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Indizes

Dax: Größter Stimmungsumschwung seit Datenerhebung!

Stephan Heibel

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Vor 10 Tagen noch zeigte das Anlegersentiment für den Dax eine extreme Niedergeschlagenheit (-6,0), die für eine Bodenbildung typisch ist. Heute, nur eine Woche später, ist das Anlegersentiment auf +3,6 gesprungen, nah an die 4er-Marke, die extreme Partylaune signalisiert. Mit einer Wochenveränderung von +9,6 Punkten haben wir diese Woche den größten Stimmungsumschwung gemessen, seit wir 2014 die Daten gemeinsam mit dem Handelsblatt erheben.

Den zweit- und drittgrößten Stimmungsanstieg gab es … im November 2016. Am 7.11.2016, also direkt nach dem Überraschungssieg von Donald Trump, sprang das Anlegersentiment um 7,9%punkte nach oben. Es folgten drei Wochen der Zweifel daran, ob das denn wirklich gut sein kann, wenn ein Donald Trump Präsident ist. Die Stimmung pendelte um die Nulllinie. Dann folgte der Ausbruch an den Aktienmärkten nach oben, die Stimmung sprang in der letzten Novemberwoche um 8,5% Punkte an. Der Dow Jones ist seither von 11.500 Punkte auf 28.390 Punkte angesprungen.

Selbstzufrieden oder verunsichert? Nun, man sollte meinen, dass Anleger bei einem gigantischen Kursanstieg im DAX zufrieden sind, doch dazu hat es nicht gereicht. Der Wert von 0 zeigt Neutralität, vielleicht als Verwirrung zu interpretieren. Zwar freut man sich über den Kursanstieg, versteht jedoch nicht, womit man ihn verdient hat.

Die Zukunftserwartung ist weiterhin bei bullischen +3,9, jedoch gegenüber der Vorwoche leicht zurückgegangen. Freute man sich vor einer Woche, dass diese Woche nun endlich Klarheit über die künftige Linie der US-Politik bringen würde, so ist ein Großteil der kurzfristig positiven Entwicklungen mit einem Kursplus von 8% im DAX nun schon eingepreist.

Doch nicht alle haben den Rückschlag der Vorwoche zum Einstieg genutzt. Der Wille war da, denn vor einer Woche war die Investitionsbereitschaft mit +4,5 so hoch wie zuletzt während dem Coronacrash. Doch diese Woche bleibt die Investitionsbereitschaft auf 3,8: viele Anleger haben die Chance verpasst, zu niedrigen Kursen der Vorwoche einzusteigen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt eine vergleichsweise neutrale Verhaltensweise für den Dax. Die stark bullische Positionierung, die sich in der Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten über den Sommer gebildet hatte, wurde im Oktober so weit abgebaut, dass die Absicherungsgeschäfte überwogen. Dieser Überhang wurde nun in den vergangenen Tagen wiederum zurückgeführt. Bleibt festzuhalten: Nach starken Schwankungen sind Privatanleger nun neutral positioniert.

Ganz anders sieht es bei den Profis aus, die sich über die Eurex absichern. Vor einer Woche hatten wir das historisch höchste Put/Call-Verhältnis gesehen (4,8): Profis waren mit allem, was sie hatten, Long gegangen. Zu Recht, wie wir nach dem Kurssprung dieser Woche sehen.

Heute ist das Put/Call-Verhältnis auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr eingebrochen (0,4): die Long-Spekulationen wurden aufgelöst, jetzt sichern sich die Profis schon wieder gegen fallende Kurse ab.

Offensichtlich lagen professionelle Anleger vor einer Woche goldrichtig mit ihrer bullischen Positionierung. Bleibt jedoch abzuwarten, ob das für die heute Positionierung erneut gelten wird.

Das Put/Call-Verhältnis an der CBOE in den USA ist weiterhin sehr niedrig, zeigt also eine starke Absicherungsneigung für US-Investoren an. Pessimismus oder auch Skepsis dominieren dort. Das passt nicht so wirklich ins Bild, muss ich zugeben. Hmm, ich werde dort wohl mal tiefer einsteigen müssen, um die Datenermittlung besser zu verstehen.

Für den Anfang: Es gibt das Put/Call-Verhältnis für drei Bereiche: Zum einen für den Gesamtmarkt, bestehend aus ca. 3.500 Aktien des Wilshire 5000 Index. Zum Zweiten speziell für Aktien und zum Dritten für Indizes. Ich schaue meist auf den Wert für Aktien, doch der passt diese Woche nicht.

Fondsmanager haben ihre Investitionsquote diese Woche weiter verringert (-9%punkte auf 69%). Fondsmanager haben die Rallye dieser Woche also genutzt, um weitere Gewinne mitzunehmen. Hmm, das passt zur Skepsis, die ich beim obigen Put/Call-Verhältnis der CBOE nicht einordnen konnte.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit +6,5% einen leichten Überhang der Bullen an. Leichte Zuversicht, nachdem in den Vorwochen die Bären dominierten.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 41% eine neutrale Verfassung an. Die Kursrallye dieser Woche hat aus technischer Sicht noch keine Übertreibung zutage gebracht, sondern war bislang lediglich die Korrektur des Ausverkaufs der Vorwoche.

Dax: Interpretation des Stimmungsumschwungs

Die US-Wahlen haben für eine Achterbahnfahrt gesorgt. Gleichzeitig springen die Zahlen der Corona-Infektionen in den USA und in Europa auf Rekordhöhen. Während wir in Europa schon weitreichende Coronamaßnahmen eingeführt haben, könnte in den USA ein weiteres Ansteigen der Zahlen dazu führen, dass die US-Amerikaner aus eigener Angst zu Hause bleiben und somit wirtschaftlich als auch epidemiologisch einen ähnlichen Effekt erzielen wie wir mit unserem Teil-Lockdown.

Also: die Blaue Welle in den USA ist ausgeblieben, die Pattsituation wird, gleich wie der nächste Präsident heißt, zu wenig Änderungen führen. Unternehmensergebnisse der vergangenen Wochen waren herausragend, „Analystenerwartungen“ sollten umbenannt werden in „Analystenbefürchtungen“. Corona droht jedoch die Zwischenerfolge des abgelaufenen Sommers zunichte zu machen und entsprechend glücklich sind Anleger über den Kurssprung der abgelaufenen Woche, gleichzeitig wächst jedoch langsam eine Skepsis darüber, wie die Geschäfte im nun laufenden vierten Quartal wohl sein werden.

Der heftige Stimmungsumschwung in Deutschland ist darauf zurückzuführen, dass zwischenzeitlich plötzlich konjunktursensible Aktien empfohlen wurden, denn ein gigantisches US-Konjunkturpaket hätte selbst die schlimmsten Coronafolgen aufgefangen. Außerdem leben wir in Deutschland nun im Teil-Lockdown und die Menschen sehen nun aus erster Hand, dass ein Großteil der Wirtschaft weiterläuft.

Das gigantische US-Konjunkturprogramm wird es nun doch nicht geben und so sorgen die guten Q-Zahlen vieler Unternehmen zwar zu einer Korrektur im Kursniveau (diverse Kurssprünge nach oben um über 10%), doch für die kommenden Monate wird man wieder stärker auf den Einfluss von Coronamaßnahmen auf die einzelnen Wirtschaftszweige achten müssen.

Skepsis aufgrund von Corona ist also durchaus nachvollziehbar.

Die regelmäßige Teilnahme an der animusX Investoren Umfrage ist unter https://www.animusx.de/ möglich. Bei aktiver Beteiligung an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.

Investoren im Dax waren kürzlich noch niedergeschlagen, nun herrscht Partylaune

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Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Die Good News-Wall Street

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Besprochen werden die ganz frisch veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten. Auch Thema ist der wohl anstehende neue Konjunkturstimulus.

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Indizes

Wall Street: Experte Markus Koch über die Jahresendrally

Markus Fugmann

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Die Wall Street ist in Party-Laune – gestern der Leitindex S&P 500 sowie der Nasdaq 100 mit neuem Allzeithoch. Kommt jetzt die große Jahresendrally – und das nach dem Rekord-Monat November mit zweistelligen Gewinnen bei den großen Indizes der Wall Street?

Wall Street: Comeback der Tech-Aktien zum Jahresende?

Derzeit, so Markus Koch in einem Interview mit „Mission Money„, sei es schlicht schwer, die Bullenherde an der Wall Street aufzuhalten. Das Problem sei, dass die Investoren extrem optimistisch seien, das Sentiment sei euphorisch. Insgesamt aber bleit auch Markus Koch optimsitisch für die Entwicklung der Wall Street – auch im Jahr 2021:

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Markus Koch über die Wall Street und die Jahresendrally

 

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Aktienmärkte: Bringt der dreifache Hexensabbat eine Wende?

Wolfgang Müller

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Das Geschäft mit Optionen wird für die Aktienmärkte immer bedeutsamer, speziell in den USA, wo in der jetzigen Euphoriephase die Umsätze bei Call-Optionen geradezu explodieren. Ungeachtet dessen blickt man stets gespannt auf den viermal in einem Jahr, jeweils am dritten Freitag im Montag stattfindenden großen Hexensabbat entgegen. Der Verfall von Terminkontrakte, wie Futures und Optionen sorgt oft im Vorfeld für große Kursschwankungen, weil Marktteilnehmer die Kurse durch Käufe und Verkäufe von Assets so zu bewegen versuchen, dass die Termimkontrakte Gewinne abwerfen. Was wird im Vorfeld zum 18. Dezember an den Märkten geschehen, zu Zeiten größter Call-Euphorie bei gleichzeitig geringen Depotabsicherungen?

Aktienmärkte: Die große Call-Spekulation

Der November des Jahres 2020 hatte es in sich. Der Ausgang der US-Wahlen, der nicht zu einem befürchteten Chaos geführt hat und die Impfstoffentwicklung, beginnend mit der BioNTech/Pfizer-Meldung am 9. November und dem darauffolgenden Wettlauf um den Termin einer Notzulassung.

Das alles führte zu einem Game Changer für die Aktienmärkte mit zahlreichen Konsequenzen: Verkaufoptionen und Leerverkäufe auf Corona-geschädigte Titel wurden in Windeseile eingedeckt (Stichwort Short Squeeze), Nebenwerte und Value-Titel hingegen in großem Umfang gekauft. Obwohl sich die Käufe nach der Monatsmitte wieder beruhigten (bis auf einige Titel wie Tesla oder Impfstofffirmen) schnellte eines gewaltig in die Höhe – der Optimismus der Anleger (FMW berichtete laufend über die heißgelaufenen Indikationen).

Ob ein Angstbarometer wie der Fear&Greed-Index, das ständig im Bereich extremer Gier um die 90 Punkte notiert, US-Aktienindizes weit oberhalb ihrer Aufwärtstrends, oder ein Dow Jones oberhalb der psychologischen Marke von 30.000 Punkten. Die Hausse nährt die Hausse, wieder einmal, und die Gier sorgt im Optionshandel für außergewöhnliche Konstellationen.

Wie Markus Fugmann in einem seiner letzten Videos festgestellt hat, wurden in der letzten Woche in den USA viermal so viele Calloptionen gekauft, wie es im Durchschnitt der Fall ist. 40 Prozent der Umsätze an der New York Stock Exchange waren Optionen. Hierunter aber kaum Put-Optionen, also sichert man sich nicht ab – im Bewusstsein von Rettungsschirmen durch die Notenbanken (Sitzungen am 10. und 16. November vor dem Hexensabbat) und den Stakkato-artig eintrudelnden Meldungen von der Impfstofffront: Wirksamkeitsstudien, Zulassungsanträge und Hinweise auf den Start der Impfungen. Eine selten positive Konstellation von „Good News“ – und dies in der guten saisonale Phase der Aktienmärkte zu Jahresende. Aber was passiert mit den vielen Call-Optionen (35 Millionen allein vor Thanksgiving) in den nächsten Tagen?

Die ungewöhnliche Anzahl an Calls hat die Market Maker gezwungen, über ihr Delta Hedging immer mehr die zugrunde liegenden Titel zu kaufen. Manchmal öffneten die Märkte mit einem Gap, so dass man ständig gezwungen war, Aktien am Markt nachzukaufen. Desto stärker die Hebelwirkung (größeres Delta) bei den Calls, desto größer das Hedging der Gegenseite.

Was passiert aber, wenn die Kurse einen Rücksetzer machen, oder viele Kontrakte am Verfallstag auslaufen? Die Market Maker werden die Werte verkaufen, die sie zum Zwecke der Absicherung gekauft haben und den Abwärtstrend verstärken. Ein Thema, welches noch bedeutsam werden könnte, denn Put-Optionen gibt es kaum, die beim Schließen der Position zum kursstabilisierenden Kauf des Basiswertes führen würden, der bekannten Short Squeeze.

Was werden die Inhaber der Call-Optionen in der letzten Woche vor dem großen Verfall tun? Die Kontrakte verlängern über das Jahresende und die sehr häufig positive Aktienphase hinaus, hinein in einen Monat Januar, der sehr häufig mit Rückschlägen endete?

Übersicht: Keiner hat bald mehr Puts

Dire Aktienmärkte euphorisch, kaum Put-Absicherungen

Grafik: northmantrader.com

Fazit

Der Optimismus der Aktienmärkte ist übergroß und schreit nach einer Korrektur. Eine riesige Herde an Zockern, die mit Kaufoptionen schnell reich werden wollen und die Gegenseite, die Stillhalter, die in die Basiswerte getrieben werden.

Das wird zu Reaktionen führen müssen, Optionen haben ein Verfallsdatum und reagieren auf die implizite Volatilität.

Was mir aber nicht einleuchtet ist, dass die jetzige Situation immer wieder mit historischen Zyklen verglichen wird. Corona hat eine absolute Sondersituation geschaffen und ein Impfstoff in großer Verfügbarkeit ändert vieles in dem für die Aktienmärkte relevanten Zeitraum. Wie sagte der Chef einer französischen Großbank? Wir haben eine Gesundheitskrise, keine Wirtschaftskrise – sehr optimistisch, aber da ist etwas dran. Für die Aktienmärkte zählen nicht die nächsten vier Wochen oder das neue Quartal. Das Kommende wird immer dann interessant, wenn Fakten präsentiert werden, die die lange Sicht ändern – das Delta zwischen eingepreister und veränderter Erwartung.

Tourismus und Luftfahrt liegen stärker im Minus als in Kriegssituationen, die Maschinen, Hotels und Einrichtungen sind aber nicht zerstört und wenn es in einem halben Jahr eine Impfung der Bevölkerung geben hat, so werden manche Industrien wie Phoenix aus der Asche auftauchen. Die Messung eines aktuellen KGVs ist nicht so bedeutsam, wenn die Aktienmärkte mindestens sechs bis neun Monate in die Zukunft blicken.

Der zweite Fakt ist der monetäre: Wieso sieht man nicht die 35 Billionen Dollar an Anleihen, die real negativ verzinst sind oder die Durchschnittsrendite der 7 bis 10-jährigen Staasanleihen, die noch vor ein paar Wochen 0,18 Prozent Rendite abwarf? Das Dilemma für die Finanzbranche schlechthin. Wieso soll es angesichts weiterer zugesicherter Notenbankkäufe größere Umschichtungen von Aktien in Anleihen geben, auch bei leichten Zinsanstiegen?

Und wieso vergleicht man das KGV der Aktienmärkte von 2020 mit dem KGV von 2000, bei der Dotcom-Bubble? Damals lagen die Zinsen bei über 6 Prozent, das KGV der lang laufenden Anleihen bei 15 – und heute? Jeder spricht über die Euphorie infolge der Impfstoffentwicklung, die eine Pandemie in Monaten beenden kann, mit all den Folgewirkungen. Klar, die Call-Positionierung ist zu hoch und wird abgebaut werden. Wieso aber immer die Geschichte von den überteuren Aktienmärkten? Anleihen sind superteuer dagegen.

Natürlich kann sich die Konstellation Anleihen – Aktien ändern und sie wird sich auch, wenn das billionenschwere Stimulusprogramm der Demokraten in die Tat umgesetzt würde. Aber in der jetzigen Situation? In der „Endphase“ von Corona mit einem nochmaligen Anschwellen der Infektionszahlen und mit den großen Notenbankentscheidungen.

Ein Anspringen der Wirtschaft, ein Anstieg der Inflation und neue Schuldenpakete, das wäre der Stoff für eine Neubewertung der Aktienmärkte.

Bringt der Hexensabbat eine Wnede für die Aktienmärkte?

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