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Dax: Großer Stimmungseinbruch mahnt zur Vorsicht

Stimmungseinbruch beim Dax

Der DAX ist in der letzten Woche um knapp 2% eingebrochen. Wichtige Unterstützungen wurden nach unten durchbrochen und berechtigte Zweifel bestehen, ob es sich einmal mehr nur um eine kleine Verschnaufpause handelt, oder aber um den Auftakt zu einer nennenswerten Korrektur beim DAX.

DAX: Seltsame Gemengelage

Die Stimmung der Anleger ist eingebrochen. Das Anlegersentiment ist um 6 Punkte auf -2,4 gefallen. Es ist der größte Stimmungseinbruch seit über einem Jahr. Das lässt befürchten, dass mehr hinter diesem Einbruch steckt als nur eine kleine Verschnaufpause.

Verunsicherung macht sich breit. Die Selbstgefälligkeit ist auf -1,1 gefallen und zeigt, dass einige Anleger auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Auf die Optimisten hingegen ist Verlass: Der Wert von +3,6 zeigt die überaus bullische Erwartungshaltung der Anleger.

Gleichzeitig ist die Investitionsbereitschaft mit einem Wert von 0,9 jedoch mäßig.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger oszilliert stark. Noch Mitte Juli waren Privatanleger überwiegend long positioniert (+10). In den vergangenen Tagen brach diese bullische Positionierung auf ein bärisches Extrem ein (-13), um sich seit dem Ausverkauf dieser Woche wieder ein wenig zu erholen. Stand aktuell: -6.

Das Put/Call-Verhältnis im DAX notiert mit einem Wert von 1,4 auf neutralem Niveau. In den USA zeigt das Put/Call-Verhältnis der CBOE mit einem Wert von 0,53 ebenfalls inzwischen eine neutrale Verfassung an. Der bullische Überhang der Vorwochen ist weg.

US-Fondsanleger haben Kasse gemacht. Von ihrer Investitionsquote von 98% in der Vorwoche haben sie Positionen verkauft und sind nun nur noch zu 71% investiert.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger ist ins Minus gerutscht: -2%. Es gibt mit 35% mehr Bären als die 33% Bullen, erstmals seit Februar.

Der technische Angst und Gier Indikator (Fear&Greed Index) des S&P 500 notiert mit einem Wert von 22 im Bereich der extremen Angst. Eigentlich schon ein erster Ansatz für eine Bodenbildung.

Interpretation der Stimmung

Die größte Bedeutung würde ich dem großen Stimmungseinbruch zumessen: Gepaart mit der Verunsicherung und der geringen Investitionsbereitschaft ist nicht damit zu rechnen, dass Anleger von sich aus Gründe finden, um jetzt schon beherzt beim DAX zuzugreifen. Dazu bräuchte es ein positives Ereignis oder aber tiefere Kurse.

Ein Ereignis, das ich bislang im heutigen Heibel-Ticker noch nicht angesprochen habe, ist die Notenbankpolitik: In den USA mehren sich die Anzeichen auf den Anfang vom Ende der lockeren Geldpolitik. Die exorbitante Geldflutung, die weltweit in Folge der Corona-Pandemie eingeführt wurde, muss irgendwann enden. Das ist jedem bewusst. Doch die Diskussion über die genauere Bestimmung des Zeitpunkts „irgendwann“ hat begonnen. Und je früher, desto stärker werden Anleger verunsichert.

Daher werden ab jetzt positive Konjunkturdaten am Aktienmarkt negativ aufgenommen. Negativ, weil sie den Notenbanken weitere Argumente für den Ausstieg aus der Liquiditätsflutung geben. Am Aktienmarkt hätte man am liebsten eine unendliche Geldflutung :-).

Janet Ellen hatte zuletzt den Ausstieg versucht: 2016 bis 2018 hob sie den US-Leitzins von 0 auf 2,5% an. Schon die Ankündigung der Zinsanhebungen führte 2015 zu heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten: Ein zu schnelles Anheben des US-Zinses stellt insbesondere andere Länder unserer Erde vor Probleme: Sie haben Kredite in US-Dollar aufgenommen und müssen nun mehr Zinsen zahlen. Meist steigt der US-Dollar im Rahmen von Zinserhöhungen auch im Wert, so dass sogar die höheren Zinsen in heimischer Währung noch teurer werden.

Jay Powell will das diesmal verhindern. Daher lässt er andere Notenbankmitglieder die gute Konjunktur loben. Aus Sicht der USA muss die Liquiditätsflutung nun enden und im nächsten Schritt werden die Zinsen steigen. Länder, die in US-Dollar Schulden haben, sollten sich nun dringend darauf vorbereiten.

Doch US-Notenbankchef Powell darf das Tempo nicht zu hoch halten, er muss ausreichend Zeit lassen, damit sich die globalen Finanzmärkte auf das absehbare Ende einstellen können. Kritiker leiten daraus ab, dass ein Ende der Liquiditätsflutung gar nicht möglich sei.

Wir haben hier ein Spannungsfeld, das auf die Aktienmärkte ausstrahlt. Wird es Jay Powell gelingen, die Liquiditätsflutung einzudämmen, ohne globale Turbulenzen an den Finanzmärkten zu verursachen?

Nimmt man die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit als Referenz, besteht nicht allzu viel Grund für Optimismus etwa für den DAX. Schauen wir uns jedoch die Entwicklung der globalen Konjunktur an, dann könnte das entfesselte Wachstum durchaus gewisse Finanzmarktturbulenzen überstehen. Wir treten in eine spannende Phase ein. Vorsicht ist weiterhin angebracht.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.



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