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Dax: Mama!

Die herrschende Ideologie einer alternden und zahlenmäßig abnehmenden westlichen Gesellschaft lautet: höher, schneller, weiter. Solange dieser Widerspruch zwischen Realität und Ideologie nicht aufgehoben ist, werden die Märkte immer wieder nach der „Mama“ rufen

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Immer schön in Deckung bleiben – so lautet derzeit offenkundig das Motto beim Dax. Während die Wall Street extrem volatil agiert (der VIX bleibt selbst bei Anstiegen der US-Indizes auf hohem Niveau – das zeigt das Absicherungsbedürfnis vieler Player am Markt!), scheint sich der Dax nun in den Winterschlaf zu begeben nach dem Abverkauf Anfang Dezember:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Aber die Ruhe trügt wohl, denn eines scheint klar: es wird heute Abend heftig zur Sache gehen mit dem Fed Statement um 20Uhr und dann wenig später der Pressekonferenz von Jerome Powell. Nun muß Rettung her, der Schmerz ist groß, kaum kommt nämlich die ultralaxe Geldpolitik an ihr Ende, schon rufen die Märkte nach „Mama“ (laut Statistiken ist das letzte Wort bei der Hälfte aller sterbender Männer: „Mama“).

Es ist ja eigentlich schon absurd: die herrschende Ideologie einer alternden und zahlenmäßig abnehmenden westlichen Gesellschaft lautet: höher, schneller, weiter. Solange dieser Widerspruch zwischen Realität und Ideologie nicht aufgehoben ist, werden die Märkte immer wieder nach der „Mama“ rufen:


Von Irene – original work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17002318

Wir wollen ja alles hier und jetzt, und sei es auf Kosten der Zukunft – also nimmt man es den kommenden Generationen, damit es den derzeit lebenden Superegos besonders gut gehen kann. Der derzeitige Schmerz der Märkte ist ein Phantomschmerz: was, wenn Mama nicht mehr die Brust gibt und wir dann auf unseren eigenen Beinen stehen müssen? Im Grunde verdeutlichen die Märkte den infantilen Zustand einer vergreisenden Gesellschaft..

Diese Gesellchaft will von Jerome Powell heute die Botschaft hören: es geht alles so weiter, wie es in den Jahren nach der Finanzkrise war: da ist eine Fed, die ein Sicherheitsnetz unter die Märkte spannt und wenn es irgendwo drückt, ein schönes Schmerzmittelchen gibt.

Die dann aber auch lange, viel zu lange die Füße still gehalten hat und den Zeitpunkt längst verpaßt hat, als sie schon hätte umsteuern müssen – und nun leider das Problem hat, dass sie die Geister, die sie rief, nicht mehr in die Flasche zurück bekommt. Ein geldpolitisches Experiment zu machen ist eine Sache, es wieder geordnet zu Ende zu bringen eine ganz andere!

Was heute an den Märkten passieren wird? Nur eines ist sicher: es wird hektisch und turbulent. Die Fed will sich vermutlich alle Optionen offen halten, dabei den Märkten sicher auch ein Zuckerbrot zuwerfen, aber ansonsten auch eben die gelpolitische Peitsche weiter in der Hand behalten.

Möglich also, dass wir nach der PK von Powell nicht viel schlauer sind als jetzt, weil die Fed nur sagen wird: wir kucken mal, wie die Daten so herein kommen und entscheiden dann. Wenn sie schlechter werden und die Inflation nicht zunimmt, machen wir eine Pause, wenn nicht, müssen wir die Zinsen weiter anheben.

Und Nachts ist es kälter als draußen..

4 Kommentare

4 Comments

  1. Moritz

    19. Dezember 2018 09:05 at 09:05

    Wie sich Alan Greenspan heute Abend wohl ausdrücken würde? 😀

    • Wolfgang M.

      19. Dezember 2018 09:27 at 09:27

      Hallo @Moritz. Greenspan würde heute vermutlich sagen: Zinsen sind ein Mittel unserer Geldpolitik. Sie dürfen nicht zu hoch und nicht zu tief (accommodative) sein, sie müssen eine „irrrational exuberance“ verhindern und dem „inflation target“ Rechnung tragen. Wenn Sie jetzt glauben mich verstanden zu haben oder gar glauben begriffen zu haben was ich meine, ja dann habe ich mich falsch ausgedrückt.😃
      Schönen Tag

      • Moritz

        19. Dezember 2018 17:03 at 17:03

        Wahre Worte 🙂

  2. Paul

    19. Dezember 2018 11:01 at 11:01

    Auch diese „Mama-Brust“,wird bald keine Milch mehr geben!
    Wie wird sich dann die Generation der Soperegos verhalten?

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Der Boom ist zu Ende

Nach Jahren des Booms soll es 2019 einen Rückgang von bis zu 20% im Bereich von Fusionen und Übernahmen in Deutschland geben. Dabei setzte bei der Spitzendisziplin des Investmentbankings (M&A) im ersten Quartal bereits ein Schrumpfen von 67 % bei den Ankündigungen ein, wie der Finanzdatenanbieter Refinitiv ausgerechnet hat. Im ersten Quartal 2018 hatte es noch einen richtigen Rausch auf diesem Gebiet gegeben.

Und wen erschwischt es dabei besonders? Dreimal dürfen Sie raten, richtig, die Deutsche Bank. Den deutschen Branchenprimus traf es im ersten Quartal besonders deutlich. Das Geldhaus erscheint bei Refinitiv nicht mehr unter den ersten zehn Topadressen bei Fusionen und Übernahmen in Deutschland, in früheren Zeiten eine Unmöglichkeit. Man glaube zwar im Gesamtjahr wieder zulegen zu können, gerade nach einer Fusion mit der Commerzbank. Aber…..?

Auch das Geschäft mit Börsengängen (IPOs) ist im ersten Quartal richtiggehend eingeschlafen. Das Geschäft mit Aktienemissionen brach laut Refinitiv um 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Zuletzt hatte Volkswagen den Börsengang seiner Nutzfahrzeugsparte unter dem Namen Traton abgesagt.

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