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Dax: Kleinanleger spielen mit dem Feuer

Für den Dax wird entscheidend, ob Trump die Strafzölle gegen China verhängen wird

Am Montag und Dienstag kam es zu einem einen Rutsch der Aktienmärkte – der Dax fiel bis knapp unter die Marke von 12900 Punkten. Das brachte zahlreiche Privatanleger in Schwierigkeiten, die vorher mit Hebelprodukten stark auf eine Fortsetzung der Jahresendrally gesetzt hatten. Aber diese Privatanleger geben nicht auf – die letzten Trades an der Euwax in Stuttgart lassen keine andere Schlussfolgerung zu.

Dax: Hoffnungen auf die Jahresendrally

Es ist schon erstaunlich, dass die Privatanleger nach den Kursverlusten zu Beginn der Woche nicht erst einmal auf Nummer sicher gehen und die Gewinne des Jahres sicherstellen. Nein, man hat die Wetten auf steigende Kurse beim Dax sogar noch erhöht, im Glauben auf eine Verschiebung der Zölle zum 15. Dezember (und auf keine Überraschung bei der Fed-Sitzung am gestrigen Abend).

Das Sentiment an der Euwax in Stuttgart ist weiter angestiegen und befindet sich fast auf einem 12-Monatshoch. Auch die Institutionellen, die insgesamt deutlich zurückhaltender agieren, haben etwas mehr auf steigende Kurse gesetzt. Dieses Verhalten birgt natürlich die Gefahr mit sich, dass man bei einem Kursrückgang als Käufer erst einmal ausfällt. Was passieren könnte, wenn man an der Wall Street eine zeitliche Verschiebung zunächst mit einem „Sell on good news“ beantworten würde – eine positive Lösung wurde hier schließlich schon x-fach eingepreist.

Betrachtet man die Entwicklung des Dax der letzten Wochen, so sieht man einen großen Respekt vor weiteren Anstiegen in Richtung Allzeithoch. Der deutsche Leitindex hatte sich sehr weit von seinem langfristigen Aufwärtstrend, der 200-Tage-Linie entfernt, die derzeit bei 12250 Punkten steht und täglich um ca. 10 Punkte steigt. Bei einer Differenz von 10 Prozent plus erfolgte auch in Aufwärtsbewegungen regelmäßig eine Korrektur, entweder durch eine längere Seitwärtsbewegung oder einen Kursrutsch – mean reversion eben.

Die Entscheidungen der Notenbanken

Die gestrige Entscheidung der US-Notenbank brachte wie erwartet keine Änderung bei den Leitzinsen. Nach Aussage von Jerome Powell sei die Lage stabil und man werde für eine längere Zeit nicht an den Zinsen rütteln. Die Federal Reserve wähnt sich in einer Phase der Stabilität, obwohl es in der jetzigen labilen Lage der Weltkonjunktur und einem ungelösten Handelsstreit doch wahrlich keine ruhige Phase geben kann. Anscheinend will der Notenbankchef hiermit zum Ausdruck bringen, dass er im Wahljahr 2020 keinerlei Einfluss nehmen will. Einzig bei einer Veränderung der Inflationsrate könnte man gezwungen sein, die Zinsen anzuheben – und da legt aus meiner Sucht auch das ignorierte Problem: Ein Zinsanstieg bei den Kapitalmarktzinsen infolge steigender Inflationsraten durch die Gelddruckorgie der Notenbank.

Das Statement der Notenbank dürfte allerdings US-Präsident Trump nicht gefallen, schließlich hat er schon seit Monaten auf weitere Zinssenkungen gedrängt, zum einen um sein Schuldenprogramm weiter zu finanzieren und zum anderen, um den Dollar zu schwächen. Was wird diese „störrische“ Einstellung der Fed bei ihm wieder für Reaktionen auslösen? Auch im Hinblick auf den Handelsstreit mit China?

Die zweite Notenbankentscheidung erfolgt schon heute, kurz nach Mittag.

Die neue EZB-Chefin Christine Lagarde wird sich wohl nicht an eine Änderung der Nullzinspolitik von Mario Draghi heranwagen, aber es war aber schon die Rede davon, dass alles auf den Prüfstein soll. Die Bilanzsumme der Notenbank ist mit 4,709 Billionen Euro auf das höchste Niveau seit Januar geklettert, es läuft das monatliche Anleihekaufprogramm „QE infinity“, 20 Milliarden monatlich, Ende offen. Daran wird die Französin nichts ändern, auch dürfte es keine weitere Absenkung der Negativzinsen geben, schließlich hat man erkannt, dass die Negativzinsen keine Wirkung mehr entfalten. Interessanter dürfte die erste Pressekonferenz der Juristin sein.

„Ich lerne erst noch die Sprache der Zentralbanken“, sagte sie erst vor Kurzem vor dem Europäischen Parlament. Man solle daher bitte nicht zu viel in ihre Worte hineininterpretieren. Manch einer wird beim Thema Klimaschutz nachhaken. Sollte sie hier wieder Äußerungen machen zum Thema Ankauf von Anleihen aus umweltfreundlichen Branchen, einer neuen Form der Industriepolitik?

Etwas Aufschluss erwartet man auch zur Zinslandschaft allgemein, die mehr und mehr Institute zur Verhängung von Strafzinsen (Verwahrentgeld) zwingt.

Fazit: worauf es jetzt für den Dax ankommt!

Nachdem von den Notenbanken kaum Störfeuer zu erwarten ist, reduziert sich meines Erachtens die Frage, ob es noch zu einem Rückschlag beim Dax und anderen Aktienmärkten vor Jahresultimo kommt, einmal mehr auf das leidige Thema Handelsstreit.

Wie begründet man ein Einlenken oder eine Verschiebung der Deadline? Keiner der Kontrahenten will sich innenpolitisch eine Blöße geben. Beide Staaten spüren die Konsequenzen, der Schaden, der für die Weltwirtschaft entsteht, wird von Woche zu Woche größer. Und bis zum Börsenschluss am Freitag sind es nicht mehr allzuviel Stunden..

Für den Dax zählt jetzt vor allem, ob es neue US-Strafzölle gegen China geben wird



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