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DAX stürmt im Zins- und Liquiditätsrausch Richtung Allzeithoch

An den fundamentalen Daten kann es nicht liegen, dass der DAX sein Allzeithoch im Visier weiter nach oben klettert. Hoffnungen auf eine Beruhigung im Handelsstreit und das Abwenden eines harten Brexit Ende Oktober erklären die aktuelle Dynamik nur teilweise.

DAX – die Fundamentaldaten können es nicht sein

Schaut man auf den Chart des deutschen Leitindex DAX 30, so könnte man glauben, die deutschen Unternehmen stehen kurz vor einer Trendwende bei der Gewinnentwicklung und die Aktienmärkte nehmen dies bereits vorweg. Doch weder die Ausblicke der Unternehmen noch die konjunkturellen Frühindikatoren geben diese Erwartung her. Im Gegenteil: Die heute erneut sehr schwach berichteten Einkaufsmanagerindizes deuten klar auf eine bevorstehende Rezession hin und nicht auf einen bevorstehenden Aufschwung. Der Auftragseingang und die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe bleiben negativ und nun schwächt sich zusätzlich auch noch der Dienstleistungssektor deutlich ab.

Selbst die jüngsten positiven Signale vonseiten des Brexits und des Handelskriegs, die bereits in die aktuelle Umfrage der Einkaufsmanager einflossen, haben zu keinem Umdenken in den Unternehmen geführt. Es ist eher so, dass die wegbrechenden Aufträge nun auch auf die aktuelle Produktion durchschlagen und die Auftragsbücher gleichzeitig immer dünner werden. Das riecht nicht nach einem bevorstehenden Aufschwung. Dieser mag vielleicht irgendwann kommen, aber nach einem der längsten Konjunkturzyklen seit dem Zweiten Weltkrieg zu erwarten, dass der Abschwung mit zwei Quartalen Negativwachstum erledigt sei, ist äußerst optimistisch.

Dax Chart

Der DAX bricht dennoch euphorisch nach oben aus und erfreut sich an den beschlossenen Gelddruckprogrammen der beiden bedeutendsten Notenbanken der Welt und dem Ausblick auf weitere Zinssenkungen. Kurzfristig der DAX damit noch Potenzial bis in Richtung 13.231 Punkte, sofern er die Horizontalwiderstände bei 12.870 und 13.165 überwinden kann. Darüber hinaus wartet nur noch ein Widerstand: das Allzeithoch vom 23. Januar 2018 bei 13.600 Punkten.

Zinssenkungsfantasien und Liquiditätsspritzen als Kurs-Pusher

Die Wahrscheinlichkeit für weitere geldpolitische Lockerungen ist in Bezug auf eine erneute Zinssenkung in den USA am kommenden Mittwoch von 64 Prozent vor einem Monat auf jetzt 94 Prozent angestiegen. Ihre Bilanz hat die US-Notenbank in den letzten 5 Wochen so stark aufgeblasen, wie sie diese in den fünf Monaten zuvor behutsam abgebaut hatte. Auch das ist eher ein Alarmzeichen für Stress im Finanzsystem und kein Grund für Optimismus.

Die Kausalität, dass schlechte Nachrichten gute Nachrichten seien, ist ein absurdes Phänomen der modernen Zentralbankökonomie. Alles hängt an den Entscheidungen der demokratisch nicht legitimierten Notenbankbürokraten. Na, wenn das mal nicht nach zentralplanerischem Wirtschaftssystem riecht?

Die Märkte haben jedenfalls verstanden, dass jedes konjunkturelle Wölkchen sofort mittels sinkender Zinsen und einer erhöhten Dosis aus der Liquiditätsspritze verjagt wird. Das macht die Aktie als Anlageinstrument in einer Zinswüste, umgeben von einem Meer aus Liquidität, attraktiv. Das einzige Risiko, das bleibt, ist die Frage, ob es den Zentralbankplanern gelingt, immer sofort die richtige Dosis für den Dauerpatienten zu finden? Oft genug waren sie „hinter der Kurve“ und der Patient kollabierte vorübergehend. So wie beispielsweise genau vor Jahresfrist, als die Weisen aus der Fed noch von einer automatisierten Bilanzreduktion und vier Zinserhöhungen im Jahr 2019 träumten. Diese Fehleinschätzung kostete den S& 500 20 Prozent. Die Tatsache, dass der Markt sich auf Bürokraten verlässt, die in ihren Aussagen und Prognosen politisch befangen sind und die Zukunft genau so wenig kennen, wie jeder andere Mensch, könnte erneut für Turbulenzen sorgen. Dies sollte man berücksichtigen, wenn man sich auf das Spiel mit den Zentralplanern einlässt.

Fazit

Eine nachhaltige Aktienrallye in der Hoffnung auf einen kurz bevorstehenden Aufschwung, bevor dir Rezession überhaupt eingetreten ist, wäre ein Novum. Viel wahrscheinlicher ist ein Szenario, dass bereits währen des Abschwungs in den Jahren 2007 und 2008 zu beobachten war: Trotz rückläufiger Unternehmensgewinne und Konjunkturdaten sprang der Markt in Reaktion auf die einsetzende Lockerungspolitik der Zentralbanken nach oben, nur um danach vollends einzubrechen. Ob es diesmal wieder so kommt hängt entscheidend davon ab, wie schnell und vor allem wie aggressive die Zentralbanken in diesem Zyklus auf realwirtschaftliche Schwächesignale und Stress im Finanzsystem reagieren.



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1 Kommentar

  1. Auffällig ist das der Dow Jones nach Eröffnung abverkauft wird und der Dax sogar noch zulegt. In der letzten halben Handelsstunde in Europa wird der Dow dann nach oben gezogen und die europäischen Indizes schliessen auf Tageshoch. Danach sofort wieder Abverkauf im Dow Jones. Was da läuft….

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