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Dax: Ist die derzeitige Lethargie ein Warnzeichen?

Ist es ein Zeichen von Stärke oder von Schwäche, die scheinbare Stabilität unseres Leitindex Dax? Er hält sich beharrlich in einer Range, egal ob die US-Techwerte korrigieren oder anschließend wieder haussieren. Die Anleger scheinen sich auf eine Herbstkorrektur vorzubereiten. Einerseits kann durch die seit Anfang Juni laufende Schaukelbörse die deutsche Wirtschaft gegenüber den davongelaufenen Aktienkursen aufholen, andererseits mögen viele Finanzadressen keine stagnierenden Aktienkurse. Könnten hier nicht ein paar Gerüchte Schwung in die Anlegerkreise bringen – nach oben oder eher gen Süden?

Dax: Die derzeitigen Schwächesignale

Auch der gestrige Tag hat es wieder einmal gezeigt: Trotz stark gestiegener Kurse an der Wall Street vom Vortag, guter Future-Vorgaben am Dienstag, guter Konjunkturdaten aus China und den USA und einem besser als erwarteten ZEW-Index – der Dax steigt derzeit immer nur sehr zögerlich und fällt sofort wieder in seine monatelange Range zurück. Ruhe vor dem Sturm? Was spricht für eine größere Korrektur beim Dax, die ihren Namen verdient?

Da ist zum einen die seltsame Schwäche des deutschen Leitindex, der weder groß auf steigende Kurse in Asien oder auch an der Wall Street reagiert. Selbst Kurssteigerungen in New York von ein bis zwei Prozent wie am Montag brachten den Index nicht voran. Eigentlich unüblich, denn der S&P 500 ist der große Taktgeber. Haben die Amerikaner besipielsweise einen Feiertag, verfällt unser Handel schon ab 10 Uhr in Apathie.

Das Handelsvolumen an der deutschen Börse war in den letzten Tagen außergewöhnlich niedrig. Nicht einmal 60 Millionen gehandelte Papiere, obwohl die Feriensaison eigentlich zu Ende ist. Normal wären Umsätze um die 100 Millionen Aktien.

Natürlich sehen die Investoren auch die saisonale Gefahr. Nach einem überragenden Anstieg seit Ende März, befinden wir uns im schwächsten Monat des Jahres für den Dax: Minus 2,3 Prozent beträgt der historische Durchschnitt – und dabei hat der Monat schon mit einem Plus begonnen.

Weil die deutsche Börse so abhängig ist von der US-Börse, blickt man natürlich auch auf die US-Wahlen. Die Grafiken über das saisonale Muster werden in allen Handelshäusern herumgereicht. Biden vor Trump, wäre das gut für die europäischen Börsen? Nicht vergessen sollte man natürlich auch, dass sich der Dax stark in angelsächsischen Händen befindet – und da gibt es eben noch weitere Imponderabilien, wie das Währungsverhältnis.

Fürchtet man sich nicht auch ein wenig vor dem großen Hexensabbat am 18. September? Könnte da nicht Ungemach drohen von den einseitigen Spekulationen, insbesondere der RobinHoodies? Es dürfte die deutschen Anleger auch ein wenig schocken, dass ein Wert wie Apple mehr wert sein soll als alle Aktien im Dax zusammen. Und dass der Anstieg dieses Highflyers Apple allein im August dem halben Wert des Dax entsprochen hat – und dies ohne positive Unternehmensmeldungen.
All dies könnte die Anleger doch etwas zur Vorsicht mahnen.

Aber es gibt natürlich auch Argumente, die für einen Ausbruch nach oben sprechen.

Der Dax ist der stärkste Index in Europa mit 57 Prozent plus seit Ende März. Italien und Frankreich kamen nur gut 30,Prozent voran, Großbritannien 20 und Spanien gar nur um 13 Prozent. Auch wenn man die Dividenden unseres Performanceindex von gut zwei Prozent abzieht, bleibt noch eine bedeutsame Outperformance. Das Momentum könnte den Index bald wieder antreiben.

Unser Leitindex profitiert in besonderem Maße von seinen Exporttiteln und der Erholung in China, die immer weiter fortschreitet, wie jüngste Zahlen beweisen.

Der Dax steht praktisch auf seinem Stand vom 8. Juni (plus 300 Punkte), obwohl sich die Wirtschaft seither deutlich erholt hat. Die Frühindikatoren, wie die Einkaufsmanagerindizes zeigen weiter nach oben. Was ist, wenn der Ifo-Index in Kürze ein fünftes Mal nach oben geht (ab dreimal spricht man von einem Trend)? Die Befragung von 9000 Unternehmenschefs gilt bei einer solchen Serie als recht zuverlässlicher Signalgeber. Die Börse hat über drei Monate den raschen vorherigen Anstieg verdaut.

Es gibt auch also auch Argumente (wie fast immer), die auch die andere Seite begründen. Dennoch ist die momentane Gemengelage schon eine besondere – es ist wie bei der Volatilität: Bei scheinbar großer Stabilität kommt plötzlich ein Ausbruch.

Fazit

Wäre es nicht wieder einmal an der Zeit, dass sich der Dax seinem langfristigem Trend, der 200-Tageslinie bei 12.200 Punkte annähert?

Dies geschah zuletzt Ende Mai und war in den letzten fünf Jahren ein gutes Dutzend Mal der Fall. Wie ich am gestrigen Tag in einem Artikel dargelegt habe, sind vor allem die Großen auf Nummer sicher gegangen, speziell die Fondsmanager, die ihre Investitionsquote zuletzt drastisch heruntergefahren haben. Man scheint der Meinung zu sein, dass die überbordende Call-Spekulation bestimmter „Greenhorns“ zu einer Marktbereinigung führen muss. Allerdings sorgt diese Disposition für zwei Effekte: Zum einen gibt es dabei einen Boden, wenn die Kurse einbrechen und die Manager billiger einsteigen können, auch durch die aufzulösenden Put-Positionen der Profis. Allerdings gibt es aus Sicht der Bären ein großes Risiko: Nämlich wenn die Kurse nach oben ausbrechen, aus welcher Begründung (Impfstoff, Konjunkturpaket) auch immer. Dann hätten wir ein weiteres Mal den so genannten Pain Trade, wie es ihn während der Corona-Zeit schon einige Male gegeben hat. Und die Großen müssten ein weiteres Mal der Straßenbahn hinterherrennen.

Der Dax steht kurz vor einem Ausbruch



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4 Kommentare

  1. „Ist es ein Zeichen von Stärke oder von Schwäche, die scheinbare Stabilität unseres Leitindex Dax?“

    Es ist ein Zeichen dessen, dass der Ami-Markt zu hoch bewertet ist ?

    Es ist ein Zeichen dessen , dass der EUR stärker als der USD ist ?

    Ist ein Zeichen dessen , dass das Pritische fund vor einigen Problemen stehen wird ?

    Ws ist in Zeichen dessen, dass der Eur noch stärker werden will/muss ?

  2. Und wenn das britische Pfund verliert, gegenüber dem ihren mit Abstand größten Handelspartner,

    so wird der EUR weiterhin gewinnen – im Gesamtbild, weil das Pfund verlieren muss. Muss !

    den Brexit, den hätten sich die Briten sparen können…

    weil : sinnlos !!!

  3. und ein harter Brexit, ist offenbar genau das, was die Briten wollen, (durch den Bruch von Staatsverträgen), nämlich den Status eines Entwicklungslandes…

    Soll die EU dem stolzen GB durch Entwicklungshilfe noch ein „harte EUR“ überweisen, wer weiß ?

    Dass man dann offenbar „nicht so vertrauenswürdig“ sei, interessiert die stolzen Briten offenbar nicht ? :D

    Verpflichtungen gegenüber Europa ? – Nicht vorhanden, vielleicht schließt man doch ein Allianz mit Austraulien usw…

  4. Unter den möglichen Schwächesignalen vermisse ich die tickende Zeitbombe der Zombifirmen.Hat man denn dieses Problem gelöst oder eben doch nur die Zündschnur verlängert. Es scheint ,dass doch mehr Anleger an Krall´s Realitätstheorie glauben als an Fratschers und Co. Antipanik Geschwafel.Vor allem Leute im Banken und Finanzsektor und die Grossbetrüger Marke Wirecard selber wissen,dass der Keller noch voller Finanzleichen ist.Zudem fehlt anscheinend an den EU- Börsen der wundersame Börsentreiber der immer nachts wenn alle schlafen die Kurse treibt. Glücklicherweise hängen die Börsen in Europa an den Taten die täglich erarbeitet werden und nicht an den ausserbörslichen Manipulatoren.Scholz und Metkel wüssten auch nicht wie das geht und das ist gut so.

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