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Dax: Schuss vor den Bug – aber Zukunfts-Optimismus

Dax - die Stimmung der Investoren

Der „Schuss vor den Bug“ der Aktienmärkte und speziel beim DAX am Mittwoch dieser Woche hat Spuren hinterlassen. Der Verlust konnte bis zum Ende der Woche nicht ganz ausgeglichen werden. Den Teilnehmern unserer Sentiment-Umfrage ist der Schreck in die Glieder gefahren.

So ist das Anlegersentiment auf -1,3 gerutscht (Vorwoche +0,7). Vor einer Woche hatten wir den Sentiment-Daten entnommen, dass viele Anleger sich für steigende Kurse positioniert hatten. So kam der Rückschlag überraschend und führte zu einer niedergeschlagenen Stimmung unter den Anlegern.

Gleichzeitig macht sich Verunsicherung breit: Die Selbstgefälligkeit ist auf -1,8 abgesackt (zuvor +0,6). Im DAX gibt es Unternehmen, die teuer erscheinen, aber auch welche, die billig aussehen.

SAP wird bei 4% erwartetem Gewinnwachstum mit einem KGV 2022e von 23 bewertet. Das ist ziemlich hoch. Das erwartete Gewinnwachstum von 8% wird bei Linde mit einem KGV 23e von 27 bewertet. Da ist schon sehr viel Zukunftsphantasie im Kurs enthalten.

Auf der anderen Seite gibt es Dividendentitel wie BASF mit einer Dividendenrendite von über 5%, die nur ein KGV 23e von 11 mit sich tragen, oder E.On mit einer Dividendenrendite von 4,5% bei einem KGV 23e von 12.

Es gibt also durchaus Argumente für einen Ausbruch im DAX zu neuen Allzeithochs. Es gibt aber auch Argumente für eine erforderliche Korrektur. Im Spannungsfeld dieser unterschiedlichen Entwicklungen läuft der DAX seit nunmehr drei Monaten seitwärts mit einer immer enger werdenden Handelsspanne. Daran hat auch die kurze, aber heftige Korrektur am Mittwoch nichts geändert.

Doch die Erwartung wurde angeheizt: Mit einem Wert von 3,7 dominieren die Bullen klar die Zukunftserwartung. Ab einem Wert von 4 sprechen wir von extremem Optimismus.

Die Investitionsbereitschaft ist leicht auf 1,0 angestiegen. Mit zwei kurzen Unterbrechungen ist seit März keine nennenswerte Investitionsbereitschaft mehr zu beobachten gewesen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer: Warten wir mal eine Woche ab, ob der heutige Wert in der kommenden Woche bestätigt wird.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf 4,5 angestiegen. In den vergangenen vier Wochen dominierten Absicherungsgeschäfte, nach dem kurzen Ausverkauf dieser Woche ist der Appetit für Long-Spekulationen wieder stark angestiegen.

Profis, die sich über die Eurex absichern, haben ein Put/Call-Verhältnis von 1,4%, was eine recht ausgeglichene, leicht optimistische Positionierung im DAX zeigt. Ähnlich sieht es in den USA aus, dort notiert das Put/Call-Verhältnis der CBOE ebenfalls im leicht bullischen Bereich.

US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote um 9% auf 85% vermindert. Auch hier zeigt sich eine vergleichsweise neutrale Positionierung.

Bei den US-Privatanlegern dominieren leicht die Bullen mit einem Bulle/Bär-Verhältnis von 12%. Das ist unterm Strich kaum eine Veränderung zur Vorwoche. Dennoch haben diese Woche 5% der Bullen das Bullenlager verlassen, ebenso haben 5% der Bären das Bärenlager verlassen. Das Lager der Neutralen ist im Vergleich zur Vorwoche von 23,2% auf 33,9% angewachsen.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 42% ebenfalls eine neutrale Verfassung auf.

Interpretation der Stimmung gegenüber dem DAX

Der DAX korrigierte zwischenzeitlich um 2,6%, doch wichtige charttechnische Unterstützungen konnten gehalten werden. Der Rückschlag hat die Bullen nachdenklich gemacht, viele von ihnen sind ins Lager der Neutralen übergesiedelt. Der Rückschlag hat aber auch das Lager der Bären verkleinert: Die Unterstützungen haben gehalten, zum Wochenschluss wurde ein Großteil des Verlustes schon wieder ausgeglichen. Viele Bären haben ihre Leer-Positionen aufgelöst und sind nun in das Lager der Neutralen übergesiedelt.

Die starke Polarisierung, die wir vor einer Woche in den Vordergrund stellten, ist damit nun wieder aufgehoben. Es gibt einen zunehmend starken Zukunftsoptimismus, der im Falle steigender Kurse des DAX viele unterinvestierte Bullen unter Handlungszwang setzen würde. Sie würden den steigenden Kursen hinterher laufen.

Auf der Unterseite hingegen gibt es nun nicht mehr viel Unterstützung. Die Bären haben ihre Positionen aufgelöst und können daher nicht mehr frühzeitig einen Ausverkauf auffangen. Und die Bullen neigen dazu, sich von der Börsenrichtung beeinflussen zu lassen. Sprich: Wenn Kurse fallen, mutieren Bullen schnell mal zu Bären.

Somit könnte es sich nur um einen ersten Test der charttechnischen Unterstützung gehandelt haben. Beim nächsten Mal könnten Käufer ausbleiben, die ein weiteres Abrutschen verhindern würden.

Meinen animusX-Daten, mit denen ich weitere Sentiment-Indikatoren erhebe, entnehme ich zudem, dass die Investitionsquote unter Privatanlegern vergleichsweise hoch ist, die Cashquote im Gegenzug ist sehr niedrig. Auch das spricht dafür, dass die Gefahr für den DAX eher auf der Unterseite zu finden ist.

Für den Bitcoin, dessen Sentiment wir ebenfalls seit einigen Wochen erheben, ergibt sich ein neutrales Bild. Der Optimismus der vergangenen vier Wochen ist nach dem Ausverkauf dieser Woche wieder verschwunden. Die Feierlaune hat sich ebenfalls in Luft aufgelöst. Beide Indikatoren zeigen ein neutrales Bild. Für eine Wiederaufnahme der Rallye benötigen wir demzufolge noch ein wenig mehr Zeit.

Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.



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