Nachdem der DAX nahe seines Allzeithochs notiert, ist der Leidensdruck unter Anlegern natürlich nicht besonders hoch. Es handelt sich also, wie vor einer Woche an dieser Stelle in Aussicht gestellt, eher um eine kurze Verschnaufpause, die für Käufe genutzt werden kann. Schauen wir mal, ob die Sentimentanalyse dieser Woche diese Sichtweise weiterhin bestätigt, oder ob sich etwas geändert hat.
DAX: Party endete ohne „Scnaps-Leichen“
Die Angst vor steigenden Staatsdefiziten geht um. Anleger fürchten niedrigere Zinsen, die auf lange Sicht wieder zu mehr Inflation führen und halten sich daher von lang laufenden Anleihen fern. Das Zinsniveau „am langen Ende“, so nennt man lang laufende Staatsanleihen, steigt und somit werden Finanzierungskosten für Investitionen teurer: Es wird weniger investiert. Die Konjunktur leidet unter zu wenig Investitionen, die Aktienmärkte lassen Federn, diese Woche 1%.
Die Anlegerstimmung ist von der Partylaune der Vorwoche (4,9%) auf nur noch 2,1% zurück gegangen. Wie angekündigt: Die Party endete, ohne Schnapsleichen zurückzulassen. Zum Glück bleibt auch die Katerstimmung bislang aus.
Die Selbstzufriedenheit ging von 4,2% in der Vorwoche auf 1,9% zurück, notiert damit ebenfalls im gesunden Bereich. An der optimistischen Grundeinstellung der Anleger hat sich jedoch nichts geändert. Der Zukunftsoptimismus stieg auf 1,8% an. Die Bullen sind leicht in der Mehrzahl.
Und entsprechend gibt es auch mit einem Wert von 1,5% eine moderat positive Investitionsbereitschaft, um von den künftig höher erwarteten Kursen zu profitieren.
Das Euwax-Sentiment der Privatanleger sprang von -30% auf +25% an und zeigt ein sprunghaft gestiegenes Interesse an gehebelten Produkten, mit denen an steigenden Kursen partizipiert wird. Dieser Indikator wurde kürzlich in seiner Konzeption umgestellt, die Ausschläge sind wesentlich heftiger geworden. Ich finde jedoch leider keine Informationen über die getätigten Änderungen. Somit müssen wir diesen Indikator mit Vorsicht genießen, bis wir die neue Konzeption besser verstehen.
Das Put/Call-Verhältnis für den DAX an der Eurex stieg auf 2% an, es werden doppelt so viele Put-Absicherungen nachgefragt wie Call-Optionen. Es handelt sich um den höchsten Wert seit dem Frühjahr, der anzeigt, dass der Absicherungsbedarf gegen fallende Kurse derzeit hoch ist.
In den USA hingegen notiert das Put/Call-Verhältnis an der CBOE mit 0,55% auf durchschnittlichem, eher niedrigem Niveau. Anleger in den USA setzen überwiegend auf steigende Kurse.
US-Fondsmanager belassen ihre Investitionsquote nahezu unverändert bei 79%. Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger liegt bei nur noch 8%. Einige Bullen sind direkt ins Bärenlager übergesiedelt, einige in das Lager der Neutralen.
Der technische Angst & Gier Indikator des S&P 500 steigt mit einem Wert von nur noch 59% nur geringe Gier an.
Interpretation der Dax-Stimmung
Pflanzen brauchen Regen, um zu wachsen. Aktien brauchen Verschnaufpausen, um zu steigen. Es lassen sich unzählige vermeintliche Beweise finden, die den fallenden Kursen dieser Woche voran gingen. Doch letztlich war der DAX seit Anfang August bis heute fast ohne Unterbrechung um 12% gestiegen. Da ist die Verschnaufpause von 1% eher niedlich.
Das Anlegersentiment passt sich an die jüngste Entwicklung an. Es gibt keine Katerstimmung, keine Panik oder sonstige Übersprungshandlungen, lediglich eine kurze Abkühlung der zuvor doch recht ausgelassenen Börsenparty. Alles in allem ist der moderate Stimmungsrückgang dieser Woche als gesund zu bezeichnen.
Hinsichtlich der künftigen Entwicklung bleiben Anleger überwiegend optimistisch, wenngleich sich ein wenig Vorsicht in die Stimmung mischt. Immerhin wird in 10 Tagen in den USA ein neuer Präsident gewählt. Und wenn ich den Medienberichten Glauben schenke, dann wird diese Wahl über nicht weniger als das Überleben oder den Untergang der Demokratie entscheiden. Ein Argument, das übrigens beide Seiten für sich ins Feld führen.
Durch die Wirtschaftsbrille betrachtet ist der Wahlausgang Nebensache: Sowohl Kamala Harris als auch Donald Trump haben ein wesentlich besseres Verständnis für die Wirtschaft als der amtierenden Joe Biden. Ein wenig ist die positive Börsenentwicklung der vergangenen Wochen auch auf den absehbaren Wechsel im Weißen Haus zurückzuführen, egal ob die Welle blau oder rot ist.
So wie im Put/Call-Verhältnis zum DAX zeigt sich auch die Shortquote meiner animusX-Umfrage sehr skeptisch: Sie ist diese Woche sprunghaft auf ein Niveau angesprungen, das als extrem bezeichnet werden kann. Insbesondere institutionelle Anleger haben ihre Absicherungen gegen fallende Kurse im DAX hochgefahren.
In der Vergangenheit waren hohe Absicherungen eher bullisch zu interpretieren. In den darauf folgenden 6 Monaten stieg der DAX um durchschnittlich 11% an, um 8% stärker als ohne ein solches Signal. Wenn also viele Anleger sich gegen fallende Kurse absichern, können negative Entwicklungen nicht mehr überraschen. Positive Entwicklungen hingegen um so mehr, so kommt die extrem positive Entwicklung im DAX nach solchen Sentiment Situationen zustande.
Diese Interpretation passt ebenfalls in unser Bild, dass es sich bei dem aktuellen Rücksetzer lediglich um einen Rücksetzer handelt, der für Käufe genutzt werden kann.
Gold
Mit besonderem Interesse habe ich mir die Situation am Goldmarkt angeschaut, immerhin erklimmt der Goldpreis ein Allzeithoch nach dem anderen. Entsprechend ist die Stimmung am Goldmarkt überschäumend positiv, ich würde von Euphorie sprechen. Auch der Fünf-Wochendurchschnitt notiert auf einem extrem hohen Niveau, nur fünfmal in den vergangenen 18 Jahren war die Stimmung vergleichbar gut.
Sechs Monate später wurden drei Mal hohe Gewinne erzielt, zwei Mal Verluste. Durchschnittlich stieg der Goldpreis um 3,8%. Hmm, nicht gerade eine Statistik, die einen dazu bewegt, Haus und Hof zu verwetten.
Gold als Absicherung gegen Finanzmarktturbulenzen hat unserer Ansicht nach stets einen Platz in einem diversifizierten Portfolio. Nach der Rallye der vergangenen Monate ist es derzeit jedoch nicht der beste Zeitpunkt, eine solche Absicherungsposition aufzubauen. Ich würde auf einen Rücksetzer warten.
Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos
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