Folgen Sie uns

Indizes

DAX stürmt im Zins- und Liquiditätsrausch Richtung Allzeithoch

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

An den fundamentalen Daten kann es nicht liegen, dass der DAX sein Allzeithoch im Visier weiter nach oben klettert. Hoffnungen auf eine Beruhigung im Handelsstreit und das Abwenden eines harten Brexit Ende Oktober erklären die aktuelle Dynamik nur teilweise.

DAX – die Fundamentaldaten können es nicht sein

Schaut man auf den Chart des deutschen Leitindex DAX 30, so könnte man glauben, die deutschen Unternehmen stehen kurz vor einer Trendwende bei der Gewinnentwicklung und die Aktienmärkte nehmen dies bereits vorweg. Doch weder die Ausblicke der Unternehmen noch die konjunkturellen Frühindikatoren geben diese Erwartung her. Im Gegenteil: Die heute erneut sehr schwach berichteten Einkaufsmanagerindizes deuten klar auf eine bevorstehende Rezession hin und nicht auf einen bevorstehenden Aufschwung. Der Auftragseingang und die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe bleiben negativ und nun schwächt sich zusätzlich auch noch der Dienstleistungssektor deutlich ab.

Selbst die jüngsten positiven Signale vonseiten des Brexits und des Handelskriegs, die bereits in die aktuelle Umfrage der Einkaufsmanager einflossen, haben zu keinem Umdenken in den Unternehmen geführt. Es ist eher so, dass die wegbrechenden Aufträge nun auch auf die aktuelle Produktion durchschlagen und die Auftragsbücher gleichzeitig immer dünner werden. Das riecht nicht nach einem bevorstehenden Aufschwung. Dieser mag vielleicht irgendwann kommen, aber nach einem der längsten Konjunkturzyklen seit dem Zweiten Weltkrieg zu erwarten, dass der Abschwung mit zwei Quartalen Negativwachstum erledigt sei, ist äußerst optimistisch.

Dax Chart

Der DAX bricht dennoch euphorisch nach oben aus und erfreut sich an den beschlossenen Gelddruckprogrammen der beiden bedeutendsten Notenbanken der Welt und dem Ausblick auf weitere Zinssenkungen. Kurzfristig der DAX damit noch Potenzial bis in Richtung 13.231 Punkte, sofern er die Horizontalwiderstände bei 12.870 und 13.165 überwinden kann. Darüber hinaus wartet nur noch ein Widerstand: das Allzeithoch vom 23. Januar 2018 bei 13.600 Punkten.

Zinssenkungsfantasien und Liquiditätsspritzen als Kurs-Pusher

Die Wahrscheinlichkeit für weitere geldpolitische Lockerungen ist in Bezug auf eine erneute Zinssenkung in den USA am kommenden Mittwoch von 64 Prozent vor einem Monat auf jetzt 94 Prozent angestiegen. Ihre Bilanz hat die US-Notenbank in den letzten 5 Wochen so stark aufgeblasen, wie sie diese in den fünf Monaten zuvor behutsam abgebaut hatte. Auch das ist eher ein Alarmzeichen für Stress im Finanzsystem und kein Grund für Optimismus.

Die Kausalität, dass schlechte Nachrichten gute Nachrichten seien, ist ein absurdes Phänomen der modernen Zentralbankökonomie. Alles hängt an den Entscheidungen der demokratisch nicht legitimierten Notenbankbürokraten. Na, wenn das mal nicht nach zentralplanerischem Wirtschaftssystem riecht?

Die Märkte haben jedenfalls verstanden, dass jedes konjunkturelle Wölkchen sofort mittels sinkender Zinsen und einer erhöhten Dosis aus der Liquiditätsspritze verjagt wird. Das macht die Aktie als Anlageinstrument in einer Zinswüste, umgeben von einem Meer aus Liquidität, attraktiv. Das einzige Risiko, das bleibt, ist die Frage, ob es den Zentralbankplanern gelingt, immer sofort die richtige Dosis für den Dauerpatienten zu finden? Oft genug waren sie „hinter der Kurve“ und der Patient kollabierte vorübergehend. So wie beispielsweise genau vor Jahresfrist, als die Weisen aus der Fed noch von einer automatisierten Bilanzreduktion und vier Zinserhöhungen im Jahr 2019 träumten. Diese Fehleinschätzung kostete den S& 500 20 Prozent. Die Tatsache, dass der Markt sich auf Bürokraten verlässt, die in ihren Aussagen und Prognosen politisch befangen sind und die Zukunft genau so wenig kennen, wie jeder andere Mensch, könnte erneut für Turbulenzen sorgen. Dies sollte man berücksichtigen, wenn man sich auf das Spiel mit den Zentralplanern einlässt.

Fazit

Eine nachhaltige Aktienrallye in der Hoffnung auf einen kurz bevorstehenden Aufschwung, bevor dir Rezession überhaupt eingetreten ist, wäre ein Novum. Viel wahrscheinlicher ist ein Szenario, dass bereits währen des Abschwungs in den Jahren 2007 und 2008 zu beobachten war: Trotz rückläufiger Unternehmensgewinne und Konjunkturdaten sprang der Markt in Reaktion auf die einsetzende Lockerungspolitik der Zentralbanken nach oben, nur um danach vollends einzubrechen. Ob es diesmal wieder so kommt hängt entscheidend davon ab, wie schnell und vor allem wie aggressive die Zentralbanken in diesem Zyklus auf realwirtschaftliche Schwächesignale und Stress im Finanzsystem reagieren.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Marcus

    24. Oktober 2019 17:45 at 17:45

    Auffällig ist das der Dow Jones nach Eröffnung abverkauft wird und der Dax sogar noch zulegt. In der letzten halben Handelsstunde in Europa wird der Dow dann nach oben gezogen und die europäischen Indizes schliessen auf Tageshoch. Danach sofort wieder Abverkauf im Dow Jones. Was da läuft….

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Inflation und das Paradox der Erwartungen! Marktgeflüster (Video)

Eines scheint für die Investoren klar zu sein: wenn die Coronakrise überwunden ist, kommt die Inflation. Aber das wäre besonders schlecht für den Reflations-Trade!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Eines scheint für die Investoren klar zu sein: wenn die Coronakrise überwunden ist, kommt die Inflation – deshalb spielen alle Investoren den „Reflations-Trade“ und kaufen vor allem Aktien aus den Sektoren Energie, Industrie und Materialien. Es sind aber vor allem diese Sektoren, die eine besonders hohe Verschuldung aufweisen – und aufgrund der Politik der Notenbanken dennoch derzeit extrem günstig Schulden machen können. Aber wenn die Inflation wirklich steigt, dann beginnen die Kapitalmarkt-Zinsen zu steigen – und das erschwert die Tragfähigkeit der Schulden jener Unternehmen, die derzeit im Reflations-Trade gekauft werden. Im Grunde ist das ein Paradox: wenn die Inflation wirklich käme, wären diejenigen Aktien die Verlierer, die im Reflations-Trade derzeit immens nach oben gekauft werden..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Indizes

Rüdiger Born: Nachbesprechung für Nasdaq-Szenario

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Gestern hatte ich im Video und im Trade des Tages ein Aufwärtsszenario im Nasdaq besprochen. Heute folgt sozusagen die Nachbesprechung. Wie geht es weiter im Nasdaq? Mehr dazu in diesem Video.

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage