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Dax – die Volatilität des deutschen Leitindex und die Folgen für Zertifikate

Die Idee klingt so gut: Man kauft den deutschen Leitindex Dax vergünstigt mittels Bonuszertifikat in unsicheren Zeiten. Aber wie ist das zuletzt gelaufen?

Man braucht nicht nur das Jahr 2020 zu betrachten, um festzustellen, dass der deutsche Leitindex Dax ein sehr volatiler Index ist. Mit seinem Einbruch von knapp 40 Prozent in dem 34-Tage-Corona-Blitzcrash im Februar/März lag er wieder einmal an der Spitze der Länderindizes. Unvergessen aber sein Einbruch in der Dotcom-Blase, die den Index um über 72 Prozent in die Tiefe getrieben hatte. Schuld daran ist sicherlich seine Eigentümerstruktur: wenn es zuhause kracht, repatriieren die Angelsachsen das Kapital. Das heimische Volumen der aktienmuffligen Deutschen reicht dann nicht aus, um einen Sturz abzufedern. So geschehen auch im Jahr 2020.

Dax und der falsche Schein bei Bonuszertifikaten

Die Idee klingt so gut: Man kauft den deutschen Leitindex Dax vergünstigt mittels Bonuszertifikat in unsicheren Zeiten, mit einem Puffer, nur mit dem kleinen Nachteil, dass die Gewinne gedeckelt sind. Ergibt eine schöne Rendite, in einem richtungslosen Markt. Wenn da nicht die große Volatilität wäre, die manchmal zu größeren Ausschlägen führt – und schon ist der Vorteil weg. Das deutsche Technologieunternehmen TTMzero hat Untersuchungen bei über 110.000 Bonuszertifikaten, die auf den Dax ausgerichtet waren und 8250 auf den Nasdaq innerhalb der ersten drei Quartale 2020 durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass bei den Dax-Zertifikaten gut 31 Prozent die Barriere verletzt hatten, beim US-Technologie-Index hingegen nur 25 Prozent.

Deutlich mehr waren es im Monat des Corona-Crashs, als 43 Prozent der Dax-Produkte den Bonus verloren gegenüber 24 Prozent bei Nasdaq-Zertifikaten. Der deutsche Leitindex sackte zu dieser Zeit auch 10 Prozent mehr in die Tiefe als der Nasdaq 100.

Es gibt Barrieren nach unten, aber auch nach oben.

In einer Phase schnitten die Reverse-Bonuszertifikate auf den Dax besser ab, als die auf den Nasdaq: Es war die Periode mit der großen Euphorie um den Aktiensplit von Apple und Tesla, in der zum Beispiel viele Robinhooder den Technologieindex in eine selten gesehene Übertreibungsphase getrieben hatten, in einen Fahnenstangen-Chart, mit bis zu 35 Prozent über den 200-Tagesdurchschnitt. Mit so hohen Kursausschlägen hatte man allgemein nicht gerechnet.

Im Nachhinein betrachtet waren die Sommermonate für Bonuszertifikate auf den Dax jedoch eine gute Periode, denn der Index bewegte sich von Anfang Juni bis Ende Oktober in einem 1000 Punkte Seitwärtskanal.

Dann kam die US-Wahl und der Lockdown light in Deutschland. Der deutsche Leitindex korrigierte um über 11 Prozent, die US-Börsen um die sieben. Dafür geht es aktuell mit dem Dax wieder mit „Schmackes“ nach oben, die Sommerlethargie scheint vorüber zu sein.

Fazit

Unser Leitindex ist schon ein seltsamer Geselle. Aufgrund seiner Exportausrichtung ist er stets so etwas wie ein Call auf die Weltwirtschaft (ähnlich wie der Kospi in Südkorea) aus wenigen Werten zusammengesetzt, zu über 50 Prozent in ausländischer Hand und damit externen Kräften ausgesetzt. Außerdem kann er auf lange Sicht als Performance-Index gar nicht richtig verglichen werden mit all den internationalen Kursindizes.

Der Kurs-Dax stand am gestrigen Tag bei 5668 Punkten, sein Hoch hatte er im Jahr 2000 mit 6266 Punkten erreicht und erst in den Jahren 2017 und 2018 übertroffen (6426 Punkte in der Spitze). Ohne Dividenden ein ganz schöner Kapitalvernichter. Zum Vergleich: Das Hoch des US-Leitindex S&P 500 lag im Jahr 2000 bei 1527 Punkten und gestern wurde die 3600-er-Marke geknackt.

Dennoch wird der deutsche Leitindex  von vielen Investoren zum Trading benutzt, weil es ein sehr liquider und schwankungsfreudig Index ist. Aber für heimische Investoren auch ein Spielball externer Mächte, wie man es jetzt vielleicht wieder verstärkt beobachten kann. Bonuszertifikate werden wieder etwas riskanter.

Der Dax und Bonuszertifikate



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