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Dax: Noch 200 Punkte, dann haben die Bären echt ins Klo gegriffen

Claudio Kummerfeld

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Viele, sehr viele Marktbeobachter haben den Börsencrash von Februar bis Mitte März und den darauf folgenden schnellen Anstieg im Dax sehr kritisch begleitet, so auch wir. Wir haben öfters kritische, aber auch bullische Stimmen zu Wort kommen lassen. Denn wir haben ja keine Glaskugel. Notierte der Dax Mitte März im Tief knapp über 8.000 Punkten, so sind es jetzt schon wieder 12.735 Punkte. Bei 13.800 Punkten, dem Stand vor dem Crash-Beginn am 20. Februar, wäre das Crash-Loch im Chart endgültig wieder aufgeholt.

Noch 200 Punkte nach oben im Dax bis zum letzten Zwischenhoch

Aber jetzt, da fehlen nur noch 200 Punkte im Dax bis zur Marke von 12.935 Punkten, und dann wäre das letzte bedeutende Zwischenhoch vom 8. Juni nach oben durchbrochen. Dieses Hoch kann man gut im Chart sehen, der bis Dezember 2019 zurückreicht. Beim Betrachten dieses Gesamtbilds, kann man da auch heute schon sagen: Die Bären (zum Beispiel Dirk Müller) haben ins Klo gegriffen? Denn die These, die Vermutung, die eindeutige Behauptung, dass der Dax sein Tief von Mitte März nochmal in einer zweiten kräftigen Abwärtswelle unterschreitet, die wurde von vielen Bären öffentlich vertreten. Und diese Bären hatten ja auch gute Gründe!

Ein jahrelang aufgeblähter Markt, ein kaputtes Finanzsystem, steigende Kurse nur durch Gelddrucken und Aktienrückkäufe. Man könnte diese Liste endlos fortsetzen als Gründe für viel tiefere Kurse. Die Coronakrise sollte die Aktienmärkte doch auch nachhaltig schwächen? Aber nein. Die Notenbanken fluten alles mit Geld zum Nullzins. Die Staaten retten was das Zeug hält. Und so ist die Hoffnung riesengroß, dass doch wieder alles schnell gut werden wird. Aber wie wir es schon mehrmals berichtet haben: Die Krise brodelt, aber nur unter der Oberfläche.

Zu schön um wahr zu sein?

Die Notwendigkeit Insolvenz anmelden zu müssen, ist nur bis Ende September in Deutschland ausgesetzt. Danach droht eine Insolvenz-Welle in der Wirtschaft. Und die Pflicht wieder Kreditraten und Mieten zahlen zu müssen, besteht seit 1. Juli wieder in Deutschland. Auch hier drohen Kündigungen durch Vermieter und Banken. Abgesehen davon rollt zum Beispiel in vielen Dienstleistungsbereichen (Karstadt, Maredo, Vapiano uvm) die Insolvenzwelle. Aber wie Michael Wendler sagen würde: „Egal“. Die Kurse steigen trotzdem. Ist der Griff ins Klo für die Bären spätestens ab dem Niveau von 12.935 Punkten komplett? Sicher, es gibt unzählige weitere technische Indikatoren und Betrachtungsweisen. Aber ich will es an dieser Stelle bewusst einfach halten.

Bis dato, da haben die Kritiker verloren. Die Gelddruck-Maschine und die Angst der Anleger Gewinne zu verpassen, waren stärker – nach heutigem Stand jedenfalls. Hier der aktuelle Kommentar von Markus Fugmann zum Wettkampf um die größte Blase. Keine Frage, die Märkte sind aufgebläht, und die Gelddruck-Orgien der Notenbanken sind obszön. Ich kommentiere nur den aktuellen Ist-Zustand. Natürlich kann der zweite große Knall bei Dax, Dow und Co noch kommen. Aber aktuell sieht es arg danach aus, dass die Bären, die im März und April den zweiten großen Crash vorhergesagt haben, voll daneben liegen.

Chart zeigt Dax auf CFD-Basis im Kursverlauf seit Dezember 2019

11 Kommentare

11 Comments

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    Bullenversteher

    6. Juli 2020 14:19 at 14:19

    Jeder Bulle der im März oder April eingestiegen ist und seine Investition abgesichert hat, wird keinen Verlust erleiden sondern Gewinne machen. Da führt kein Weg vorbei. Also ist es Realität das die Bären falsch lagen. Selbst wenn jetzt noch ein Crash kommen sollte haben die Bullen ihre Gewinne im Sack, sofern sie sinnvolle Gewinnstopps eingesetzt haben.

  2. Avatar

    Marko

    6. Juli 2020 14:26 at 14:26

    Herr Kuumerfeld,

    es sind eher die großen Adressen also die „Big-Boys“, die ins Schwitzen kommen, jene hängen seit März gnadenlos hinten.

    So eine V-Erholung und auch noch in dem Tempo, damit hätten die nie und nimmer gerechnet. Die haben eher Puts gekauft, also Absicherungen, weil man offenbar davon ausging, dass der Dax in den nächsten Monaten bei ca. 6000 – 8500 Punkten liegen würde.
    Tja, falsch gedacht…

    Ihnen sei es gegönnt, dem „Smart-Money“… :D

    Dazu kommen noch die Corona-Konjunkturprogramme der Notenbanken bzw. der einzelnen Staaten. Nebst dem Fakt, dass bei den Anleihemärkten renditetechnisch „nichts zu holen“ ist. Natürlich stand der Bufu bei 180 Punkten, ja… Die Anleihemärkte sind ebenso aufgebläht.

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    Marko

    6. Juli 2020 14:41 at 14:41

    Und was man zudem sagen kann , der Dropdown im März das war historisch. Da war natürlich Panik im Markt drin, offenbar eine zu Große.

    Natürlich kann man Corona mit einer spanischen Grippe vergleichen, nur damals waren die Menschen nicht so vernetzt wie heute. Einen Lockdown kannte man nicht, woher auch ?

    Und ja es ist wohl davon auszugehen , dass im Herbst/Winter eine 2. Welle kommt, aber es wird wohl eher zu partiellen Schließungen kommen. Eher nicht weltweit.

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    Hesterbär

    6. Juli 2020 16:19 at 16:19

    Ist das jetzt die Endphase der Euphorie? Die Leute kaufen Aktien als wären sie gerade spottbillig und es gäbe morgen keine mehr. Es ist immer das gleiche Spiel „Diesmal ist alles anders“. Aber zugegeben, in diesen Zeiten könnte man als Bär schon ein wenig verzweifeln.

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    Glaskugel_Besitzer

    6. Juli 2020 17:38 at 17:38

    „Die Notwendigkeit Insolvenz anmelden zu müssen, ist nur bis Ende September in Deutschland ausgesetzt“

    … und danach kann die Regelung auch einfach nochmal verlängert werden. Und nochmal. Und danach nochmal. So lange bis sich die Wirtschaft erholt hat, dann setzt man das Insolvenzrecht wieder in Kraft.
    Gleiches gilt auch beim Kurzarbeitergeld. Keine Regierung möchte unschöne Insolvenz- oder Arbeitslosenstatistiken haben. KEINE Regierung.

  6. Avatar

    franko33

    6. Juli 2020 19:22 at 19:22

    Euch allen Zockern – ihr habt gut Gewinne gemacht.Das ist völlig o.k.
    Nur für dieses Geld wird man sich nichts kaufen können.Wir bekommen
    Immobilienbesteuerung / Aussetzungen des Handels an der Börse/Goldverbot…..
    Ihr könnt gern lachen,entscheidend bekommen wir eine drastische Verschlechterung
    unserer Lebensqualität weltweit.Ich möchte normalerweise gern selbst bestimmen wohin ich fliege (ohne Quarantäne),was ich sage oder denke + ob ich bedroht werde,aber das wird in den nächsten Jahren Utopie bleiben.

    Diese Krise wird nicht nach 3-4 Monaten zu Ende sein.
    Real ist und bleibt und daran ist sogar etwas Wahres,selbst wenn „unsere Mutti Merkel“
    es gesagt hat: Nichts wird wieder wie vor der Corona Krise sein.
    Die Tage dieses Geldsystems sind gezählt und lassen sich nicht auf ewig wegdrucken.
    „Es wird mich selbst schon nicht treffen“ denkt sich (fast) jeder.
    Wie auch immer:
    Allen,ohne Ausnahme wünsche ich,alles Glück dieser Welt + Alles Gute !

    • Avatar

      Columbo

      6. Juli 2020 20:28 at 20:28

      @franko33

      Wenn ich so ein depressiver Pessimist wäre, würde ich eigentlich nicht mehr leben wollen in dieser fürchterlichen Welt.
      Tust mir echt leid.

    • Avatar

      Stina

      7. Juli 2020 01:30 at 01:30

      @franko33, das klingt so traurig und irgendwie nach Gehen.

      Doch bedenke, du hast die ersten beiden Phasen der Trauer bereits größtenteils überwunden. Das Nicht-Wahrhaben-Wollen ist vergangen, aufbrechende Emotionen wie Wut, Schmerz, Zorn, Angst und Ruhelosigkeit hast du bereits einigermaßen im Griff. Du wirst zwar noch weiter deine verpassten und falschen Einstiegspunkte und Ideale aufsuchen, doch das ist ein wichtiger Schritt zur Akzeptanz, zu einem neuen Selbst- und Weltbezug.

      Auch wenn du derzeit denkst, nicht denken und sagen zu dürfen, was du willst, ohne bedroht zu werden, Phase 3 wird dir über diese paranoiden Angstgefühle hinweg helfen. Glaube einfach nicht, was Trump dir erzählt.

    • Avatar

      Udo

      10. Juli 2020 20:44 at 20:44

      kORREKT UND DAS GROSSE ERWACHEN DER „BÖRSENVERSTEHER“ KOMMT SCHNELLER ALS SIE DENKEN. ICH SEHE BEI REVISIONEN LAUFEND KATASTROPHALE ZAHLEN UND INSIDE PROGNOSEN BEI UNTERNEHMEN JEDWEDER GENRE. DAS IST DIE REALITÄT. DA HELFEN AUCH GLAUBE, FANTASIEN UND HOFFNUNGEN NICHT WEITER.

      • Avatar

        Optimist

        10. Juli 2020 23:19 at 23:19

        @Udo
        WILLKOMMEN IM CLUB!

  7. Avatar

    Marko

    6. Juli 2020 21:54 at 21:54

    Irgendinein Leser schrieb vor ein paar Wochen : „für uns Bären brechen wohl schwere Zeiten an.“

    Und dies danach, als die Big-Boys den Markt nach oben geprügelt haben bzw. mussten, wir hatten übrigens meines Erachtens mehre „Kaufwellen“ von denen. Eben weil man nicht zeitnah in den Markt „hereinkam“…

    Na klar geht es nicht immer nach oben, aber solche Kaufwellen in dem Tempo haben nix mit einer „Hausfrauenralley/Privatkundenralley“ zu tun, bei allem Respekt.

    Mal schaun, wie es weitergeht…
    Morgen geht die Welt unter, das Ende des Geldsystems steht uns bevor,kauft GOLD ! zurück zu den Jägern und Sammlern, ich weiß, ich weiß. ;)

    Der EUR/USD wird stärker, ich warte nur darauf, dass der CHF nachgibt ;)

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Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – TINA is back!

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Alternativlosigkeit zu Aktien sei zurück, sowie die Angst bei der Rallye Gewinne zu verpassen.

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Indizes

Wall Street: Nasdaq und S&P 500 nach Schwäche nun vor Erholung?

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Der Nasdaq 100 ist wie die Wall Street insgesamt im Verlauf der zurückliegenden beiden Wochen etwas tiefer als prognostiziert gefallen. Eine gesteigerte Korrekturaktivität ist indes nicht zu verzeichnen, der Chart zeigt das auf. Im besonderen Maße optimistisch stimmt diesbezüglich der ausgebliebene Schlusskurs unterhalb des 0.62-Retracement bei 10.741 Punkten. Eine grundlegende Verbesserung der Ausgangslage ist für die nächsten Tage an der Wall Street natürlich nicht zur erwarten, doch sollte sich die bereits laufende Bodenbildung weiter fortsetzen können. Doch so langsam aber sicher setzt sich Verunsicherung, Nervosität in den Köpfen der Akteure fest.

Wall Street – Ausblick für den Nasdaq:

Die Performance der letzten Tage lässt darauf schließen, dass der Nasdaq 100 versucht ist, die seit August laufende Korrektur (b) abzuschließen. Der vermiedene Bruch der 0.62-Unterstützung (10.741 Punkte) ist ein relativ sicheres Indiz auf diese Option. Mit einem eventuellen Überschreiten des 0.76-Widerstandes bei 11.296 Punkten würde sich ein reelles Entspannungssignal einstellen. Diesen Schritt erwarte ich für die sich anschließenden Tage, maximal 1-2 Wochen.

Der Nasdaq war den anderen Indizes der Wall Street voraus gelaufen
Denn es ist nicht auszuschließen, dass sich die seitliche Performance der Wall Street noch geraume Zeit fortsetzt. Mit Überschreiten des zuvor genannten Widerstandes wird der Raum bis zur 0.62-Linie bei 11.988 Punkten geöffnet. Wesentlich höher sollte der Trend in der ersten Stufe nicht verlaufen. Wie im Chart abgebildet, besteht sehr gut die Möglichkeit, dass sich eine seitliche Phase größeren Stiles, in Form eines Triangles, einstellt. Ein eventueller Bruch der Unterstützung bei 10.741 Punkten würde eine erneute Korrekturwelle auslösen.

Fazit:

Der Nasdaq könnte mit Überschreiten von 11.296 Punkten ein kleines, bis ca. 12.000 Punkte geltendes Kaufsignal bilden.

 

S&P 500 – der Leitindex

Wie erwartet musste sich der S&P 500 an den letzten Tagen weiteren Punktverlusten hingeben. Dramatisches ist dennoch nicht zu konstatieren, blieb die Korrektur der Wall Street im Rahmen der jüngsten Prognose. Sehr positiv ist demnach der ausgebliebene Bruch der Unterstützungslinie bei 3.178 Zählern (1.62 Retracement). Allein dieser Aspekt rechtfertigt eine zumindest für den kurzfristigen Horizont geltende optimistische Sicht auf den Aktienindex. Die Tagesperformance, insbesondere der Sprung über die 0.62-Linie (3.279 Punkte) vom Freitag, untermauert diese Lesart zusätzlich.

Ausblick für den S&P 500:

Die jüngste Korrektur ist im Grunde ein fünfteilige (1-2-3-4-5) Impulswelle und dient damit der Ausbildung von Welle (c) der abc-Korrektur. Diese Korrektur wiederum bildet die größere (B) aus und hat mit der kleineren (b) eine überschießende Welle „B“ ausgeformt. Der ausgebliebene Bruch der 1.62-Supportline, sowie der bereits erwähnte Schlusskurs über 3.279 Zähler, kann als Abschluss der kleinen (5) und damit verbunden von (c) angesehen werden. Die große (B) bleibt indes noch offen. Ihr Schicksal muss durch die weitere Performance geschrieben werden.

Der S&P 500 ist der Leitidex der Wall Street
Wie im Chart dargestellt, ist daher zeitnah, für den Verlauf der folgenden 1-2 Wochen, von einer kleinen Rally an der Wall Street auszugehen. Großer Raum steht dieser Bewegung nicht zur Verfügung. Maximal bis zur 0.76-Linie erwarte ich den kleinen Höhenflug. Diese Performance kann sich durchaus als erste Stufe einer etwas größeren und gut nutzbaren Aufwärtsbewegung entpuppen. Darüber ist allerdings noch nicht das letzte Wort gesprochen, sodass ich momentan noch kein größeres Kaufsignal benennen kann.

Fazit:

Ein kleines Kaufsignal mit Ziel bis zur 0.76-Linie wurde bereits ausgelöst. Aufgrund der korrektiven Verfassung ist ein längerfristiges Signal momentan noch nicht spruchreif.

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Indizes

Aktienmärkte: Heißer Oktober voraus – Unheil mit Ansage?

Unheil an der Börse baut sich immer unerwartet auf – und wird dann in kurzer Zeit in die Aktienmärkte eingepreist. Die aktuellen Belastungsfaktoren sind dagegen allen bekannt..

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Der September geht zu Ende und in diesem Jahr macht er seinem Ruf als schlechtester Börsenmonat für die Aktienmärkte alle Ehre. Vier Wochen fallende Kurse beim Dow Jones sowie beim S&P 500 und ein kleines Wochenplus beim Nasdaq haben etwas Luft aus der Überspekulation aus den Märkten genommen. Aber sind die Abschläge, die die Indizes knapp in den Korrekturmodus von minus zehn Prozent gebracht haben, schon genug? Oder spült der Zinsnotstand die Großanleger wieder zurück in die Aktienmärkte, die in den letzten Wochen ordentlich Kasse gemacht haben? Im Gegensatz zu einem Heer von Kleinanlegern. Die Unsicherheiten an den Märkten haben in der letzten Woche nicht abgenommen, ganz im Gegenteil.

Aktienmärkte: Die derzeitigen Belastungsfaktoren

Es ist Allgemeingut in der Szene, dass derzeit drei große Themen auf den Börsen lasten, abseits von Markttechnik, Saisonalität oder Marktpsychologie:

  • Covid-19
  • das fünfte Stimuluspaket
  • und die großen Spekulationen um den Wahlausgang am dritten November.

In Sache Corona gibt es einfach keine Entspannung, ganz im Gegenteil, die Fälle steigen deutlich an und selbst, wenn es sich um vorwiegende um jüngere Menschen handelt, gibt es sofort behördliche Gegenmaßnahmen: Örtliche Lockdowns (z.B. Madrid), Reisewarnungen, Schulschließungen, mit all den Folgen für die Corona-sensitiven Branchen, aus den x-fach dargestellten Wirtschaftsbereichen. Immer schön an den Börsenkursen ablesbar, Fluggesellschaften als zweites Corona-Worldometer.

Dauerthema Nummer zwei für die Aktienmärkte ist das nächste Rettungspaket, das für viele Menschen unerlässlich ist, um weiter über die Krise hinwegzukommen. Natürlich auch für den Konsum in den USA als Konjunkturpfeiler par excellence. Wie sagte eine US-Expertin letzte Woche im Fernsehen? „Immer noch leben 30 Millionen Amerikaner von so etwas wie Arbeitslosenunterstützung, jeder 10. Haushalt sagt, er habe nicht genug zu essen, man hat zwar immer noch das Moratorium, das vor Zwangsräumungen schützt, aber wenn das ausläuft, stehen Millionen Amerikaner auf der Straße.“

In dieser Situation werden auch politische Taktikspielchen betrieben, weil es den Demokraten bewusst ist, dass fallende Aktienmärkte dem Amtsinhaber schaden. Und dann haben wir natürlich noch die großen Imponderabilien, die direkt mit dem 3. November zusammenhängen.

Das große Damoklesschwert Ausgang der US-Wahlen

Fünf Wochen vor dem großen Wahltag versuchen die Aktienmärkte in irgendeiner Form einzupreisen, welche Folgen nach einem Wahlsieg Bidens oder Trumps zu erwarten sein könnten. Das ganze Spektrum inklusive unterschiedlicher Konstellationen im Kongress. Markus Fugmann hat bereits am Freitag die große Problematik mit der Briefwahl angesprochen, die in diesem Jahr den Wahlausgang zu einer elend langen Prozedur gestalten könnte. Es ist nicht so sehr der Ausgang als solcher, – auch ein Joe Biden wird in den USA keine wirtschaftsfeindliche Politik machen, er ist ein Mann der Mitte.

Aber die große Unsicherheit für die Aktienmärkte geht von einer anderen Thematik aus. Wieso hat Donald Trump schon so früh angekündigt, dass er eine Wahlniederlage nicht akzeptieren werde? Wieso hält er seine Steuerunterlagen der Vor-Präsidentschaftszeit mit aller Macht zurück, entgegen Gerichtsbeschlüssen? Wieso fabuliert er ständig von lebenslanger Präsidentschaft, die eigentlich von der US-Verfassung ausgeschossen ist? Fürchtet er die Aufdeckung von Verstößen gegen US-Gesetze, aktuell noch einmal angefacht durch die Ermittlungen gegen Banken wegen Verstößen gegen die Geldwäsche, auch bei der Deutschen Bank, deren langjähriger Kunde er ist? Es ist bekannt, dass er als Immobilienmogul Geschäfte mit Russland gemacht hat. Was würde eine Wahlniederlage bedeuten? Natürlich den Verlust des präsidialen Schutzes durch die Immunität, die einen Präsidenten vor strafrechtlichen Ermittlungen bewahrt. Ein Strafverfahren gegen den größten POTUS –  für Trump und seine Persönlichkeit die Maximalkatastrophe.

Darin liegt für mich eine große Gefahr, dass er mit allen Mitteln eine mögliche Wahlniederlage zu verhindern versucht und diese auch nicht eingesteht, weit vor der Wahl schon von Manipulation spricht, trotz entgegen anders lautender Beteuerungen der Sicherheitsdienste. Dass ihn nicht einmal Ausschreitungen und bürgerkriegsähnliches Zustände im Lande davon abhalten könnten, das möglicherweise Unvermeidliche einzugestehen. Hunderte Juristen, ehemalige Regierungsbeamte, Wahlexperten und Journalisten spielen bereits das Szenario durch, wie Trump mittels Secret Service aus dem Weißen Haus entfernt werden könnte. Ein Projekt der Juraprofessorin Rosa Brooks hat den Namen Transition Integrity Project (TIP).

Noch ist es lange nicht soweit und es muss auch nicht zu einem extremen Szenario kommen, aber das Ganze ist für die Aktienmärkte eine große psychologische Klippe. Der jetzige Amtsinhaber könnte auch im Amt bestätigt werden und unter Berücksichtigung dieses „autokratischen Verhaltens“ des Präsidenten, kommt den großen Wahlkampfauftritten der Gegenspieler eine besondere Bedeutung zu.

Weitere Wolken am Börsenhimmel

Wir stehen vor dem Ende des dritten Quartals, was zu Umschichtungen in großen Depots, dem so genannten Re-Balancing führen könnte. Die US-Großbank JPMorgan rechnet mit Aktienverkäufen in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar: US-amerikanische Pensionsfonds, den japanischen Government Pension Fund und den norwegischen Ölfonds betreffend. Da die Aktienmärkte die Anleihen weit outperformt haben, könnte es wegen der vorgegebenen Asset Allocation zu Umschichtungen kommen.

Von konjunktureller Seite ist ein gemischtes Bild zu erkennen, wie bei den letzten Zahlen zum Häusermarkt (positiv), aber auch dem Arbeitsmarkt (leicht negativ). An diesem Freitag steht wieder einmal der große monatliche Arbeitsmarkt auf der Agenda, erfassungstechnisch sehr fragwürdig, aber der Markt glaubt an die Zahlen. Ganz übergeordnet ist bei der Markterholung ein eindeutiges, aber unvollendetes V erkennbar, unter anderen hängen die letzten 10 Prozent von der Entwicklung der Pandemie ab. Das spiegelbildliche Wurzelzeichen eben, selbst langsam erkennbar an unserem Ifo-Index.

Die Entlastungsfaktoren

Natürlich hat sich an der Anlagesituation im Hinblick auf die Konkurrenz Aktien versus Anleihen noch nichts Wesentliches geändert. Der derzeitig aus taktischen Gründen vorgeschobene Attentismus der US-Notenbank (Druck auf die politischen Streithähne) kann jederzeit wieder in einen Befreiungsschlag münden – bei weiteren Verlusten. Schließlich ist es Jerome Powells oberstes Ziel, die Wirtschaft zu stützen. Außerdem sind von dem billionenschweren Corona-Hilfspaket des US-Kongresses derzeit bis zu 380 Milliarden Dollar noch nicht genutzt worden, wie auch Finanzminister Steven Mnuchin erklärt hat. Das Geld könnte seinen Weg zu Haushalten und Unternehmen machen, wenn die Abgeordneten den Weg frei machten.

Natürlich können zu jeder Zeit (erzwungene) Meldungen über die baldige Verfügbarkeit eines Impfstoffes kommen, wenn selbst die Chefs von milliardenschweren Biotech- und Pharmafirmen immer wieder sehr optimistische Aussagen zur Entwicklungssituation abgeben.

War im letzten Monat die Investitionsquote der aktiven Fondsmanager nicht drastisch nach unten gefahren worden? Was passiert eigentlich, wenn die Korrektur der Akztienmärkte nicht weiter geht und die passiven Fonds (ETFs) schon wieder im Vorteil sind. Schon wieder Pain Trades? Man darf es nicht außer Acht lassen: es liegen derzeit 5 Billionen Dollar auf kaum verzinsten Cashkonten. „Sie werden wieder in den Aktienmarkt kommen, aber zur falschen Zeit“, so ein Investor im US-Fernsehen.

Fazit

Der ungeliebte Börsenmonat geht mit seiner fast schon erwarteten Minusbilanz der Aktienmärkte zu Ende, aber kommt jetzt ein goldener Oktober? Betrachtet man die Belastungsfaktoren vor den US-Wahlen nüchtern, könnte man sofort ausrufen: nie und nimmer.

Aber Unheil an der Börse baut sich nach meiner Erfahrung immer unerwartet auf – und wird dann in kurzer Zeit eingepreist. Die oben genannten Belastungsfaktoren sind jedem Vermögensverwalter bekannt, selbst die Optionen auf den SPX ab November preisen schon eine höhere Volatilität ein. Auch war der September ein sehr schwankungsfreudiger Monat. Beim Nasdaq gab es an 82 Prozent der Handelstage Veränderungen von über einem Prozent auf Tagesschlusssicht.

Was könnte die Aktienmärkte jetzt nach oben bringen? Vielleicht eine Rückeroberung der 50-Tage-Linie, frisches Geld zu Monatsanfang? Spannung dürfte das TV-Duell zwischen dem Herausforderer und Präsident Trump in der Nacht zum Mittwoch bringen.

Schlussendlich könnte das Bonmot der Börse dann doch wieder einmal gelten: „Politische Börsen haben kurze Beine“. Aber das ist schon ein wenig weit gedacht..

Dass Trump schon im Vorfeld der Wahl am rechtmäßigen Ausgang zweifelt, belastet die Aktienmärkte

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