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Dax: Enttäuschungspotenzial für 2020

Für 2020 scheint sich erneut großer Optimismus Bahn zu brechen. Die Gewinnschätzungen für Unternehmen im Dax liegen bei +14,6 Prozent

Es hagelte bei im Dax gelisteten Konzernen geradezu Gewinnrevisionen!  Das Jahr 2019 insgesamt entpuppt sich für die deutsche Wirtschaft als eine Periode der verfehlten Erwartungen, sowohl von Unternehmens- als auch von Analystenseite. Eine gewaltige Divergenz zwischen den Voraussagen zu Beginn des Jahres und dem aktuellen Stand.

Ein Update der Erwartungen

Zu Beginn des Jahres 2019 überwog einmal mehr der Optimismus für das neue Geschäftsjahr, man glaubte an keine Eskalation im Handelsstreit – an leere Drohungen-, an keinen harten Brexit und an Gewinnsteigerungen der im Dax gelisteten Unternehmen in Höhe von 10 Prozent. Derzeit liegen die Schätzungen von Banken und Analysten laut Datenbank IBES aber bei minus 2,7 Prozent. Selten wurden die Gewinnschätzungen in einem Jahr so nach unten revidiert.

 

Für 2020, das gleiche Bild bei den Gewinnschätzungen für Unternehmen im Dax

Für das kommende Jahr scheint sich erneut großer Optimismus Bahn zu brechen. Laut IBES liegen die Gewinnschätzungen der Unternehmen für den Dax bei 14,6 Prozent, für den Euro Stoxx 600 bei 9,4 und den S&P 500 bei 10,3 Prozent. Wenn dem so wäre, müsste Deutschland zu einem Outperformer der großen Aktienmärkte werden. Schon eine reichlich optimistische Sichtweise, oder soll man sagen: Die Hoffnung stirbt zuletzt?

Die Bewertungen der Aktienmärkte – ist der Dax billig?

Was die Aktienmärkte natürlich schützt, ist die unglaubliche Bewertungsdivergenz zwischen Renten und Aktien. Während die maßgebliche 10-jährige US-Staatsanleihe ein KGV von 50 bis 60 aufweist, ist es in Deutschland mit den Minuszinsen gar nicht mehr mess- und vergleichbar. Dagegen die Aktienmärkte: Das KGV für Deutschland beträgt derzeit 12,7, für Europa 13,6 und die USA 16,7, wohlgemerkt auf die sehr optimistischen Schätzungen für 2020 bezogen.

Aber wie ich bereits mehrfach angedeutet habe: Gott und die Welt rechnet für 2020 mit keiner Rezession. Für Deutschland lauten die durchschnittlichen Schätzungen der großen Instutute für das BIP plus 0,9 Prozent, für Europa 1,3 Prozent und für die USA 1,7 Prozent.

 

Fazit

Diese ganzen Erwartungen gehen von sehr optimistischen Rahmenbedingungen aus. Für die USA bedeutet dies zumindest ein Stillhalteabkommen im Handelskrieg mit China (hier eine interessante Chronologie dazu), diverse Lockerungen der bisher bestehenden Zölle und eine unglaublich „dovishe“ US-Notenbank.

Für Deutschland und den Dax ein deutliches fiskalisches Anschubprogramm, vielleicht sogar mit Steuersenkungen, eine Stabilisierung der Industrie, weil Trump mit China deeskaliert, der Verzicht der USA auf Zölle mit der EU, zumindest für eine weitere Zeit und ein halbwegs erträglicher Brexit oder vielleicht eine Verschiebung desselbigen. Eines sollte man nicht vergessen: Die Automobilindustrie musste seit 2015 schon Kursrückgänge von 40-50 Prozent verkraften, die Chemiewerte seit Jahresanfang Rückgänge von 30 bis 50 Prozent. Damit wurde schon viel Negatives vorweggenommen.

Alles in allem ist die Hoffnung für 2020 ein bisschen Weihnachten und Ostern im Doppelpack. Dummerweise hängt vieles von dem, was ich skizziert habe von einem Mann ab – in Übersee. Aber sollte ihn sein unbändiges Streben nach einer zweiten Amtszeit dazu veranlassen richtige „Zollkröten zu schlucken“, so könnte dies einen unerwarteten „Game Changer“ verursachen.

Psychologie ist kurzfristig viel bedeutsamer als Wirtschaftsdaten – und ein Abbau des Attentismus könnte kurz- und vielleicht sogar mittelfristig zu einem Zwischenschub sorgen. Um es noch einmal zu betonen: Ein neuer Aufschwung steht für mich dadurch nicht bevor, der große Einbruch wird überraschend kommen und einen nicht spezifizierbaren Auslöser haben, so sehr wir uns auch um dessen Identifikation bemühen.

Herrscht noch viel zu viel Optimissmus bei den Prognose für den Dax?



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