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Dax: Jahresendrally befeuert Euphorie der Anleger

Setzt der Dax seine rally fort? Vor Kurzem hatte ich noch einen Artikel mit der Überschrift versehen: „Anleger spielen mit dem Feuer!“ Nach der neuesten Wochenumfrage des Handelsblatts zur Stimmung der heimischen Investoren scheint sich deren Risikoappetit auszuzahlen – eventuell sogar noch über den Jahreswechsel hinaus.

Dax: Ergebnisse der aktuellen Umfrage

Der Sentimentexperte Stephan Heibel, Leiter der wöchentlichen Umfrage des Handelsblatts und Chef des Analysehauses AnimusX, wundert sich über die aktuelle Lage. Denn der Risikoappetit der Privatanleger der Vorwochen scheint sich auszuzahlen. Diese hatten sich bereits vor dem Ausgang der britischen Wahlen und der Minimaleinigung im Handelsstreit (aber vor allem mit dem Wegfall des Damoklesschwertes zum 15. Dezember in Form der Zollerhöhungen) deutlich auf steigende Kurse positioniert. Ganz im Gegensatz zu den institutionellen Anlegern, die sich abgesichert hatten. Damit lag man besser als die Profis – für Heibel eine ungewöhnliche Situation. Die Umfrage war am Wochenende beendet worden, die erste Eindeckungsreaktion sah man bereits am gestrigen Montag.

Heibel weiter: „Institutionelle Anleger müssen nun aktiv werden, um zum Jahresende nicht mit zu großen Barpositionen erwischt zu werden.“ Damit könnte sich die Rally bis Weihnachten hinziehen und eventuell sogar bis ins Neue Jahr. Die deutsche Version der Santa Claus Rally. Allerdings befindet sich die Stimmung mit dem Anstieg des Barometers um 0,9 auf 4,1 Punkte bereits im Bereich der Euphorie, genauso wie der sehr treffsichere 5-Wochendurchschnitt – der in der Vergangenheit bei bestimmten Niveaus (ob auf der Ober- oder der Unterseite) kurzfristige Trendwenden sehr solide angezeigt hat.

Viele rechnen mit einem Angriff auf das Allzeithoch des Dax mit 13559 Punkten, von dem man gerade noch ein knappes Prozent entfernt ist.

Aber wir haben aber eben auch die statisch beste Börsenphase des Jahres, wie Markus Fugmann – trotz seiner Skepsis bezüglich der Differenz zwischen Kursentwicklung und Fundamentaldaten – in Charts erst gestern dargelegt hat. Hinzu kommt die diesjährige günstige Lage der Weihnachtsfeiertage, die nicht mehr viel Raum zum Handeln zulässt.

Heibel sieht beim Dax den Spielball auf Seiten der Institutionellen, die sich mehr und mehr für steigende Notierungen positionieren (müssen), erkennbar am Verhältnis von gehandelten Verkaufs- zu Kaufoptionen. Ich hatte es bereits erwähnt: die Profis wären zum Verfallstag am 20. Dezember mit ihrem „Open Interest“ an der Terminbörse mit einem Dax-Stand von 13000 zufrieden gewesen – aber das war vor Boris Johnson und Donald Trump. Zusätzlich mit dem Stillhalten der Notenbanken sorgt dies für einen deutlichen Abbau der Unsicherheit.

Nach zwei Monaten, in denen die Pessimisten ein leichtes Übergewicht hatten, setzten sich in dieser Woche die Optimisten durch. Insgesamt 68 Prozent der Befragten sehen an den Märkten aktuell einen Aufwärtsimpuls oder eine Topbildung – das sind 26 Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche.

An einen kurzfristigen Abwärtsimpuls glauben nur noch wenige, allerdings sehen mittlerweile auch 27 Prozent der Befragten den Dax in einer Seitwärtsbewegung  –  aber damit immerhin 17 Prozent weniger als in der Vorwoche.

Wie steht es in den USA?

Hier zeigte sich ein etwas gemischtes Bild. Die Anleger haben sich dort vor dieser Woche neutral positioniert – wie bereits seit Wochen. Auch die aktuelle Investitionsquote der US-Fondsmanager lag zu Wochenbeginn mit 79 Prozent auf neutralem Niveau. Ebenso wie das der US-Privatanleger mit einer Bullenquote von gemäßigten elf Prozent. Allerdings ist der Fear&Greed-Index zu Wochenbeginn von 74 auf 84 Prozent gesprungen und damit weiter in den Bereich von extremer Gier.

Fazit:

Auch wenn die einsetzende Gier zur Vorsicht mahnt, scheint meine schon öfters festgestellte These Raum zu greifen: alle Seiten sind offenkundig bemüht, eines der besten Börsenjahre der letzen Jahrzehnte mit derzeit über 27 Prozent Kursanstieg (allen fundamentalen Argumenten zum Trotze) über die Ziellinie zu bringen. Gier hält sich an den Börsen zumeist länger als Angst oder Panik, aber es kommt in beiden Stimmungslagen zum Ausgleich.

Deshalb rechne ich persönlich bereits im Januar mit heftigen Kursschwankungen, auch wenn kurzfristige Börsenprognosen mehr einem Glücksspiel nahekommen als einer seriösen Angelegenheit. Aber in wenigen Wochen wären die großen Boni für die Großen „im Sack“ – und da könnte man dann schon ein paar Chips vom Tisch nehmen..

Der Dax ist vor Weihnachten im Rally-Modus



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6 Kommentare

  1. …ich lese hier so oft etwas davon, dass die Kursanstiege über die Ziellinie gebracht werden müssen…wann entstehen denn die großen Bonis und vor allem wie?…wird denn der Boni erbracht weil der SundP über 25 % im jahr 2019 gestiegen ist oder wird der Boni erbracht, weil ich viele gute Geschäfte gemacht habe? Oder ergibt sich der Boni alleine schon aus dem Volumen des jeweiligen Fonds, etc und der Steigerung des Volumens auch wenn ich nur Buchgewinne habe? Sehr nebulös das Ganze…Als Boniberechtigter könnte ich doch auch jetzt die Chips vom Tisch nehmen, um das Risiko fallender Indizes zu verringern und habe dann immer noch ein schönes Portfolio und zusätzlich Bargeld…ich glaube da fehlt mir eine Gehirnwindung um mir das System dahinter vorstellen zu können…

    1. @Ranzentier. Hallo. Soviel mir bekannt ist, ergibt sich für die Fondsgesellschaft die Investmentgebühr aus nach der Höhe der Einlagen, unabhängig von Gewinn oder Verlust und diese sind seit Januar gewaltig gestiegen. Der Fondsmanager bekommt seinen Bonus, je nach Höhe des Jahresgewinns, der aber erst zum Jahresschluss ermittelt wird. Alles andere ergäbe doch keinen Sinn. Da die aktiven Fonds aber der Benchmark und damit den passiven Fonds hinterherhinken (geschätzte 90 Prozent), stehen die Manager unter gewaltigem Performancedruck. Jetzt aussteigen, während der Markt weiterläuft? Ich habe doch schon mehrere Artikel über die gewaltige Zunahme des Volumens in ETFs geschrieben. Im S&P 500 laufen schon 50 Prozent über diese Vehikel. Ein schlechter Fondsmanager ist da ruckzuck seinen Job los. FOMO in verschärfter Form.
      Grüße

      1. Es gibt durchaus einige Fonds die sich ab einer gewissen Rendite eine zusätzliche Erfolgsabhängige Vergütung zusätzlich zu den Gebühren verrechnen, das ist dann zB bis 10% ab 10% Jahresgewinn 10% vom 10% übersteigenden Anteil.

        In der Schweiz zB Agfif oder auch Pfetten Ewaldsen und viele andere

    1. …und Citigroup sieht Gold über 2000 Dollar…🤪🤒🤣

  2. J.P. Morgan setzt also auf eine stärkere Wirtschaft, da muss man ziemlich blind sein., u. wenn sie Recht hätten, was wäre dann mit den Zinsen ? Auch bei der nächsten Baisse werden sich nur Wenlge rühmen können mit der Voraussage, die vielgescholtenen Crashpropheten.
    Genau darum braucht es 90% der Banken nicht mehr, ca. alle 9Jahre eine totale Fehlprognose u.viele hochbezahlte Leute.

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