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Dax: Sentiment macht Hoffnung auf Jahresendrally

Dax Sentiment - Basis für Jahresendrally?

Der fulminante Kursanstieg vor zwei Wochen beim DAX wurde in der letzten Handelswoche konsolidiert. Das heißt, der DAX lief seitwärts. Keine Fortsetzung der Rally nach oben, aber auch keine Rückkehr zu den Tiefs der Vorvorwoche. Unterm Strich bleibt ein mageres Wochenplus.

DAX: So ist die Stimmungslage

So blieb die Stimmung auf dem Niveau der Vorwoche: 2,8. Die gute Laune der Anleger hält also an. Erwartungsfreude interpretierte ich vor einer Woche in diese Stimmung hinein: Die mehrmonatige Seitwärtsbewegung könnte sich schon bald in eine Fortsetzung der Impfstoffrally auflösen.

Auch die Selbstzufriedenheit ist weiter angestiegen. Mit einem Wert von 2,3 zeigen sich unsere Abstimmungsteilnehmer so selbstbewusst wie seit einem halben Jahr nicht mehr.

Die Zukunftserwartung für den DAX war vorige Woche auf den Extremwert von 5,2 gesprungen. Diese Woche ist dieser überbordende Optimismus auf ein verträgliches Niveau von 3,0 zurück gekommen. Wir haben eine lange Liste von Problemen: Inflationssorgen, Lieferkettenprobleme, ansteigende Coronazahlen, China-Spannungen, … da ist der Zukunftsoptimismus der Anleger schon bemerkenswert. Normalerweise steigen Aktienmärkte „an der Mauer der Angst“, Probleme sind also häufig die Voraussetzung für steigende Kurse. Die Lösung der Probleme markiert häufig das Top am Aktienmarkt. Die nach wie vor hohe Zuversicht der Anleger passt nicht ganz zu dieser Theorie.

Die Investitionsbereitschaft beim DAX ist ebenfalls leicht auf einen Wert von 2,1 zurück gegangen (Vorwoche 3,8). Ich würde sagen, Anlegern kommen erste Zweifel, ob dieses Aktienmarktniveau denn wirklich noch immer als günstig zu betrachten ist.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist leicht ins Minus gerutscht. Passend zu den oben erwähnten aufkeimenden Zweifeln wurden erste Absicherungen eingegangen, um die Kursgewinne zu sichern.

Das Put/Call-Verhältnis der CBOE hingegen zeigt Long-Spekulationen an den US-Börsen. Das passt zu den US-Fondsmanagern, die ihre Investitionsquote von 64% auf 98% hochgeschraubt haben.

Auch die US-Privatanleger strotzen wieder vor Optimismus. Das Bulle/Bär-Verhältnis ist auf 19% gesprungen und zeigt einen deutlichen Überhang der Bullen. Mit 46,9% sind deutlich mehr Bullen unterwegs als im vergangenen halben Jahr.

Der technische Angst und Gier Indikator (Fear&Greed-Index) des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 69% leichte Gier an. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den vergangenen Wochen, in denen die Angst dominierte.

Die Stimmung gegenüber dem DAX  – Interpretation

Das teilweise widersprüchliche Bild wird klarer, wenn wir die vorläufigen Ergebnisse meiner animusX-Umfrage für die Investitionsquote einbeziehen: Die ist um 14% auf 37% gefallen. Anleger haben die Kurse dieser Woche genutzt, um Positionen im DAX zu verkleinern. Die Cashquote ist leicht angestiegen, gleichzeitig ist aber auch die Shortquote ein wenig hoch gegangen. Das heißt, es gibt eine ganze Reihe von Anlegern, die in den aktuellen Kursen ein vorläufiges hoch sehen, ihre Gewinne eingesackt haben und mit einem kleinen Teil auf fallende Kurse spekulieren.

Gleichzeitig zeigt der 5-Wochendurchschnitt des Anlegersentiments einen ziemlich niedrigen Wert an. Dieser Wert hat sich in der Vergangenheit häufig als guter Indikator für steigende Kurse bewährt. Das muss nicht morgen losgehen, tendenziell jedoch ist diesen Sentimentdaten zufolge jedoch eher mit steigenden Kursen in den kommenden Wochen zu rechnen.

Mag sein, dass wir zwischenzeitlich nochmals einen kleinen Rückschlag sehen. Das wäre dann in meinen Augen eine letzte Kaufgelegenheit vor der Weihnachtsrallye beim DAX.

Am Zinsmarkt gibt es eine interessante Konstellation: Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt, die Erwartung hingegen ist extrem optimistisch für Anleihen. Anleger sind verunsichert durch die Entwicklung der vergangenen Tage: der Bund Future ist unter 170 gerutscht. Nachdem wir über Monate Werte zwischen 170 und 180 gesehen haben, droht nun die Rückkehr unter 160, was zu einem positiven Zinsniveau führen würde.

Im Mai hatten wir schon einmal eine ähnliche Konstellation. Damals drehte der Kurs des Bund Futures, es ging nochmals auf 177. Die Zinsen rutschten im Umkehrschluss über den Sommer wieder weiter ins Minus. Nun also der zweite Versuch, das Minuszinsumfeld zu verlassen. Die Investitionsquote ist niedrig, aber es besteht derzeit auch keine Investitionsbereitschaft auf diesem Markt.

In den kommenden Tagen entscheidet sich die Zinsentwicklung der kommenden Wochen. Die Sentimentanalyse deutet auf ein Scheitern, denn die negative Stimmung darf nach der gängigen Interpretation als Kontraindikator interpretiert werden, was zu Käufen führen würde, die den Bund Future nach oben und das Zinsniveau im Umkehrschluss wieder nach unten drücken würde.

Sollten Käufe hingegen ausbleiben und der Bund Future unter 167 rutschen, würde ein 35 Jahre alter Trend der rückläufigen Zinsen enden. Ich weiß nicht, ob wir einen solchen Trendwechsel aus unseren gerade einmal 17 Jahre zurückreichenden Sentimentdaten ablesen können.

Die Stimmung am Ölmarkt ist „off the charts“, die Euphorie ist größer denn je. Vorsicht hinsichtlich der Ölpreisentwicklung ist angeraten.

Auch beim Bitcoin, der diese Woche ein neues Allzeithoch erklommen hat, ist die Stimmung durch die Decke gegangen. Auch hier ist Vorsicht angebracht. Das letzte Mal, als die Stimmung so hoch stand, folgte eine mehrmonatige Korrektur.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.



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