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Dax: Extrem viel Naivität – oder: Politische Börsen haben sehr lange Beine!

Keine Frage: bislang hält sich der Dax noch gut angesichst der zunächst schwächeren Vorgaben der Wall Street, dann aber vor allem der asiatischen Märkte, die stark verschnupft auf die Infragestellung des Deals zwischen den USA und China sowie des Treffens zwischen Trump und Kim Yong-un reagieren. Oder sind die Nachrichten zu den Kursen eigentlich nur ein Vorwand, mithin also die nachträgliche Suche nach Gründen für die Schwäche an den Märkten?

Viele spricht dafür. Denn schon die in jeder Hinsicht mangelnde Konkretheit des Deals zwischen den USA und China – also der Grund für die Rally – war doch ein klares Zeichen dafür, dass beide Seiten nach Ende des Besuchs von Vizepremier Liu He in Washington eben eine versöhnliche Abschlußerklärung brauchten zur Gesichts-Wahrung. Also hat man sich auf ein windelweiches Papier geeinigt, das für China gut, für die USA aber nach ihren vorherigen Forderungen schlicht zu wenig war.

Daher war die Party der Märkte am Montag ja auch so fragwürdig, weil intellektuell sehr dürftig und naiv. Insofern ist eben auch das aktuelle Erschrecken darüber, dass doch nicht alle Konflikte ausgeräumt sind zwischen den beiden Supermächten, ebenfalls intellektuell dürftig und naiv. Anders gesagt: es gab am Montag keinen Grund für die Party, und eigentlich gibt es daher aktuell auch keinen trifftigen Grund für das Gegenteil der Party!

Es gibt natürlich die Sehnsucht der Märkte, die geopolitischen Themen endlich einmal abhaken zu können: USA-China, der Iran-Konflikt, das Thema Zölle, das jetzt virulent wird im Verhältnis zwischen den USA und der EU. Im Grunde möchten die Märkte das Mantra aus der Vergangenheit bestätigt wissen: politische Börsen hätten kurze Beine. Nichts ist Falscher als das! Spätestens seit 2018 gilt nämlich: Politische Börsen haben sehr lange Beine, aber die Aktienmärkt haben leider häufig eben auch eine zu lange Leitung, um das endlich einmal zu kapieren. Also feiert man seine Partys, um dann erstaunt festzustellen, dass es eigentloch keinen wirklichen Anlaß für die Party gab und man nach dem Suff leider jetzt auch noch einen Kater hat!

Der Dax hingegen lebt sowieso in seiner eigenen Welt und macht sich keine Sorgen: nicht über die Entwicklung in Italien, nicht über den Kollaps der Währungen der Emerging Markets (in die deutsche Unternehmen auch aus dem Dax fleißig ihre Produkte verkaufen), nicht über eine Verschärfung des Konflikts mit den USA. Gestern scheiterte der Index jedoch in der Widerstands-Zone 13200/13210:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Über dieses Niveau muß der Dax nun drüber, wenn er weiter die Oberseite im Blik halten will. Aber es ist jetzt schon ein sehr langer Lauf, den die Bullen hinter sich haben. Es wäre alles andere als erstaunlich, wenn sie jetzt einmal pausieren müßten, sonst ereilt sie noch ein Herzinfarkt..


Von Stefan Kühn, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2022947



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1 Kommentar

  1. Privatanleger sind heute den ganzen Tag schon im Long-Modus beim DAX, teilweise bis zu 80 Prozent aller Derivate.
    Die Falle hat zugeschnappt.

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