auftrieb, von denen viele jetzt auf eine Rückkehr zur Normalität in den nächsten zwölf Monaten hoffen. Dies dürfte auch den jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt zu Gute gekommen sein, die zeigen, dass sich die Lage in der Industrie der Stabilisierung weiter angenähert hat und die Beschäftigung im Servicesektor weiter gestiegen
ist.“

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Europa

Verbraucherpreise in Eurozone dritten Monat in Folge in Deflation – Zweiteilung des Kontinents

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse in der Klemme

Die europäische Statistikagentur Eurostat hat heute die ausführlichen und endgültigen Ergebnisse für die Verbraucherpreise im Oktober veröffentlicht. Mit -0,3 Prozent im Jahresvergleich hängen sie nun den dritten Monat in Folge in der Deflation (Vormonate -0,3 Prozent und -0,2 Prozent). Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa zu großen Teilen eine Art Deflations-Abwehr darstellt. Wo einige Länder noch nicht den Euro haben, ist Inflation klar erkennbar – oft sogar mehr als deutlich. So hat die Gesamt-EU im Oktober auch einen Wert von +0,3 Prozent hingelegt. Man muss es sich mal vorstellen. Länder wie die Slowakei, Rumänien, Tschechien, Ungarn und Polen liefern Steigerungen der Verbraucherpreise zwischen +1,6 Prozent und 3,8 Prozent (siehe rechter Teil der Grafik).

Grafik zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise pro Land

In den Details für die Eurozone sieht man: Die Verbraucherpreise für Lebensmittel legen zu, jetzt mit einer Steigerungsrate von +2,0 Prozent. Die Energiepreise ziehen mit -8,2 Prozent den Schnitt weiterhin kräftig nach unten. Aber auch die Dienstleistungen sind mit schuldig mit nur noch +0,4 Prozent, wo man noch im Juni Steigerungsraten über 1 Prozent sah. Hier schlägt wohl auch die deutsche Mehrwertsteuersenkung zu Buche, die seit Juli in Kraft ist. Aber abwarten. Ab Januar, wenn die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland wieder rückgängig gemacht wird, dürften die Verbraucherpreise wieder auf die Null-Linie kommen – auch für die Eurozone?

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise

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