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Dax: Schwerer Rückschlag! Über ein Geschäftsmodell mit begrenzten Aussichten..

Gestern lautete unser Titel zum morgendlichen Dax-Ausblick: „Jetzt muß er liefern“! Aber er hat eben nicht geliefert, sondern ist ziemlich bombastisch gescheitert! Statt die wichtige Zone bei 12920/25 Punkten zu überwinden, fiel der Dax nach dem Scheitern an diesem Widerstand gestern kontinuierlich zurück. Auf X-Dax-Basis ging es runter bis in die Zone bei 12650 Punkten:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Warum? Nicht so ganz klar – der Abstand des Dax zur Wall Street wird jedenfalls immer größer:


(Dax orange, S&P 500 schwarz; Chart durch anklicken vergrößern)

Klar ist: der Dax hat viel zu verlieren, wenn die Sache mit den Trumpschen Zöllen aus dem Ruder läuft. China hat inzwischen schon zu viel Power und kann daher den USA richtig weh tun – aber hat diese Power auch Deutschland mit seinem Geschäftsmodell? Einem Geschäftsmodell, das einer Monokultur gleicht und daher besonders anfällig ist, wenn jemand wie Trump die Spieregeln ändern will.

Dazu die Verwundbarkeit Deutschlands in Europa und der Eurozone, wo sich mit der neuen Regierung in Rom die Gewichte mehr und mehr zu ungunsten Deutschlands verschieben: erst der Austritt der Briten aus der EU, nun auch Italien neben den Ostmitteleuropäern im Club der Brüssel-Skeptiker – all das bringt den wirtschaftlichen Hegemon Deutschland, der gleichzeitig ein militärischer Zwerg ist, in eine schwierige Lage. Aufgrund dieser Gemengelage erscheint also eine Skepsis gegenüber dem Dax, erscheint die Skepsis über die Zukunftsaussichten für das deutsche Geschäftsmodell insgesamt, durchaus angebracht!

Tatsächlich konnte die gutgläubige Naivität, die der Dax noch kürzlich an den Tag gelegt hatte, nicht gut gehen – und das ging dann ja auch nicht gut. Aus sich heraus hat der Dax derzeit wohl kaum die Kraft für eine saftige Gegenbwegung, er kann sich also kaum an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Also braucht er die Unterstützung der Wall Street, die gestern wieder einmal Bäumchen-wechsel-dich spielte mit nun schwächeren Tech-Werten und stärkeren Banken-Werten.

In der nächsten Woche steht so viel an, was die Märkte nach oben oder nach unten bringen kann: Trump in Singapur, die Fed und die EZB – sowie der Verfall am Freitag. Der Dax jedenfalls hat sich im Vorfeld dieser zentralen Ereignisse in eine charttechnisch schlechte Ausgangsposition gebracht – das läßt erahnen, das es ziemlch übel kommen könnte für den deutschen Leitindex. Vielleicht hilft die sich abzeichnende Pause in der Euro-Rally dem deutschen AKtienmarkt – vermutlich wird der Euro aber nach dieser Pause wieder steigen (nach der Fed-Zinsanhebung), wenn die EZB wirklich das Ende des QE verkündet, dürfte dann aber auch von dieser Seite heftiger Gegenwind für den Dax zu erwarten sein!



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4 Kommentare

  1. Ich würde sagen das liegt am Konjunkturoptimismus

  2. Wie soll denn die EZB in einer derart kritischen Lage(unter anderem wieder steigende italienische Bondrenditen)das Ende des QE verkünden? Ich kann mir das nicht vorstellen. Draghi wird halt was Geheimnisvolles von sich geben wie zum Beispiel: „Möglicherweise, vielleicht…falls… unter der Bedingung…wir behalten uns vor, alle Möglichkeiten offen zu halten“.

  3. Markus, Sie haben zwar ein paar wunde Punkte Deutschlands angesprochen, aber gleich das ganze deutsche Modell in Frage stellen? Der Export funktioniert u.a. deshalb so gut, weil wir höherwertige Produkte herstellen, die im Ausland begehrt sind. Nicht nur Autos (jeder 7. Arbeitsplatz hat mit dem Automobil zu tun), sondern es ist vor allem der Maschinenbau, getragen von unserem Mittelstand. 60% unserer Ausfuhren von 1,27 Bio. € gingen 2017 nach Europa, 111 Mrd. in die USA und 86 Mrd. nach China. Deshalb derzeit auch die Dax-Schwäche, weil sich die Exporte nach Europa stark abgeschwächt haben. Selbst wenn der 71-jährige Trump die Handesbeziehungen weiter in seinem Sinne durcheinander bringt, könnte das Ganze als Boomerang auf ihn zurückfallen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es in den nächsten 2 1/2 -Jahren seiner ersten Wahlperiode zu einer Rezession kommt (im 11. und 12. Jahr des Aufschwungs). Die Chancen auf eine Wiederwahl in einer Rezession sind erfahrungsgemäß nicht so groß.
    Was Italien angeht, wurde heute im HB gemutmaßt, dass im Mai bereits 50 Mrd. € das Land verlassen haben, wohin? „You can make an educated guess!“ Ich habe schon darüber geschrieben, dass die Märkte Italien vor sich her treiben werden. Sollte die neue Regierung unfinanzierbare Programme vorantreiben, werden die Zinsen derartig schnell ansteigen und es wird eine Kapitalflucht einsetzen (ohne Kapitalverkehrskontrollen), so dass derartige Vorhaben schnell eingestampft werden (müssen). Sie haben schon recht, die Sommermonate könnten ruppig werden, aber die deutsche Ingenieurskunst wird so schnell nicht redundant. Nichtsdestotrotz sollte Deutschland die Exportquote angehen, im Sinne von Investitionen in die inländische marode Infrastruktur.
    Gruß

  4. Der Markt klettert weiter, egal welche Problem anstehen. Denn die Käufer sind vornehmlich aus dem Bereich der Gelddruck-Nationalbanken und es geht nur noch darum, in den Besitz wichtiger Unternehmen und Technologien zu kommnen – egal zu welchem Preis. Und Gläubiger kennen Nationalbanken beim Gelddrucken ja nicht.

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