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Dax: Ein Tiefschlag nach dem anderen

Keine Frage: der Dax erleidet einen Tiefschlag nach dem anderen – und bestätigt dabei das bei 13200 Punkten gebildete Doppel-Top. Wie schon im Videoausblick thematisiert, ist die Zone bei 12600/30 Punkten der charttechnisch neuralgische Bereich: im Februar scheiterte der Dax an dieser Marke, dann gelang Anfang Mai der Sprung über diese Widerstandszone mit der dann folgenden Doppel-Top-Bildung im Mai/Mitte Juni bei 13200 Punkten.


(Chart durch anklicken vergrößern)

Solange also der Dax unter der 12600/630 bleibt, ist weiterhin Alarmstufe rot angesagt. Besonders unter Druck natürlich die Autowerte im Dax, die allesamt in den letzten vier Wochen zweistellig verloren haben. Offenkundig nimmt man die Drohungen Trumps ernst, wonach es früher oder später zu US-Zöllen auf Autos aus der EU von 20% kommen wird. Das ist, nebenbei gesagt, eine schreiende Ungerechtigkeit insofern, als die USA seit einem halben Jahrhundert Zölle von 25% auf SUVs und light trucks erheben – also auf jene Fahrzeuge, die derzeit von den US-Konsumenten besonders nachgefragt werden und in den USA ca. dreimal mehr verkauft werden als „normale“ Autos. Davon profitierte die US-Autoindustrie maßgeblich, daher wäre ein Gleichschaltung der Zölle, die Trump ja einfordert, gar nicht im Interesse der USA (siehe dazu den Artikel „Trumps Drohung gegen die EU: Warum er gar nicht daran interessiert sein kann, die Zölle abzuschaffen!“).

Gestern hat es das erste Mal auch die Wall Street erwischt: bislang waren es die Märkte in Asien und Europa, die aus Sorgen vor dem Handelskrieg einknickten – die US-Indizes zeigten sich davon regelmäßig unbeeindruckt und machten einfach weiter wie bisher, Nasdaq und Russell eilten von Allzeithoch zu Allzeithoch. Warum? Weil die Wall Street ebenso wie Donald Trump irrigerweise glaubt, man habe weniger zu verlieren, weil man weniger vom Export abhängig sei als etwa Deutschland oder China – aber die US-Firmen machen sehr viel Geschäft in China, und kalkuliert man dieses China-Geschäft der US-Konzerne mit ein, ist die Bilanz China-USA fast ausgeglichen. Das ist der erste Grund, warum der Glaube von Trump und der Wall Street naiv ist.

Der zweite Grund ist, dass die derzeitige starke Stellung der US-Wirtschaft gefährdet ist, wenn Investitionen aufgrund der derzeitigen Unsicherheit ausbleiben und die Firmen keine oder weniger neue Mitarbeiter einstellen. Der dritte, wahrscheinlich wichtigste Grund ist: ein Handelskrieg ist grundsätzlich inflationär, weil Wettbewerb unterbunden wird. Und wenn die Inflation stärker steigt, muß die Fed stärker reagieren und damit die Liquidität immer weiter verknappen (was derzeit ja schon durch die Reduzierung der Fed-Bilanzsumme ohnehin geschieht).

Man darf vor allem gespannt sein, wie heute die Wall Street agiert: da sitzen viele auf guten Gewinnen vor allem bei Tech-Aktien, und man will sich das wohl nicht mehr vermiesen lassen vor dem nahenden Quartalsende. Wir gehen daher davon aus, dass stärkere Erholungsversuche dann eben auch wieder abverkauft werden, weil viele ihre Beute sicher in die Höhle bringen wollen.

Und der Dax: muß zwingend das gestrige Verlaufstief auf X-Dax-Basis bei 12250 Punkten verteidigen – eine Zone, die schon im April eine wichtige Unterstützung war. Erste Station einer Erholung ist der Bereich 12430 Punkte, aber erst über 12600/630 ist wieder Land in Sicht beim Dax..



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1 Kommentar

  1. Die Gründe eins und zwei für die Reaktionen der Wall Street sind nachvollziehbar, aber das Argument Nummer drei scheint mir reichlich unrealistisch. Das würde bedeuten, dass die Fed bei einem kleinen, durch erste Auswirkungen des Handelskrieges ausgelösten Inflationsanstieg, die Zinsen stärker, also öfters als die angekündigten zwei weiteren Zinsschritte in 2018, anhebt. Das wäre der sichere Schritt in eine inverse Zinssstruktur, die von allen Wirtschaftsakteuren gefürchtet wird, weil fast unmittelbar verbunden mit einer Rezession. Liegt der Zinssatz für die 10-jährige US-Staatsanleihe heute nicht schon phasenweise bei mickrigen 2,86% und engt sich der Spread zur 2-Jährigen nicht immer weiter ein? Hat die Fed nicht den Auftrag auch für eine stabile Konjunktur zu sorgen und ist die NB in den USA wirklich völlig unabhängig? Deshalb meine Überzeugung: Wenn sich die US-Konjunktur spürbar abkühlt, ist es mit dem Zinsszenario ruckzuck vorbei.
    Gruß

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