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Dax: Nach dem Optimismus kommt bei (Privat-)Anlegern der Kater – die Profis dagegen im Hoffungsmodus

FMW-Redaktion

Stimmungen von Investoren können länger irrational sein als die eigene Liquidität reicht – das galt zumindest für die Bären. Nun aber hat es die Bullen erwischt, wie die neueste Sentiment-Umfrage zeigt. Denn das Lager der Bullen, das ja extrem gut gefüllt war und bei dem einen oder anderen Platzangst ausgelöst haben dürfte, hat sich stark geleert.

Das gilt vor allem für die Privatanleger in Deutschland. Gegenüber der letzten Umfrage vom 17.Dezember (siehe dazu unseren Artikel „Dax: Optimistische Stimmung grenzt an Hysterie“), als der Anteill der Bullen auf schwindelerregende 69% gestiegen war, sind nun nach der neuesten Umfrage 17% aus dem Lager der Bullen offenkundig panisch geflohen. Und dabei sind noch nicht einmal die heutigen Ereignisse mit dem Fall des Dax unter die 10.000er-Marke erfaßt. Hier dürfte also der eine odere andere der Bullen seine Haltung noch einmal überdacht haben und das Lager wechseln. 7% sind auf die Short-Seite gewechselt, sodass der Anteil der Bären bei immer noch bescheidenen 25% liegt. Der Rest ist – das lehrt die Mathematik – neutral oder hat gar keine Meinung (was häufig dasselbe ist).

Überraschend ist, dass der Stimmungseinbruch der Privatanleger bei den Institutionellen nicht zu beobachten ist. Denn bei den Profis stieg der Anteil von zuvor 68% auf nun sogar 70%, das Lager der Bären hat sich ebenfalls um 2% vermehrt auf nun 21%. Der Antiel der Neutralen fällt demnach auf 9%.

Für den Dax sind das keine guten Nachrichten: denn die Profis sind offenkundig noch im Markt und sitzen wohl auf Verlusten, die man aber zwecks Gesichtswahrung noch nicht realisieren will – im festen Glauben, dass alles schon wieder gut werden wird. Wenn aber der Dax weiter nach unten rutschen sollten, dann dürften auch die Profis nervös werden und Stücke auf den Markt schmeißen. Wir wagen daher folgende Prognose: erst wenn sich das Lager der Bullen bei den Profis deutlich entleert, hat der Dax wieder Chancen auf eine größere Rally – bis dahin bleibt es schwierig.

Viel bärischer ist dagegen die Stimmung unter den US-Anlegern, wie die neueste AAII-Umfrage zeigt: dort stieg der Anteil der Bären um satte 14,6% auf nun 38,3% – die Abwanderung ins Bärenlager geht dabei vorwiegend auf Kosten der Neutralen, deren Anteil, von 51,3% auf nun 39,6% gefallen ist. Bullisch sind unter den US-Privatanlegern nur noch 21,9% der Anleger – das ist fast das glatte Gegenteil der Stimmung in Deutschland. Und das trotz des jüngsten Rückgangs des Optimismus – denn auch bei den Privaten hierzulande stellen die Bullen nach wie vor etwas mehr als die Hälfte (52%).

Faktisch bedeutet das, dass die Privatanleger sich rationler verhalten haben als die Profis – sie haben die Reißleine gezogen. Für die Institutionellen aber heißt es jetzt hoffen und warten. Oder doch besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende? Wir werden sehen..



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