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Dax: Leben wir in verschiedenen Welten?

Es stehen derzeit Geschäftsmodelle ganzer Länder auf des Messer Schneide, die auf Liquidität und billigem Geld aufgebaut waren. Kann uns das kalt lassen?

Man hat derzeit den Endruck, als lebten wir in verschiedenden Welten! Da sind die Turbulenzen an den Emerging Markets, die sich aus einer giftigen Kombination speisen: der immer stärkere Dollar gepaart mit steigenden Rohstoffpreisen, vor allem steigenden Ölpreisen. Für Länder, deren Währung dramatisch abwertet während gleichzeitig ihre Importkosten durch die Decke schießen aufgrund des starken Dollars und der gestiegenen Rohstoffpreise, ist das eine brandgefährliche Situation! Argentinien hat, um die Abwertung des Peso zu stoppen, den Leitzins auf jetzt 40% (!) angehoben, die Türkei dagegen erlebt jetzt das Ende des billigen Dollar-Geldes, das den starken Binnenkonsum auf Pump erst ermöglich hat. Mithin scheitern jetzt also Geschäftsmodelle ganzer Länder, die auf Liquidität und billigen Geld aufgebaut waren.

Da ist also derzeit ein Gewitter sondergleichen im Gange, während im Westen eine gespenstische Ruhe herrscht. Nun könnte man ja durchaus auch auf die Idee kommen, dass dieses Gewitter weiter zieht und auch uns erfaßt, während wir noch glauben, in einem Ideal-Szenario zu leben mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen! Wenn aber die Krise der Emerging Markets weiter geht, wird das auch hierzulande spürbar werden – man blicke etwa nur auf die Asien-Krise Ende der 1990er-Jahre, die damals auch im Westen Turbulenzen auslöste!

Anders formuliert: während die Emerging Markets die Profiteure waren angesichts einer Nullzinspolitik, die ihnen viel billige Dollar-Liquidität ins Land spülte, kehrt sich jetzt das Spiel um. Dollar-Schulden werden immer drückender, die Party ist vorbei. Nur an den westlichen Aktienmärkten will man das nicht so recht zur Kenntnis nehmen und tut nach wie vor so, als gäbe es weiterhin die Notenbanken als ungebrochene Liqudiditätsspender, als sei also die Party noch im vollen Gange! Die Emerging Markets aber sind nur die schwächsten und verwundbarsten Glieder einer Kette, an der wir alle hängen!

Wahrscheinlich ist daher, dass die Zeit der geringen Volatilität bei den US-Indizes und dem Dax sehr bald endet. Wahrscheinlich ist weiterhin, dass die derzeitige Salami-Rally unter extrem dünnen Umsätzen ebenfalls bald endet. Wann das passiert ist unklar, dass es passiert aber ist viel klarer! Jetzt werden dazu auch noch die Konjunkturdaten schlechter (heute schwache Zahlen zu den Investitionen aus China sowiwe ein schwaches BIP aus Deutschland) – das fröhliche Konjunkturwunder neigt sich also dem Ende zu, und dieses Ende fällt zeitlich zusammen mit dem Ausstieg der Fed aus der ultralaxen Geldpolitik.

Der Dax beginnt zu realisieren, dass die Luft dünner wird – von Panik sind wir aber noch meilenweit weit entfernt:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Wir jedenfalls mißtrauen der derzeitigen Ruhe – das bedeutet nicht, dass es zu einem sofortigen Abverkauf kommen müsste. Aber es bedeutet, dass das Potential nach oben auf dem gegenwärtigen Nieveau des Dax doch deutlich kleiner erscheint als das mittelfrsitige Potential nach unten!



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