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Dax: Fluch und Segen

Keine Frage: bislang ist Trumps Handelskrieg für den Dax eher Fluch als Segen gewesen – aber nun könnte sich der Fokus verschieben: der Handelskrieg ist nun gewissermaßen an der Wall Street angekommen! Der neuerliche Vorstoß Trumps gegen China zielt ganz klar auf den Tech-Bereich, und in diesem Bereich hat der Dax nicht so viel zu verlieren. Klar ist, dass die USA wohl bald Einfuhrzölle auf europäische Autos verhängen wird, aber die Haupt-Stoßrichtung Trumps ist weniger Deutschland als eben China. Was Trump will, ist, dass die Amerikaner faktisch keine hochtechnologischen Produkte mehr ins Reich der Mitte exportieren sollen – und das wird vor allem amerikanische Halbleiterwerte schwer treffen, schließlich ist es dieser Sektor, der einen hohen Anteil seines Umsatzes in China generiert. Damit ändert sich der Fokus der Märkte grundlegend!

Nun zeigt sich, dass Hardliner wie Peter Navarro sich innerhalb der Trump-Administration durchgesetzt haben mit ihrer These, dass der Aufstieg Chinas zur gleichberechtigten Macht neben den USA vor allem ein Kampf um die Vorherrschaft der Technologien ist – und die USA hier ihren Vorsprung mit allen Mitteln verteidigen wollen und müssen. Dem Dax kommt das in gewisser Weise zugute: war es bisher ein Fluch, dass der Dax so wenig Technologie-lastig ist, dürfte sich genau das nun als Segen erweisen!

Das alles heißt nicht, dass der Dax nun nach oben schießen wird – auch der Dax wird in Turbulenzen geraten, wenn die Wall Street in Unruhe gerät nach dem beispiellosen Siegeslauf der amerikanischen Tech-Werte. Wahrscheinlich ist, dass der deutsche Leitindex sich nun also besser halten wird als die amerikanischen Tech-Werte im Nasdaq – daher dürfte auch der Dow Jones, dessen Performance der Dax bislang weitgehend folgte, in den nächsten Wochen besser performen als eben der Nasdaq.

Die Risiken für die Aktienmärkte nehmen jetzt stark zu, man verliert Stück für Stück die Illusion, dass die Dinge schon nicht eskalieren werden im Handelskrieg. Trumps Herrschaftssystem aber ist grundsätzlich und wesenhaft auf Eskalation ausgelegt, nicht auf Verständigung. Bezeichnend ist, dass sich Trump mit dem neuen Vorstoß gegen China auf ein Gesetz aus dem Jahr 1977 beruft, das im Falle einer nationalen Gefährdung dem US-Präsidenten einen weitgehenden Duchgriff auf die US-Wirtschaft erlaubt. Mit anderen Worten: Trump ist dabei, eine Art Ausnahmezustand zu postulieren und damit wesentliche Begrenzungen seiner Herrschaft auszuhebeln!

Aber auch der Dax hat nicht gerade wenige Risikofaktoren – darunter der inzwischen denkbare Rücktritt von Angela Merkel, die von den Märkten als Stabilitätsanker gesehen wird. Wie etwa würde der Dax reagieren, wenn die Große Koalition zerbricht und Deutschland dann vor politisch unsicheren Zeiten steht? So wie es derzeit aussieht, kann Merkel ihre Haltung in der Migrationsfrage nicht auf europäischer Ebene durchsetzen, und „an der Heimatfront“ sitzt ihr Seehofer im Nacken..

So oder so: der Dax bleibt angeschlagen und müsste erst einmal über den jetzt zentralen Widerstand von 12600 Punkten – am Freitag war der Dax an diesem Niveau gescheitert. Solange der Dax also unterhalb der 12600er-Marke handelt, herscht „Alarmstufe rot“ – mit dem Potential weiterer Kursverluste bis 12430 und 12330 Punkte..


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1 Kommentar

  1. Der Aspekt des Kampfes um die hochtechnologische Vorherrschaft zwischen den USA und China hat durchaus seine Kohärenz – auch, dass dadurch der industrielastige Dax etwas aus der Schusslinie gerät. Aber wird Trump seine Eskalationsstrategie bis zu den Midterm Elections durchhalten können?
    Fragezeichen Nummer eins:
    Bei den Stammwählern Trumps im mittleren Westen regt sich erkennbar der Unmut. Nur ein Beispiel: Die US-Sojabauern erzielten im letzten Jahr einen Umsatz von 22 Mrd.$, 14 Mrd. davon mit China. Wenn die Zölle Chinas ab 6. Juli in Kraft treten, könnten diese zwei Drittel ihres Geschäftes verlieren. Seit März, als die Zölle ins Gespräch kamen, haben die Preise schon um 12% nachgegeben. Nicht wenige kämpfen um ihre Existenz und es war Trump, der den Bauern vor seiner Wahl ein besseres Einkommen versprochen hatte. Und es kommen noch weitere Agrarsektoren hinzu.
    Fragezeichen Nummer 2:
    Das große Unsicherheitsmoment ist die US-Ökonomie als Ganzes. Wenn die Zolleskalation mit ihren sekundären Folgen (Störung von Warenketten, Preisanstiege in den USA, Verlust von Arbeitsplätzen) sichtbar und diese mit Trumps Strategie in Zusammenhang gebracht würden, bekäme der Präsident ein echtes Problem (am stärksten, wenn es zu einem Kursverfall an der Wall Street käme). Die ersten Frühindikatoren sind bereits am Schwächeln. Die Frage ist nur, ob dies bereits mit der allgemeinverständlichen Deutlichkeit bis zur Wahl in Erscheinung tritt. Trump scheint schon einiges Unbill zu ahnen, deshalb bereits sein Rückgriff auf Notstandsgesetze des Jahres 1977.
    Den Dax (der Call auf die Weltwirtschaft) wird durch dies alles sehr in Mitleidenschaft ziehen. Aber ich verweise noch einmal auf die Entwicklung des Währungspaares EUR/USD in Q2. Zu Beginn des Quartals stand das Verhältnis bei 1,25 und derzeit bei 1,16. Wie bereits erwähnt, bedeutet ein 5%-er Anstieg des $ eine Verbesserung der Dax-Gewinne um 3%, ein kleiner „Windfall Profit“ zur Abschwächung des Sommerlochs.
    Gruß

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