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Dax: Noch keine Signale für Ende der Korrektur!

Dax - keine Signale für Ende der Korrektur

Am Montag Mittag letzer Woche notierte der DAX zwischenzeitlich 4,5% tiefer als vor dem Wochenende. Der drohende Kollaps des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande, die anstehende Notenbanksitzung, für die von Notenbankchef Jay Powell Details über die künftige Strahlung der Geldpolitik erwartet wurde, sowie die sich ausbreitende Delta-Mutation gaben Anlegern ausreichend Gründe, Gewinne mitzunehmen bzw. sogar in einem Anflug von Panik Positionen aufzulösen.

Am Mittwoch waren die Ängste verflogen: Eine Evergrande-Pleite war vorerst abgewendet, Powell zeigte sich betont moderat (Taube) und die Infektionszahlen gingen zurück. So konnten die Aktienmärkte die Verluste wieder aufholen. Auf Wochensicht gab es kaum Veränderungen.

Das Ganze ging so schnell über die Bühne, dass Anleger nicht einmal Zeit für eine handfeste Panik hatten. Überhaupt scheint man sich nicht so ganz im Klaren darüber zu sein, ob man sich freuen sollte, oder nicht. Das Anlegersentiment notiert entsprechend mit einem Wert von 0,1 im neutralen Bereich.

Dennoch herrscht Verunsicherung (-1,4) unter den Anlegern im DAX, die die Geschwindigkeit der Achterbahnfahrt weder geahnt hatten, noch kontrollieren konnten. Verunsicherte Anleger neigen eher zur Paralyse, also zum Nichts-Tun, oder aber zu Verkäufen. Für Käufe braucht es Selbstbewusstsein, doch davon ist derzeit nichts zu sehen.

Immerhin ist die Erwartung an die künftige Entwicklung deutlich angesprungen (+4,0). Extremer Optimismus herrscht, die Bullen haben das Zepter an sich gerissen.

Der Überzeugung sollen auch Taten folgen, die Investitionsbereitschaft ist auf +1,9 angesprungen, dem höchsten Wert seit März diesen Jahres.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf einen neutralen Wert von 2 zurück gekommen. Die kurzfristig aufgebauten bullischen Positionen wurden im Wochenverlauf wieder abgebaut.

Das Put/Call-Verhältnis an der CBOE zeigt wieder eine extrem bullische Positionierung der US-Anleger. Die extremen Call-Spekulationen, die seit dem Juli vergangenen Jahres überwiegend vorherrschen, wurden wieder aufgebaut.

Ganz anders haben sich die US-Fondsmanager verhalten: Die Investitionsquote wurde um 10%punkte auf 77% reduziert.

US-Privatanleger weisen ein Bulle/Bär-Verhältnis von -9% aus: Hier haben die Bären klar das Ruder in der Hand. 39% der dortigen Anleger sind bärisch eingestellt.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 33% nur moderate Angst an.

Interpretation der Stimmung im DAX

Das Bild, das unsere Sentimentumfrage für den DAX malt, ist nicht gerade leicht zu interpretieren. Unter den Anlegern herrscht große Verunsicherung, dennoch sind sie extrem bullisch gestimmt und wollen in den kommenden zwei Wochen in den Markt investieren. In den USA zeigt sich das umgekehrte Bild: Dort dominieren die Bären das Parkett und Fondsmanager haben ihre Investitionsquote zurück gefahren.

Vielleicht hilft der 5-Wochendurchschnitt unseres Sentiments, der uns schon häufig Korrekturtiefs gut terminieren ließ: Im Corona-Crash erreichte dieser Indikator seine historischen Extremwerte. Im Herbst 2020, kurz vor den US-Präsidentschaftswahlen und der Zulassung des ersten Corona-Impfstoffes wurde ein weiterer Tiefpunkt, wenn auch lange nicht so extrem, erreicht. Von diesem Niveau sind wir derzeit noch weit entfernt. Meine Aussage von vor einer Woche bleibt bestehen: Für einen tragfähigen Boden beim DAX fehlte es an Angst, Panik und Schrecken.

Somit möchte ich meine Interpretation einmal anders formulieren: Das Umfrageergebnis dieser Woche zeigt kein Ungleichgewicht, das den Aktienmärkte in den kommenden Tagen in die eine, oder auch in die andere Richtung bewegen könnte. Aus Wochensicht lässt sich somit die Richtung nicht aus dem Sentiment ableiten. Doch die exorbitanten Gewinne vom Herbst 2020 bis zum Sommer 2021 (DAX +38%) erfordern weiterhin eine Konsolidierung.

Soll heißen: Selbst wenn es jetzt gen Norden weitergeht, würde ich davon ausgehen, dass wir das heutige Niveau im DAX früher oder später nochmals sehen werden.

Ein weiterer Wert, den ich in einer so ungewissen Lage gerne zu Rate ziehe, ist die Investitionsquote unserer Umfrageteilnehmer: Mit 45% haben Anleger derzeit so viel ihres Kapitals investiert wie nur selten zuvor (weniger als 10% aller Ergebnisse hatten höhere Werte). Wenngleich also Anleger optimistisch gestimmt sind und eine hohe Investitionsbereitschaft haben, so fehlt ihnen doch derzeit das nötige Kleingeld, um ihren Wunsch mit nennenswerten Käufen in die Tat umzusetzen.

Eine besondere Situation ist im Gold zu erkennen: Die Stimmung unter Goldanlegern ist extrem schlecht, gleichzeitig herrscht hoher Optimismus. Das ist eine Stimmungslage, die häufig zu steigenden Kursen führt.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos



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