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Dax: Die Stimmung der Anleger in Zeiten von Covid-19

Zugegeben, derzeit gibt es wichtigere Faktoren an den Märkten, als die Stimmungslage von Anlegern gegenüber dem Dax. Aus fundamentaler Betrachtung spielen die Kollateralschäden des Coronavirus die große Rolle, so eine logische Betrachtungsweise. Nur sind es natürlich die Käufer und Verkäufer, die die Kurse machen – und da ist es schon interessant, wie sich die Stimmung der Anleger darstellt, insbesondere in Extremphasen. Sind diese sehr euphorisch, fehlt schon bei kleineren Rückschlägen das Kapital um ein Auffangnetz zu bilden. Also, wie sieht es aus zu Zeiten dunkelster Wolken für die Weltwirtschaft, mit dem sogenannten Sentiment hiesiger Investoren?

Dax: Das Ergebnis der Wochenumfrage

Es klingt ein wenig verwirrend, was der Leiter der wöchentlichen Umfrage des Handelsblattes, Stephan Heibel, Chef des Analysehauses AnimusX, als Fazit der Befragung resümiert: Es herrscht derzeit euphorische Stimmung, gleichzeitig schwindet die Bereitschaft der Anleger Aktien zu kaufen und der Optimismus schwindet. Letzteres ist auf die Zukunft gerichtet, was der Sentimentspezialist als klares Warnsignal für den Dax deutet. So bleibt er bei seiner Meinung der Vorwoche, es bräuchte schon besonderer positiver Ereignisse, um die Kurse weiter anzutreiben. Signale von der Liquiditätsfront oder gute Ergebnisse in der laufenden Quartalssaison.

Dax: Anstieg hob die Anlegerstimmung

Mit dem Anstieg des Dax in der letzten Woche um 1,7 Prozent kletterte auch die Stimmung der Investoren auf den hohen Wert von 4,4 Punkten, einer Marke, die es auch bei der Santa Claus-Rally um die Jahreswende gab. Der Anstieg steht bei unserem Leitindex, im Gegensatz zu den US-Indizes, auf relativ breiten Schultern, denn nicht weniger als zehn Aktien haben dabei neue Jahreshöchsstände (seit Februar 2019) erreicht: Allianz, Deutsche Post, Deutsche Bank, Eon, Infineon, Merck, Münchner Rück, RWE, SAP und Vonovia.

Interessanterweise waren es vorwiegend deutsche Anleger, die die Kurse auf neue Rekorde getrieben haben, vier Mal in gut einer Woche.

Niedriges Zukaufinteresse

Wie erwähnt sind die Anleger sehr euphorisch, haben sie doch weitgehend richtig gelegen mit ihren Investmententscheidungen. Was die nächste Zukunft betrifft, zeigt sich ein etwas anderes Bild. Denn mit den gestiegenen Kursen sinkt auch die Zuversicht: Auf Sicht von zwei Wochen möchte man kaum noch Aktien zukaufen, die Mehrheit will erst einmal abwarten. Auf Dreinmonats-Sicht ermittelte Heibel eine ganz negative Stimmung. Der Wert von minus 1,1 ist deutlich bearish, so hoch war der Pessimismus zuletzt im Sommer des letzten Jahres in Sachen Dax.

Die Stimmung an den Terminbörsen

Eine eingetrübte Stimmung ergibt sich auch bei Betrachtung des Euwax-Sentiments an der Börse Stuttgart, dem Handelsplatz für Privatanleger. Diese haben verstärkt Put-Hebelprodukte auf den Dax gekauft, augenscheinlich um die Buchgewinne mit Puts abzusichern.

Die institutionelle Anleger haben an der Frankfurter Terminbörse Eurex in der vergangenen Woche massiv Put-Absicherungen gekauft. Noch vor einer Woche war die Positionierung der Profis eine andere. In nur einer Woche ist das Put/Call-Ratio auf 2,9 gestiegen, dem höchsten Wert auf Jahressicht. „Die Profis sagen offensichtlich: Das war’s mit der Rally“, schlussfolgert der Leiter der Umfrage.

Das Ergebnis der Umfrage des Analysehauses Sentix kommt zu einem ähnlichen Ergebnis wie AnimusX. Nach drei Wochen Anstieg sei die Sentix Konjunkturerwartung deutlich gefallen, so deren Auswertung.

Und die Amerikaner?

Auch in den USA ist das Put/Call-Ratio an der Chicagoer Terminbörse CBOE angestiegen, jedoch noch nicht in einem solchen Ausmaß wie an der Eurex. Erstaunlicherweise haben die US-Fonds ihre Investitionsquote wieder auf 86 Prozent und damit um 24 Prozent gegenüber der Vorwoche angehoben. Sehr verwirrend, dieser starke Wechsel. Dazu Stephan Heibel: „Haben Fondsmanager vor einer Woche tatsächlich aus Angst vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus heftig verkauft, und diese Entscheidung diese Woche wieder rückgängig gemacht?“

Der Fear&Greed-Index steht mit 55 Punkten auf einem neutralen Niveau. Andere kurzfristige US-Indikatoren mahnen laut Heibel zur Vorsicht.

Fazit

Auch wenn sich eine euphorische Stimmung an den Märkten länger halten kann, als eine depressive, die Kurse fallen auch viel schneller als sie steigen, ist aus sentimenttechnischer Sicht der Boden für eine Korrektur bereitet. Die Gemütslage der Dax-Anleger könnte zur Belastung werden, außer es tauchen plötzlich gute Nachrichten auf.

Für den Dax könnte es kurzfristig schwierig werden



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1 Kommentar

  1. …außer es tauchen plötzlich gute Nachrichten auf.
    Da findet sich sicher schnell ein verlogener, völlig unbekannter Insider-„Arzt“, der die erfolgreiche Entwicklung eines Impfstoffes in die Welt hinaus posaunt. Und ein Insider aus dem innersten, dem neunten Kreis der FED, wird plötzlich von einer kommenden massiven Zinssenkungswelle erfahren haben wollen. Und als letzte Bastion, als Fels in der Realitätsbrandung, steht da auch noch Larry der Schönredner, die Lügen-Bazooka stets bei Fuß.

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