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Dax: Mehr geht eigentlich nicht!

Nein, mehr geht eigentlich nicht als das, was der Dax gestern an Rückendeckung bekommen hat! Ansonsten aber, neben dem nachbörslichen Feuerwerk bei Amazon, sind die US-Indizes mit Ausnahme des Nasdaq deutlich weniger euphorisch als der Dax. Daher kann der scheinbar unstoppbare Dax wenn überhaupt durch die Wall Street gestoppt werden – oder eben durch die vermutlich heute erfolgende Unabhängigkeitserklärung durch das katalonische Parlament..

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Nein, mehr geht eigentlich nicht als das, was der Dax gestern an Rückendeckung bekommen hat! Vor allem durch Super Mario Draghi, der den Märkten angesichts einer schon fast überhitzenden Konjunktur in Deutschland und deutlicher Erholung auch der Euro-Peripherie das Signal gab, dass die EZB noch lange nicht als Liquiditätsspender aus dem Markt verschwinden wird – wie genau das passiert, das musste Draghi gestern auf der Pressekonferenz zugeben, hat man sich noch nicht so genau überlegt! Genau das aber ist doch das Problem angesichts des zunehmenden Mangels kaufbarer Staatsanleihen! Faktisch ist das ein Bluff von Draghi, auf den die Märkte aber erst einmal stark reagiert haben.

Dann weitere Rückendeckung vor allem durch die nachbörslichen Zahlen von Amazon, Alphabet (Google) und Microsoft, allesamt über der Erwartung, die Aktien der Unternehmen nachbörslich mehr (Amazon) oder etwas weniger (Alphabet, Microsoft) im Plus, wovon vor allem der Nasdaq profitiert.

Aber eben auch der Dax, nachdem schon die asiatischen Märkte positiv reagiert haben (vor allem der Nikkei). Charttechnisch ist das natürlich eine Steilvorlage: gefühlt ewig andauernde Seitwärtsbewegung, die Unterstützung unten bei 12910 dreimal getestet, dann der Ausbruch nach oben über die abfallenden Hochs, das vorherige Allzeithoch bei 13096 Punkten geradezu überrannt:

Nun sind auf der Oberseite Widerstände im klassischen Sinne gar nicht definierbar, weil wir uns in bisher unbekanntem Gelände bewegen. Man kann hier Behelfsweise auf Fibonacci-Level zurück greifen oder irgendwelche Trendkanäle virtuell verlängern – worauf wir verzichten wollen..

Grundsätzlich sind solche Formationen, wie wir sie mit dem AUsbruch gestern erlebt haben, in der Tendenz klar bullisch. Der Dax „hat“ also nach oben wohl noch nicht fertig, zumal der Euro, wie im Videoausblick gezeigt, im größeren Zeitfenster nun eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausgebildet hat, die mit dem erfolgten Bruch der Nackenlinie viel Luft nach unten freisetzt! Das könnte, neben der dovishen EZB, auf ein bullisches Momentum für den Dollar deuten, das vor allem durch die überraschende Ernennung des hawkishen John Taylor ausgelöst werden könnte.

Ansonsten aber, neben dem nachbörslichen Feuerwerk bei Amazon, sind die US-Indizes mit Ausnahme des Nasdaq deutlich weniger euphorisch als der Dax. Daher kann der scheinbar unstoppbare Dax wenn überhaupt durch die Wall Street gestoppt werden – oder eben durch die vermutlich heute erfolgende Unabhängigkeitserklärung durch das katalonische Parlament. Da könnten dann in den nächsten Tagen hässliche Bilder drohen, etwa durch einen Einmarsch des spanischen Militärs in Barcelona..

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    27. Oktober 2017 09:43 at 09:43

    Was soll da durch die Wall Street gestoppt werden ? Die läuft sowieso nur nach oben. Der Euro wird zerstört, und der Rest ist eher ein Nebenkriegsschauplatz der nicht relevant ist.

    20.000 Punkte am 31. Dezember 2017

  2. Avatar

    PK

    27. Oktober 2017 10:52 at 10:52

    Artikel vom Wellenreiter:
    https://www.wellenreiter-invest.de/wochenendkolumnen/Extreme%20relative%20Staerke%20Teil%202

    Es ist auch interessant zu sehen, daß in den letzten Tagen die typischen Bärenaussagen wie:
    „Lemminge“
    „Fallhöhe“
    etc. weniger geworden sind. Kapitulation ??
    Sind die Schmerzen der Shorties jetzt groß genug ? Mal sehn.

    • Avatar

      Andreas

      27. Oktober 2017 11:13 at 11:13

      ja, PK, auch ich bin inzwischen still geworden und bin in meine „Ich-schäme-mich-Ecke“ gekrochen…(-;.
      Bin ja eigentlich auch von einem fallenden DAX ausgegangen.

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    Masud79

    27. Oktober 2017 13:20 at 13:20

    es wird immer berichtet irgendwann ist schluss weil der draghi keine anleihen mehr kaufen kann.
    aber hat schon einmal einer daran gedacht dass er diese 33 % regel einfach aushebeln kann?? der Mafioso hat schon einmal irgendwelche vorgaben ende letzten jahres übergangen, die EZB macht was sie will, sie darf auch Gesetze brechen die sie selber gemacht hat

    • Avatar

      Gerd

      27. Oktober 2017 13:48 at 13:48

      Da werden immer Schauergeschichten in die Welt gesetzt. Schlimm. Nicht mehr genügend kaufbare Anleihen. Erstens ist die EZB nicht gezwungen, das Volumen zu kaufen – sie darf es.
      Und überhaupt – schon mal dran gedacht, dass das ein total bullisches Zeichen wäre?
      Zu wenig Anleihen im ANGEBOT = steigende Preise = sinkende Renditen.
      Und genau das macht Aktien gerade nicht weniger attraktiv.

    • Avatar

      Gixxer

      27. Oktober 2017 14:51 at 14:51

      „die EZB macht was sie will, sie darf auch Gesetze brechen die sie selber gemacht hat“
      Und genau das ist der Grund, warum ich sage, wir leben in einer EZB-Diktatur, denn nur ein Diktator darf auch die Gesetze brechen, die er selbst erlassen hat, ohne eine Anklage befürchten zu müssen.

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    Altbär

    27. Oktober 2017 19:14 at 19:14

    @Gerd,ich glaube da gibt es einen Überlegunsfehler,
    wenn die EZB gewisse Anleihen aus Qualitätsgrunden nicht kaufen darf, dann muss sie ein anderer kaufen der eben nur Marktpreise bezahlt u.keine Mondpreise. Übrigens heute wieder einmal das Bullenfell angezogen ?

    • Avatar

      Gerd

      27. Oktober 2017 19:52 at 19:52

      Ja, Altbär, das streif ich, wie du weißt gelegentlich über.
      Nachdem ich mich im Juli schmerzhaft von meinen Puts getrennt habe, trau ich mich beim DAX erst wieder bei ca 13.500 ins Bärenfell. Wobei ich zur Zeit streng genommen eher etwas nackt rumlaufen würde – hätte ich mir nicht extra für die amerikanischen Indizes ein richtig dickes Grizzley-Bären-Kostüm besorgt. Und das habe ich jetzt die ganze Zeit an.
      Heute wird mir schon wieder ganz schön heiß darin.

      Zu den Anleihen. Ich meine mich zu erinnern, dass da immer die Rede von den guten alten Bundesanleihen war, die knapp würden.
      Aber egal. Dem Draghi geht es ja nicht darum, dass er die Schränke voller Anleihen hat sondern er möchte niedrige Zinsen, mehr Inflation, mehr Wirtschaftswachstum. Wenn er das auch erreicht ohne Anleihen kaufen zu müssen, weil es mittlerweile gar nicht mehr so viele mehr gibt, wird ihm das recht sein. Warum das Material knapp ist und somit die Anleihekurse hoch, ist egal. Entweder weil die EZB kauft oder weil andere schon längst gekauft haben. Und seien es renditehungrige Kleinanleger.

  5. Avatar

    Altbär

    27. Oktober 2017 21:36 at 21:36

    @Gerd, wichtig ist ,dass man den Humor nicht verliert.Ich bin etwa gleich positioniert wie Sie.Ich bin bei den Amis mit einer kleinen Position wieder ins Minus gelaufen u.beim DAX warte ich noch .Leider habe ich mit dem Abwarten die letzten Korrekturen verpasst.Aber unsere grosse Jahrhundert -Baisse kommt ja noch.Zur Info Marius Schweitz macht unter „Trading Treff“ täglich gute DAX-Analysen.
    Übrigens reden wir immer von überhöhten Aktienkursen,
    der weltweite Anleihenmarkt ist etwa 3 mal grösser u.auch durch die Notenbanken aufgeblasen.Ich denke der Auslöser der nächsten Korrektur könnte von den überteuerten Firmenanleihen ( Schrottanleihen ) kommen ,die dann auch die Aktien mitreissen.

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Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

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am

Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

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Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

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am

Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

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am

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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