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Dax: Kommt die große Reform? Was sich ändert – und was nicht

Es wurde schon öfters Kritik geäußert an unserem Leitindex Dax. Aber spätestens seit dem 23. Juni, als die Bombe um das DAX-Mitglied Wirecard platzte, braucht es neue Lösungen

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Es wurde schon öfters Kritik geäußert an unserem Leitindex Dax, mit seiner kleinen Mitgliederzahl oder den Kriterien des Auf- und Abstiegs. Aber spätestens seit dem 23. Juni, als die Bombe um das DAX-Mitglied Wirecard platzte, machte sich die Deutsche Börse ernsthaft daran, eine Reform des Leitindex, 32 Jahre nach seiner ersten Berechnung, ins Auge zu fassen.

Der antiquierte Dax 30

Ob der Mibtel in Milan oder der CAC 40 in Paris, beide mit 40 Werten, der FTSE 100 in London oder der S&P 500 in New York – alle Indizes haben mehr Aktien in ihrer Auswahl als der deutsche Vorzeigeindex. Außer der uralte Dow Jones Industrial aus dem Jahre 1896, der dieselbe Anzahl an Aktien enthält wie der Dax Aktien, aber andere Merkwürdigkeiten aufweist.

Jedenfalls stellt man sich schon längere Zeit die Frage, ob man mit einer derart kleinen Auswahl an Titeln die Wirtschaft eines so großen Industrielandes wie die Bundesrepublik Deutschland abbilden kann?

Erstaunlicherweise repräsentieren die 30 Dax-Mitglieder immerhin über 60 Prozent der Marktkapitalisierung deutscher Aktiengesellschaften.

Die Marktkapitalisierung zu Monatsende September:

  • Dax: 1,263 Billionen Euro
  • MDax 430 Milliarden Euro
  • SDax 108 Milliarden Euro
  • TechDax 408 Milliarden Euro (Werte wie SAP, Deutsche Telekom, Infineon u.a. sind aber auch im Dax gelistet)

Durch seine regelbasierte und leicht nachvollziehbare Konstruktion eignet sich der Leitindex besonders als Grundlage für Derivate und Indexfonds (ETF) und als Basis für 150 000 Finanzprodukte. Insbesondere ausländischen Investoren nutzen den sehr liquiden Index im regelmäßigen Handel. Aber wird man mit so einer engen Auswahl der Weiterentwicklung einer Wirtschaft durch neue Unternehmen gerecht? Jetzt steht eine Erweiterung des Dax auf 40 Titel zur Disposition. Fragt man Fondsmanager, so hätten diese lieber 50 als 40 Aktien im Leitindex.

Die Auswahlkriterien

Aufnahmekriterium für den Dax waren bisher: Ein Dax-Unternehmen muss bei der regulären Überprüfung (jährlich im September) zu den 30 größten Werten nach Orderbuchumsatz oder Marktkapitalisierung gehören, für einen schnellen Einstieg (Fast Entry) zu den 25 größten.

Nun lotet die Deutsche Börse in den nächsten Wochen (bis 4. November) Vorschläge mit Markteilnehmern aus, bis Jahresende soll die Reform stehen.

Unternehmen sollen aus dem Dax verbannt werden können, wenn sie ihre Unternehmenszahlen nicht fristgerecht vorlegen.
Künftig wird beispielsweise vor einer Aufnahme überlegt, ob ein Unternehmen Gewinne oder zumindest Gewinnfähigkeit vorweisen kann – ein Kriterium, das dem Essenslieferdienst Delivery Hero den Aufstieg in den Dax verwehrt hätte.
Firmen, die mehr als zehn Prozent ihrer Umsätze mit Geschäften machen, die in der Gesellschaft „umstritten“ sind, sollen ausgeschlossen werden. Als Beispiel werden hier Waffen genannt.
Zusätzlich stellt die Deutsche Börse zur Diskussion, ob nur noch die international übliche Free-Float-Marktkapitalisierung berücksichtigt wird und dafür das Kriterium Börsenumsätze gestrichen werden soll.
Die Überprüfung der Kriterien soll alle sechs Monate erfolgen.

Fazit

Wie lange wird schon über die antiquierte Zusammensetzung des Dax diskutiert? Der Skandal um Wirecard bringt vieles ins Rollen. Was würde eine Reform bringen?

Das Gewicht von Chemie-, Biotech- und Pharmaunternehmen würde vermutlich steigen, das der Automobilindustrie etwas abnehmen. Aber hintergründig geht es auch um die Attraktivität des deutschen Aktienmarktes, der auch im Vergleich zu europäischen Ländern unterrepräsentiert erscheint. So haben die Leitindizes in Großbritannien und Frankreich ein deutlich höheres Marktgewicht als die Leitbörse in der mit Abstand größten Volkswirtschaft Europas.

In Zeiten von Nullzinsen wird die Aktienanlage, als Beteiligung an der Volkswirtschaft, tendenziell immer bedeutsamer. Aber wie groß ist unser Aktienmarkt im Vergleich zur Größe der Volkswirtschaft, immerhin die viertstärkste der Welt (grob 2 Billionen Euro zu 3,44 Billionen Euro)? Es scheint noch in diesem Jahr tatsächlich Bewegung zu einem grundsätzlichen Umbau unseres Leitindex zu geben. Aber eines scheint man außen vor zu lassen – die Exotenstellung des Dax als Performanceindex, der die Dividenausschüttung mit einberechnet, im Gegensatz zu den international üblichen Kursindizes. Damit bliebe es auch weiterhin bei so etwas wie einem Äpfel-Birnen-Vergleich.

Der Dax soll reformiert werden

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – „Ob gut oder schlecht – Sell the News!“

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Auch wenn es wie bei Microsoft gute Zahlen gab – der Markt ist derzeit negativ eingestellt.

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Aktienmärkte: Abverkauf voraus? Corona gegen Geldflut

Sollte das V-förmige Konjunkturszenario durch die Pandemie jetzt einen richtigen Knacks bekommen, könnte es doch noch zu einem größeren der Aktienmärkte kommen

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Die Aktienmärkte geraten zunehmend unter Druck – der deutsche Leitindex Dax zeigt es doch schon seit Monaten: Nach seinem steilen Einbruch im Februar/März, seiner steilen Erholung bis Anfang März und dann fünf Monate Seitwärtsrange und mit seinem Absinken der Kurse in den letzten Wochen. Die Wirtschaft wackelt. Jetzt kamen ein paar Daten aus dem Wirtschaftsumfeld, die zeigen, dass die Erholung stark ins Socken geraten ist. Corona gegen die Geldflut – wer behält die Oberhand?

Aktienmärkte: Der Dax und der Ifo-Index

Monat für Monat blicken Ökonomen auf die Veröffentlichung der neuesten Ausgabe des Ifo-Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts, bei der die Erwartungen von 9000 Unternehmenschefs hinsichtlich ihrer Unternehmen dargestellt werden. Legt man diesen Index-Verlauf über eine graphische Darstellung der deutschen Konjunktur, so wird man eine recht gute Prognosequalität und eine Korrelation des Indikators mit der Wirtschaftsentwicklung konstatieren. Schließlich spiegelt das Barometer Wirtschaftsfakten wider und nicht Erwartungen von Finanzanalysten, wie es beim ZEW der Fall ist. Doch auch die Relation zum deutschen Leitindex ist oft sehr auffällig.

Jetzt gab es am Montag einen Doppelschlag. Ein nach fünf Monaten erstmals rückläufiger Ifo-Index und ein 23-prozentiger Einbruch bei Deutschlands Dax-Schwergewicht SAP. Bei dem Technologiekonzern ist die Absenkung der Wachstumsabsichten ein echtes Warnzeichen, beim Ifo-Index gilt es allerdings zu bedenken, dass erst ein dreimalig steigender oder fallender Index einen Trendwechsel anzeigt.

Corona und seine Gewinner und Verlierer in Deutschland

Neben dem Theater um die US-Wahlen, den taktischen Spielchen um das Stimuluspaket, ist die zweite Coronawelle das eigentlich dominante Thema für die Aktienmärkte. Nicht so sehr wegen der großen Gesundheitsgefahren – Einrichtungen und betroffene Bürger mit Vorerkrankungen werden sich bestimmt besser schützen als im Frühjahr – es sind mehr die behördlichen Maßnahmen, die aus Gründen der Gefahrenabwehr kommen müssen. Man kann nicht einfach Menschenleben mit Wirtschaftsschäden verrechnen. Die Anordnung von Lockdowns, die nach Inzidenzzahl mehr oder weniger umfassend ausfallen müssen.

Auch global betrachtet: Zwar werden es bestimmt keine vier Milliarden Werkstätige werden, wie im ersten Halbjahr, die zeitweise in häuslicher Quarantäne verbracht haben. Aber die Aktienmärkte haben nur moderate wirtschaftliche Einbußen im Winterhalbjahr eingepreist und keine Lockdowns ganzer Staaten. Frankreich, Spanien, Italien – die Infektionszahlen treiben die Politiker zu drastischen Maßnahmen. Eine V-förmige Erholung ist in diesen Ländern bereits abgehakt und es gibt noch eine weitere Anzahl kleinerer Staaten mit noch größeren Problemen.

Was bedeutet das für Deutschland? Zunächst einmal wird Kanzlerin Angela Merkel vermutlich heute mit dem Ministerpräsidenten einen (Wellenbrecher-)Lockdown ankündigen. Dies wird wieder einige Corona-Opfer weiter schwächen, aber es gibt zahlreiche Firmen aus dem Dax, die das Jahr bisher außerordentlich gut überstanden haben.

Der deutsche Leitindex rangiert im Jahr 2020 mittlerweile mit neun Prozent im Minus und ein knappes Dutzend seiner Werte liegen zweistellig im Minus.

Schaut man sich die Dax-Entwicklung genauer an, wird klar, dass die Aktienmärkte keineswegs eine Erholung für die gesamte Wirtschaft sehen. Der Leitindex selbst rangiert 2020 zwar nur neun Prozent im Minus, doch immerhin stehen elf der 30 Titel zum Teil deutlich zweistellig im Minus. An der Spitze Bayer, MTU oder Fresenius, die über ein Drittel an Wert eingebüßt haben. Oder auch das Schwergewicht SAP, das mit seinem 23-Prozent-Rutsch zeigt, dass die Aktienmärkte sehr wohl auf veränderte Gewinnerwartungen reagieren, trotz der monetären Stützungsmaßnahmen – der Flut, die scheinbar alle Boote hebt. Auf der anderen Seite die Pandemie-Gewinner, Infineon, Delivery Hero oder der Pharma- und Chemiekonzern Merck, die 25 bis über 30 Prozent in diesem Jahr zulegen konnten.

Dennoch: Sollte das V-förmige Konjunkturszenario durch die Pandemie jetzt einen richtigen Knacks bekommen, könnte es doch noch zu einem größeren Ausverkauf kommen, der die Aktienmärkte insgesamt erfasst.

Der Montagsabverkauf, ohne Panik

Seit Wochen wird davon gesprochen – und wenn sie kommt sind dennoch alle verblüfft. Die Rede ist von der Volatilität, die dem Dax am Montag einen Einbruch von 460 Punkten oder minus 3,7 Prozent beschert hat. Anlass war die Gewinnwarnung von SAP, die dem Dax mit einem Kursabschlag von 23 Prozent allein schon über 200 Punkte gekostet hatte. Aber war der Leitindex nicht schon vor zehn Tagen um drei Prozent gefallen, um tags darauf wieder um zwei Prozent zu klettern? Von Panik jedenfalls war am Montag wenig zu sehen, weder die 10-jährige Bundesanleihe mit minus 0,60 Prozent, noch Gold haben besonders reagiert.

Vor dem Wochenende nochmal ein guter Rückblick?

Inmitten einer Flut von Quartalsberichten, speziell der Big Five in dieser Woche, liefern die Statistikämter der USA und Deutschlands am Donnerstag und Freitag die BIP-Zahlen zum dritten Quartal 2020. Was wieder für ein bisschen Verwirrung sorgen wird, einmal wegen der historisch tiefen Rezessionsvergleiche zu Q2 und zum anderen, weil die Amerikaner den Jahresvergleich und die Europäer den Quartalsvergleich heranziehen. Das US-BIP war in Q2 um 32 Prozent (zu 2019) gefallen und könnte in Q3 um bis zu 30 Prozent gestiegen sein. Deutschlands BIP fiel im Frühjahr um 9,7 Prozent (gg. Q1) und Volkswirte rechnen mit einer Steigerung über den Sommer um sieben Prozent. Auf Quartalsbasis waren die USA mit 9,5 Prozent in ähnlicher Höhe wie Germany geschrumpft. Schnee von gestern, jetzt geht es um Q4 Folgende und da herrscht Corona.

Fazit

Was wird sich durchsetzen? Die Pandemie, die mit zahlreichen großen, wie kleinen Lockdowns Teile der Wirtschaft überall ins Schlingern bringt – oder doch die große Geldflut, inklusive der ganzen Rettungspakete, die höher ausgefallen, als der bisherige Rezessionsschaden. Von den 218 Milliarden Euro, die sich das deutsche Finanzministerium für 2020 hat genehmigen lassen, sind nach den ersten neun Monaten des Jahres „erst“ 72,5 Milliarden Euro verbraucht worden.

Was überwiegt? Es kommt also darauf an, heißt ein platter Spruch, der aber derzeit seine Berechtigung hat. Auf die Entwicklung der Infektionszahlen – Israel beweist gerade wie rasch ein Lockdown wirkt – auf den Ausgang der US-Wahlen und vor allem auf die Impfstoffentwicklung. Aktienmärkte bewerten Zukunft und nicht die Gegenwart – so schwer es auch manchem fällt, dies zu akzeptieren und lieber auf die Schlagzeilen des Tages zu lauschen. Zur Erinnerung: Wie war die Meldungslage über Tage und Wochen während des Lockdowns im Frühjahr?

Aber kurzfristig hat sich einiges an Enttäuschungspotenzial für die Aktienmärkte akkumuliert, das vierte Quartal könnte etwas zu rosig eingeschätzt und eingepreist worden sein..

Stehen die Aktienmärkte wegen Corona vor einem erneuten Abverkauf?

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Finanznews

Aktienmärkte: Lockdown – weiter bergab für Dax &Co? Videoausblick

Markus Fugmann

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Der nächste Lockdown (in einer etwas milderen Version im Vergleich zum März) steht bevor – und besonders die Aktienmärkte in Europa reagieren darauf mit Schwäche! Der Dax nun 9% unter seinem Stand vor zwei Wochen – heute dürften neue Corona-Maßanhmen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich beschlossen werden. Am Besten halten sich wieder einmal US-Tech-Aktien, aber die Aktienmärkte warten nun auf den „Super-Donnerstag“ mit den Zahlen von Apple, Amazon, Alphabet und Facebook. Und natürlich auf die US-Wahl. Wie würden die Aktienmärkte reagieren, wenn doch Trump gewinnen würde? Knackpunkt bleibt nach wie vor die Hoffnung auf den großen Stimulus nach der US-Wahl..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

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