Allgemein

Dax: Neuer Rekord bei den Dividenden?

Dax und die Dividenden 2022

Steht der deutsche Aktienindex Dax vor einem neuen Rekord bei den Dividenden?

Der Dezember 2021 ist vermutlich der Beginn der Periode des „monetären Klimawandels“, so wie Markus Fugmann es bezeichnet hat. Die Geldflut der großen Notenbanken befindet sich im Abebben, in manchen Staaten sind bereits erste Zinsanhebungen vollzogen worden, die große US-Notenbank Federal Reserve, als Taktgeber für viele Zentralbanken, steht im nächsten Jahr vor der Zinswende.

Die Großinvestoren schichten ihre Depots bereits um, der Trend zu Value ist unübersehbar. Gleichzeitig entfällt künftig der große Treiber für die Märkte, Kursrückgänge bei großen Indizes scheinen eine ausgemachte Sache zu sein. Doch es gibt auch Argumente, die allzu große Kursrückgänge abmildern können, im Zeitalter nicht mehr vorhandener Zinsen. Zum Beispiel für den deutschen Leitindex Dax, der im Frühjahr 2022 vor einer Rekordausschüttung bei den Dividenden steht.

Dax: Nicht nur die Aktienkurse sind gestiegen

Der deutsche Leitindex Dax hat kurz vor dem Jahresende eine gute Performance hingelegt, von anfangs 13.718 Punkten, bis auf aktuell 15.500 (Stand 15.12.), oder plus 13 Prozent. Was aber auch sehr deutlich gestiegen ist, sind die Gewinne der Dax 40 Unternehmen, die sich vom Coronajahr 2020 auf 2021 mit etwa 60 Milliarden Euro nahezu verdoppeln könnten, so die aktuellen Schätzungen. Was die Unternehmen dazu veranlassen wird, eine neue Rekordsumme an Dividenden an die Aktionäre auszuschütten: Rekordhohe 45,5 Milliarden Euro, allerdings geht davon über die Hälfte an ausländische Investoren, angelsächsische, BlackRock dürfte sich schon auf den Geldsegen freuen.

So wie es derzeit aussieht, entscheiden werden die Konzerne erst bei der Bekanntgabe ihrer Jahresbilanz, werden 33 der 40 Dax-Konzerne ihre Dividenden erhöhen. Senkungen sind nicht zu erwarten, die Neulinge im Dax – Delivery Hero und Co – zahlen keine Dividende.

Insgesamt sollte der DAX auf eine Dividendenrendite von 2,65 Prozent kommen. Welches Risiko müsste man bei Unternehmensanleihen auf sich nehmen, um auf eine solche Verzinsung zu kommen? Die ausgeschütteten Gewinne werden bei einigen Unternehmen gewaltig ausfallen: bei der Allianz mit über 4 Milliarden Euro, bei BASF, Daimler Siemens und Volkswagen wohl mehr als 3 Milliarden Euro.

Aber im Gegensatz zu den USA sind die deutschen Konzerne viel vorsichtiger in ihrer Ausschüttungspolitik. Während man in Amerika gerne einmal Kredite für Aktienrückkäufe und Dividenden verwendet, sinkt die vermutliche Ausschüttungsrate der Unternehmen hierzulande auf unter 40 Prozent, von 75 Prozent im Vorjahr. Die übliche Spanne liegt bei 40 bis 50 Prozent. Alles eine Folge der großen Gewinnsteigerung der Unternehmen um etwa 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Stets wird in den USA auf die hohe Bewertung der Unternehmen, speziell beim Nasdaq oder beim Russell 2000 hingewiesen. Anders beim Dax, bei einem akkumulierten Gewinn von 120 Milliarden Euro, ist er nicht teuer, denn bei einer Marktkapitalisierung von gut 1,7 Billionen Euro läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis bei unter 15.

Allerdings ist diese Rechnung wieder einmal ein Blick in den Rückspiegel, die Zukunft könnte das Wachstum deutlich dezimieren, wenn Inflation, Lieferengpässe, Anstieg der Kapitalmarktzinsen….., aber so war es immer an der Börse. No one knows!

Das Dilemma: Dividenden trotz Kurzarbeitergeld

Trotz der guten Geschäftsentwicklung ist 2022 Ärger vorprogrammiert. Denn mehr als ein Viertel der Dax-Konzerne haben im letzten Jahr Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen, allen voran die drei deutschen Automobilkonzerne. Diese allein könnten schon auf 10 Milliarden Euro an Dividendenzahlungen kommen, als Profiteure der Staatshilfe in der Hauptzeit der Pandemie.

Demzufolge plädieren einige Politiker für einen Stopp der Dividendenzahlungen bei diesen Unternehmen, auch wenn die Unternehmen zuvor über Jahre zuvor Beiträge in die Sozialkassen abgeführt haben. Aber in jedem Fall ist dies wieder ein Kritikpunkt am Kapitalismus, der sich an der Börse immer wieder in Auswüchsen offenbart.

Was das Ganze noch etwas „verbösert“ ist die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Dividendensumme ins Ausland abfließt, die Deutschen also recht wenig von den Geschäften der eigenen Konzerne profitieren.

Sonderfall Deutsche Telekom

Was hat die Euphorie um die einstige deutsche Volksaktie und ihrem Absturz nach der Internet-Bubble für Folgen gezeitigt? Während die Erstzeichner 1996 mit 14,57 Euro derzeit aktuell wenigstens zehn Prozent im Plus stehen, sind die Teilnehmer bei den Kapitalerhöhungen zu 33/66 Euro wahrscheinlich immer noch frustriert, viele haben der Börse den Rücken gekehrt. Aktuell laufen die Geschäfte wieder gut, die Dividende wird um vier Cent auf 64 Cent erhöht, die Ausschüttungssumme könnte fast 3,2 Milliarden Euro betragen. Firmenchef Timotheus Höttges kann sich gerade auch über seine vorzeitige Vertragsverlängerung als CEO freuen.

Welche Bedeutung die Dividenden bei deutschen Unternehmen haben, sieht man am besten an diesem Technik-Konzern. Die Kursbewegung seit der Erstnotiz vor 25 Jahren beträgt bescheidene zehn Prozent. Bei Re-Investitionen der beständig ausgeschütteten Dividende wäre der Zuwachs seit der ersten Erstinvestition 200 Prozent, eine glatte Verdreifachung, allerdings gibt es auch den steuerlichen Aspekt.

Fazit

Ja, es wird Gegenwind für die Aktienmärkte geben. Aber, selbst wenn es einen substanziellen Zinsanstieg geben sollte, dürfte dieser in Europa und speziell in Deutschland zunächst nicht ausreichen, um für Rendite zu sorgen und die ausschüttenden Geldverwalter, wie Versicherungen oder Stiftungen zu befriedigen. Dividenden bis fünf Prozent kommen da wie gerufen und es kommt kursstürzend noch eines hinzu: Während es in den USA die Dividendenausschüttungen einmal pro Quartal gibt, konzentriert sich das Ganze beim Dax auf das Frühjahr bis in den Mai hinein. Die Dividende ist zwar nur ein Teil der Aktienrendite, aber ein sehr wesentlicher, ersichtlich am Stand unseres Kurs-Dax. Dieser liegt aktuell bei 6537 Punkten und damit nicht weit über seinem Höchststand vom März 2000 mit 6266 Punkten.

In Zeiten von Rekordausschüttungen von Dividenden könnte die kommende Dividendensaison zumindest eine Stütze für unseren Leitindex bedeuten, trotz des monetären Klimawandels.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage