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Dax Sentiment: Angst und Panik führen zu breitem Ausverkauf

Wir nutzen die Sentiment-Theorie, um antizyklisch zu handeln beim DAX

Dax Stimmung negativ

Ja, so sieht Panik aus: Das Anlegersentiment beim DAX ist auf -6,8 gefallen und befindet sich auf dem niedrigsten Niveau seit Kriegsbeginn. Davor müssen wir schon bis zum Coronacrash zurückgehen, um eine so extrem niedergeschlagene Stimmung vorzufinden.

DAX: Extremwerte!

Auch die Verunsicherung unter den Anlegern im DAX ist maximal mit einem Wert von -10,1. Ab Werten von -4 sprechen wir von Extremwerten, meine Graphik endet bei -6. Ich kann die Verunsicherung nachvollziehen: Weder die zögerliche Verhaltensweise der EZB noch das bestimmte Vorgehen der Fed konnten die Finanzmärkte beruhigen. Das Gefühl der Hilflosigkeit macht sich breit.

Immerhin zeigt der Zukunftsoptimismus eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau an: Der Wert von +0,1 deutet an, dass viele Anleger das Schlimmste für überstanden halten.

Entsprechend ist die Investitionsbereitschaft auf +2,6 angesprungen. Schnäppchenjäger scharren mit den Füßen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf +3 gesprungen und zeigt eine gestiegene Risikobereitschaft an. Es wird gehebelt auf eine Erholung spekuliert.

Ganz anders verhalten sich die institutionellen Anleger, die sich über die Eurex absichern. Das Put/Call-Verhältnis von 2,9 zeigt eine sehr hohe Absicherungsneigung dieser Anlegergruppe an.

Auch in den USA zeigt das Put/Call-Verhältnis der CBOE steigende Absicherungen, also Put-Käufe an.

Die Investitionsquote der US-Fondsanleger ist von 50% auf 32% zurück gegangen. Auch hier dominiert Vorsicht.

US-Privatanleger haben eine Bulle/Bär-Quote von -39%. 58% der Anleger sind pessimistisch eingestellt. Das sind fast so viele wie vor 6 Wochen, als mit 59,4% ein Allzeitrekord geschrieben wurde.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 15 extreme Angst an. Auch der Short ränge Oscillator des S&P 500 ist auf einen Wert von -10 gefallen und zeigt einen extrem überverkauften Markt an. Zumindest kurzfristig sollte es also bald zu einer Gegenbewegung kommen.

Interpretation der Stimmung zum DAX

Binnen zwei Wochen ist der DAX um 12% eingebrochen. Die globalen Probleme scheinen zu groß zu sein, um sie zu lösen. Entsprechend verzweifelt sind die Anleger. Mit Ausnahme des Euwax-Sentiments, wo Privatanleger opportunistisch Long-Spekulationen aufbauen, zeigen sämtliche Stimmungsindikatoren die Panik an, die wir auch von der Kursentwicklung ablesen können.

Diese Woche wurden alle Aktien ausverkauft. Es gab keine Branche, in der sich Anleger verstecken konnten.

Dax Stimmung und US-Märkte
Abbildung 1: Wochenentwicklung der S&P 500 Aktien

Wir nutzen die Sentiment-Theorie, um antizyklisch zu handeln beim DAX. Bei Euphorie nehmen wir Gewinne mit. Gut, das ist nun schon seit längerem nicht mehr vorgekommen. Aber bei Panik kaufen wir ein. Und so würde ich mich auch dieses Mal verhalten. Nicht alles auf eine Karte setzen, denn die Probleme sind wirklich erdrückend, das muss sogar ich zugeben. Doch es sind schon sehr viele Aktien extrem günstig. In „normalen“ Börsenzeiten kauft man diese Aktien nicht, weil sie zu teuer sind. Jetzt gibt es sie günstig, sozusagen als Schnäppchen, also sollte man zumindest mit kleinen Beträgen zuschlagen.

Kann die Stimmung noch schlimmer werden? Was, wenn ein großes Unternehmen aufgrund der hohen Rohstoffkosten in die Insolvenz schlittert? Was, wenn China mit Taiwan ernst macht? Aber selbst das wäre, so mein aktueller Eindruck, lediglich die Bestätigung der schlimmsten Befürchtungen.

Gold, Bitcoin und Öl

Im DAX hat es gekracht – aber auch Gold-Anleger verstehen die Welt nicht mehr: Da ist doch das Gold eigentlich der sichere Hafen, doch der Goldpreis steigt und steigt nicht an, obwohl die Welt im Chaos liegt. Die Stimmung am Goldmarkt ist auf dem Nullpunkt. Gleichzeitig ist der Zukunftsoptimismus hoch, für die Zukunft erwarten Goldanleger höhere Notierungen. Eigentlich ist das eine gute Startposition für steigende Preise.

Am Ölmarkt sehen wir das genau entgegengesetzte Bild: die Stimmung ist super, immerhin ist der Ölpreis seit Kriegsausbruch von 90 auf 120 USD gesprungen. Doch die Zukunftsaussichten werden nun von Pessimismus dominiert: Das kann so nicht weitergehen, könnte man meinen. Ein solches Stimmungsbild würde zu einer zwischenzeitlichen Verschnaufpause der Ölrallye passen. Doch für ein endgültiges Ende der Ölpreisrallye brauchen wir neben Euphorie auch noch übertrieben bullische Erwartungen.

Für den Bitcoin ist die Stimmung nach -30% im Bitcoin-Preis in der abgelaufenen Woche am Boden. Wir messen die extremste Niedergeschlagenheit seit Beginn der Bitcoin-Umfrage. Auch der 5-Wochendurchschnitt notiert auf dem niedrigsten Niveau. Und auch die Zukunftserwartung für den Bitcoin ist extrem negativ. Hier sehen wir ein Bild, das Angst und Panik signalisiert. Ein Boden im Bitcoin ist in Reichweite. Schade nur, dass diese Interpretation eher zeitlich als preislich interpretiert werden muss.

Zeitlich würde ich meinen, dass wir innerhalb der kommenden 10 Tage ein Tief im Bitcoin sehen müssten, das für viele Wochen, wenn nicht Monate, den Tiefpunkt des Ausverkaufs definieren dürfte. Bei welchem Preis dies in den kommenden Tagen geschehen wird, das lässt sich leider nicht ableiten: Ob bei den aktuell 20.000 oder aber erst bei 10.000 bis 12.000 ist noch offen.



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