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Der DAX ist gefährdet in den nächsten Tagen ausverkauft zu werden Dax Sentiment: Explosive Ausgangslage am Aktienmarkt

Dax Explosion

Der DAX hat in der letzten Woche etwas nachgegeben: Erstmals seit Ende September legte der deutsche Leitindex wieder den Rückwärtsgang ein. Die Rally war von viel Skepsis begleitet worden, wirklich gute Laune kam nur einmal auf, und zwar Anfang November, als der DAX in einer Woche um 5,7% nach oben schoss. Ansonsten war die Erwartung an die künftige Kursentwicklung im DAX überwiegend negativ geblieben.

DAX: Die Stimmungslage

Mit dem Kursrutsch dieser Woche fühlen sich also viele Anleger in ihrer Skepsis bestätigt. Schauen wir mal, wie sich das auf die Stimmung ausgewirkt hat.

Unser Anlegersentiment ist auf -0,9% gerutscht. Nach vier Wochen guter Laune macht sich nun wieder Niedergeschlagenheit breit.

Auch die Selbstzufriedenheit ist schon wieder verflogen, der Wert von -1,9% zeigt eine wieder aufkeimende Verunsicherung unter den DAX-Anlegern.

Mit einem Wert von -0,2% ist die Zukunftserwartung jedoch angestiegen und notiert im neutralen Bereich. Hier spiegelt sich wider, dass die Skepsis der vergangenen Wochen mit einem Kursrückgang beantwortet wurde. Dennoch zeigt der neutrale Wert, dass man sich nun über die künftige Entwicklung uneins ist.

Die Investitionsbereitschaft ist somit auch trotz des nunmehr günstigeren Kursniveaus im Vergleich zur Vorwoche auf 0,7% zurückgegangen (Vorwoche 1,2%). Hatte man also zuvor noch auf einen Rücksetzer beim DAX gewartet, um nun nachzukaufen, so zeigt sich nunmehr nach Eintreten des Rücksetzers eine ansteigende Verunsicherung und daher eben auch eine rückläufige Investitionsbereitschaft.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist von einem extrem negativen Wert in der Vorwoche (-16) auf nur noch -7 angesprungen. Wie oben bereits gezeigt haben sich Anleger auf den Rücksetzer vorbereitet und in den Rücksetzer hinein ihre Absicherungspositionen aufgelöst.

Institutionelle hatten sich zuvor bereits anders verhalten: Sie hatten auf weiter steigende Kurse beim DAX gewettet, um ihren Performancerückstand zum Jahresende möglichst noch ein wenig auszugleichen. Nun, das war wohl nichts, und so wurde nun eiligst umgesattelt auf Absicherung: Das Put/Call-Verhältnis der Eurex ist auf 2,6% angesprungen und zeigt einen hohe Absicherungskäufe der Profis.

In den USA ist davon nichts zu sehen, das Put/Call-Verhältnis der CBOE notiert auf einem durchschnittlichen Niveau.

US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote auf 56% reduziert (Vorwoche 64%). Damit sind Fondsmanager wieder eher defensiv positioniert.

Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger liegt bei -17%, 42% Bären stehen nur 25% Bullen gegenüber.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 53% einen neutralen Wert an.

Interpretation der Lage beim DAX

Die DAX-Rally dauerte sechs Wochen: Von Ende September bis Mitte November. Der DAX stieg von 11.900 auf 14.200 Punkte an, +19%. Seither läuft der DAX seitwärts, erreichte zum Monatswechsel November/ Dezember noch ein neues Hoch, droht nun aber in eine nennenswerte Konsolidierung abzurutschen.

In der Finanzpresse konkurrieren Techniker mit ihren historisch hergeleiteten Begründungen für eine Jahresendrallye, die den DAX noch in Richtung 15.000 treiben könnte, mit Konjunkturskeptikern, die das Ganze ohnehin nur als Bärenmarktrallye sehen, da die Wirtschaft auf eine Rezession zusteuere.

Nach den schmerzhaften Erfahrungen diesen Jahres hören Anleger derzeit eher den Skeptikern zu und positionieren sich entsprechend. Trotz leichtem Rücksetzer in dieser Woche kommt keine Kauflust auf, im Gegenteil, die Skepsis sowohl unter den Privatanlegern als auch bei der Profis steigt an.

Das ist eigentlich eine recht konstruktive Ausgangslage für eine Jahresendrallye. Die Skepsis ist so groß, dass fallende Kurse nicht zu einer sich verstärkenden Abwärtsbewegung führen. Im Gegenteil, aufgrund der noch vorhandenen Absicherungsgeschäfte dürften fallende Kurse schnell zu Käufen führen, die einen größeren Ausverkauf verhindern.

Doch es hat den Anschein, dass unsere Umfrageteilnehmer zu schnell auf die Seitwärtsbewegung reagiert haben: Die Investitionsquote ist hoch, über Cashreserven verfügen nur noch wenige. Es wurde also bereits in der Seitwärtsbewegung investiert und nun ist die Skepsis gerade deswegen so groß, weil man sich unsicher ist, ob das richtig war. Es ist ein Unterschied, ob die schlechte Laune der Anleger darauf zurückzuführen ist, dass sie bei der Rallye unterinvestiert sind (oder aus heutiger Sicht: waren), oder aber ob die schlechte Laune darauf zurückzuführen ist, dass man sich mit seiner hohen Investitionsquote nun extrem unsicher ist.

Beim Blick auf die niedrige Cashquote und hohe Investitionsquote fürchte ich, letztere Interpretation trifft die derzeitige Marktverfassung. Das bedeutet, dass der DAX durchaus gefährdet ist, in den nächsten Tagen ausverkauft zu werden. Fallende Kurse treffen daher gerade nicht auf dicke Absicherungspositionen, sondern auf eine verfrühte Investition der Anleger.

Gleichzeitig stehen eine Reihe von Ereignissen an: Die US-Notenbank tagt, der Ölpreis ist eingebrochen und vielleicht verdichten sich die Gerüchte über einen Deal zwischen Russland und dem Westen. Eine entsprechend positive Meldung würde dem DAX Beine machen, da dann insbesondere ausländische Investoren aufs Parkett treten.

So würde ich diese Woche die Sentimentdaten vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen als explosiv bezeichnen: Die Richtung kann ich Ihnen nicht vorhersagen, allerdings spricht vieles dafür, dass es eine heftigere Bewegung geben wird.

Gold uud Öl

Beim Gold ist die Stimmung nach der deutlichen Kurserholung der vergangenen Wochen überaus gut … zu gut. Ich hatte bereits mehrfach zu Goldkäufen geraten, jetzt gibt es keinen Grund zur Eile mehr. Als Anleger sollten wir erst einmal abwarten, bis sich die Feierlaune ein wenig abkühlt.

Ganz im Unterschied dazu ist die Stimmung am Ölmarkt am Boden. Sollte sich diese Geschichte in Luft auflösen, dürfte der Ölpreis nach oben schießen. Auch hier also haben wir eine extrem angespannte Situation, die zu einer explosiven Entladung in die eine oder andere Richtung führen kann.



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1 Kommentar

  1. Das P/C-Verhältnis wird immer als Dezimalzahl angegeben, 2,6% ist also was bitte?
    Am Freiteg war das P/C-Verhältnis im DAX 48202/24622, also 1,96. Größer 1 ist
    der Normalfall, < 1 eher die Ausnahme wie z.B. am 15.11: P/C 0,85 (77058/91057).

    Wer es bis zu einem Monat rückwirkend nachvolliehen will:

    https://www.eurex.com/ex-de/marktdaten/statistik/online-marktstatistiken

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