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Dax: Ohne Aufpasser- und ein fragwürdiger Rückenwind aus Italien

Haben die Finanzmärkte nun eine Sorge weniger, nachdem alles darauf hindeutet, dass die Koalition zwischen Lega und Cinque Stelle in Italien nicht zustande kommt?

Haben die Finanzmärkte nun eine Sorge weniger, nachdem alles darauf hindeutet, dass die Koalition zwischen Lega und Cinque Stelle in Italien nicht zustande kommt? Kurzfristig vielleicht – aber man erkauft sich nur ein bißchen Zeit. Faktisch hat in Italien Präsident Mattarella entgegen des Votums bei den Wahlen eine Regierung verhindert, die für die Eurozone ein großes Problem geworden wäre, nun soll eine Übergangsregierung das Land führen. Ob diese Übergangsregierung überhaupt zustande kommt, ist noch völlig offen – faktisch aber dürften bei den Neuwahlen, falls es dazu kommt, diejenigen Auftrieb bekommen, die man jetzt noch einmal von der Macht abgehalten hat!

Es ist also nur ein Sieg auf Zeit, die große Katastrophe ist erst einmal verhindert worden, sie ist aber nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Italien bleibt die große Gefahr für die Eurozone in ihrer bisherigen Form, weil dort nun jene Kräfte stäkrer werden, die in Brüssel und Berlin die Urheber ihrer Probleme sehen, und man kann davon ausgehen, dass es eben Brüssel und Berlin waren, die Druck ausgeübt haben, dass diese neue Regierung nicht mit radikalen Vertretern wie Paolo Salvini antreten kann.

Die Märkte ragieren dessen ungeachtet mit Erleichterung, wie man am besten im Vergleich zwischen der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe (schwarz) sowie der 10-jährigen italienischen Anleihe (orange) sehen kann: die Renditedifferenz, die in der letzten Woche durch die Decke geschossen war, hat sich deutlich reduziert:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Auch der Euro nun höher als zuvor, weil die Wahrscheinlichkeit gesunken ist, dass die Notenbank ihre ultralaxe Geldpolitik allein schon wegen Italien fortsetzen würde. Die Aktienmärkte hingegen, die das Geschehen in Italien ohnehin weitgehend ignoriert hatten, reagieren zwar mit Erleichterung, aber die Bewegungen sind im Verhältnis deutlich kleiner als an den Anleihemärkten.

Der Dax, heute alleine gelassen, kommt mit einem eher undramatischen Aufwärts-Gap in den Handel:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Das erneute Anlaufen der Zone 13015 Punkte, die in der letzten Woche den weiteren Anstieg des Dax noch verhindert hat und im Gefolge dieses Scheiterns den Index sogar knapp unter die 12800er-Marke geschickt hatte, ist durchaus wahrscheinlich. Reicht es für mehr? Das ist an derart umsatzschwachen Tagen wie heute aufgrund des US-Feiertags schwer zu prognostizieren.

Was man jedoch mit einer guten Wahrscheinlichkeit prognostizieren kann, ist, dass der Dax vielleicht bis ca. 11Uhr oder 12Uhr noch Anzeichen von Bewegung zeigt, bevor er dann angesichts der eher südländischen Temperaturen sich zu einer Siesta begeben und vor morgen früh nicht mehr aufwachen wird..



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