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Dax: Pawlowsche Hunde, Patriotismus und Steuer-Träumereien

FMW-Redaktion

Nach der gestrigen, armeseligen Performance möchte man dem Dax geradezu zurufen: zeig doch mal was! Während die US-Indizes dann schließlich sogarins Plus drehten, konnte der deutsche Leitindex zwar seine Verluste etwas eindämmen, hinkte aber dennoch der Wall Street weit hinterher.

Dabei ist die Voraussetzung heute gar nicht so schlecht: der Euro deutlich unter der 1,20, die asiatischen Märkte folgen der Wall Street und sind überwiegend positiv. Immerhin: der X-Dax kann das aufnehmen und startet über der 12.000er-Marke:

Das ist ein kleines Trostpflaster für die Bullen, aber auch noch nicht viel mehr. Sieht man sich den Chart an, fällt auf, dass der Index gestern aus dem kurzfristigen Aufwärtstrend gefallen ist und dabei noch ein üppiges Abwärts-Gap produzierte. Das bisherige Verlaufstief bei 11935 Punkten wurde unterboten, nun folgt also die Erholung. Aber bis wohin geht diese Erholung?

Wir haben eine neuralogische Zone, grob gesagt zwischen 12060 und 12090. 12090 war ein wichtige Unterstützungsniveau, knapp darunter verläuft der gebrochene Aufwärtstrendkanal. Es steht also zu erwarten, dass der Dax genau an diesen Kanal heranläuft – und dann ist die Chance gut, dass er von dort wieder in Richtung Süden abdreht.

Das hängt auch davon ab, ob die US-Märkte so weiter machen wie gestern – woran wir leise Zweifel haben. Klar: gestern war es vor allem die Meldung des Weißen Hauses, dass Trump heute eine Rede zur Steuerreform halten wird, die der Wall Street reagieren ließ wie ein Pawlowscher Hund: klingelt es, läuft der Sabber im Mund zusammen, bekommt man Schnappatmung wenn man nur das Wort „Steuersenkung“ hört. Und: dass Trump sich aus bisher nicht bekannten Gründen nicht über Twitter zu Nordkorea geäußert hat, ist geradezu Nobelpreisverdächtig und beruhigte die Gemüter weiter.

Aber das war gestern – und heute ist heute. Heute steht die Rede Trumps im Fokus, die ziemlich allgemeines blabla sein wird, eine Ansammlung von Absichtserklärungen, die die Frage ausklammert, was davon überhaupt realisierbar ist. Mit dem ADP Arbeitsmarktbericht und dem US-BIP aber kommen heute wieder Fakten auf den Tisch, während die Wall Street gestern wohl auch das patriotische Zeichen geben wollte, dass man sich von einer solchen Katastrophe nicht unterkriegen läßt. Die Haltwertszeit solcher Emotionen ist aber vergleichbar mit der Wirkungsdauer von Viagra – also begrenzt..

Wir bleiben dabei und wiederholen uns: Erholungen im Dax sehen wir als Verkaufsgelegenheit! Oder, wie der Lateiner sagen würde: Ceterum censeo Daxem esse delendam



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1 Kommentar

  1. Schon der Tierschutz verbietet, den Dax zu zerstören -;)…

    Wir haben jetzt eine schöne SKS Formation, wobei die Nackenlinie bei ca. 11940 verläuft. Ich denke zwar unverändert, dass wir im Juni das Hoch gesehen haben, aber es wäre ungewöhnlich, wenn es von da an in einem Rutsch nach unten gehen würde.

    Also: Jetzt eine Erholung in den Bereich 12380 max. bis zum alten Hoch. Das passt auch gut zur politischen Landschaft. Man „feiert“ den Wahlsieg schon jetzt und nach der Wahl stellt man dann fest, dass es gar nichts zum feiern gibt.

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