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Heimische und internationale Anleger können den DAX nach oben drücken Dax Sentiment: Risiko besteht auf der Oberseite

Dax Risiko Oberseite

Der DAX ist letzte Woche leicht angestiegen. Nach dem Kurssprung der Vorwoche sieht diese Bewegung schon fast wie eine Seitwärtsbewegung aus: „…unsere Umfrageteilnehmer sind voll investiert. Weitere Kursimpulse im DAX können in den kommenden Tagen nur noch durch ausländische Investoren kommen…“ schrieb ich in der Sentiment-Analyse vor einer Woche.

Tatsächlich zeigt die monatliche Sentimentumfrage von Merrill Lynch genau das: Deutsche Aktien sind bei internationalen Anlegern beliebt, nachdem sich Biden und Xi auf dem G20 angenähert haben, Scholz einen China-Besuch absolvierte und die Angst vor einer schweren Rezession etwas abnimmt. Die Exportnation Deutschland profitiert wie kein anderes Land von diesen Entwicklungen und internationale Anleger wollen daran partizipieren.

DAX: Anleger haben Gewinne mitgenommen

Die heimischen Anleger haben in das Kursfeuerwerk hinein ihre Depotbestände reduziert, Gewinne mitgenommen oder Positionen, die bereits das ganze Jahr unter Wasser waren, mit erträglichem Verlust rausgeworfen. Zumindest zeigt mein animusX-Indikator einen starken Rückgang der Investitionsquote beim DAX in dieser Woche an.

Das Anlegersentiment ist nach einem Jahreshöchstwert von 4,7% in der Vorwoche auf 2,3% zurück gefallen. Trotz steigender Kurse beim DAX ist die Laune schlechter geworden. Viele Anleger scheinen sich zu fragen, ob sie zu früh verkauft haben.

Immerhin ist die Verunsicherung, die seit der zweiten Woche dieses Jahres ununterbrochen bestand, diese Woche erstmals verschwunden. Der Wert von +0,6% deutet zwar noch nicht auf eine nennenswerte Selbstzufriedenheit, dennoch ist der erstmals positive Wert bemerkenswert.

Für die kommenden Monate sind sich Anleger uneins, wie es weitergehen beim DAX könnte. Die Zukunftserwartung von +0,1% zeigt ein Gleichgewicht zwischen Bullen und Bären.

Nachdem diese Woche also Positionen versilbert wurden, kommen erste Zweifel auf, ob dies zu früh war. Denn die Investitionsbereitschaft ist auf +2,9% angesprungen (Vorwoche +1,6%). Offensichtlich warten viele Anleger nun auf eine Gelegenheit, ihre frischen Cashreserven wieder in den Markt zu geben.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf -15 gefallen. So stark wurden Absicherungen zuletzt im August nachgefragt, es folgt nach der Sommererholung ein Ausverkauf im DAX von 13.800 auf 12.100 Punkte, -12%. Davor müssen wir bis zum April 2021 zurückgehen, um einen vergleichbar negativen Wert im Euwax-Sentiment zu finden. Damals war der DAX über 15.200 Punkte gesprungen und lief dann bis zum November seitwärts, bevor der Bärenmarkt begann, der uns im gesamten Jahr 2022 in Atem hielt.

Daraus können wir nun vielleicht ablesen, dass die Kurse beim DAX nicht mehr so leicht weiter nach oben laufen könnten. Doch das Timing für einen Ausverkauf lässt sich leider nicht ableiten.

Das Put/Call-Verhältnis der Eurex, über die sich die institutionellen Anleger absichern, ist auf 2,0 gestiegen und zeigt ebenfalls starke Absicherungskäufe (Put-Käufe) an.

Das Put/Call-Verhältnis der CBOE hingegen ist rückläufig, zeigt also einen zunehmenden Risikoappetit der US-Anleger an. Dies spiegelt sich auch in der Investitionsquote der US-Fondsanleger wider, die auf 65% und damit den höchsten Wert seit August gestiegen ist.

Die Bulle/Bär-Rate ist auf 7% gestiegen. 40% Bären stehen 33% Bullen gegenüber. Auffällig ist der niedrige Anteil der neutral eingestellten Anleger (26%). Es hat den Anschein, jeder habe eine feste Meinung. Die Polarisierung ist groß, was normalerweise als Zündstoff für eine heftige Bewegung in die eine oder andere Richtung gesehen werden kann.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 62% moderate Gier an.

Interpretation der Dax-Stimmung

Heimische und internationale Anleger können den DAX im Tandem nach oben drücken. Diese Woche hat der heimische Investor mal eine Pause eingelegt, doch die Fahrt gen Norden setzte sich durch die internationalen Anleger fort. Der Umstand, dass diese Woche insbesondere die internationalen Anleger aktiv waren, ist übrigens auch an der Wechselkursentwicklung ablesbar: Der Euro hat diese Woche gegenüber dem US-Dollar um 0,7% zugelegt.

Nun haben wir wieder einige heimische Anleger, die ihren Cashbestand hochgefahren haben und auf Gelegenheiten warten. Gelegenheiten könnten sich ergeben, wenn einzelne Aktien ausverkauft werden, während andere steigen. Diese Woche sind ja überwiegend sowohl die Aktien einiger Versorger als auch einige Rohstoffunternehmen gefallen. Wer noch immer Angst vor einer Rezession hat, der kann dort nun zugreifen.

Internationale Anleger haben insbesondere die Aktien der internationalen Unternehmen nach oben getrieben: Siemens, MTU Aero und Infineon.

Mag sein, dass der nächste Anstieg beim DAX durch heimische Anleger getrieben wird, die Versorger kaufen, während internationale Anleger sich erst einmal zurücklehnen. Aber das ist Spekulation, die hier nichts zu suchen hat. Hier zeigen wir im Rahmen der Sentimentanalyse, dass eine Korrektur, so sie denn eintreten sollte, frühzeitig von heimischen Anlegern gekauft werden dürfte. Der DAX ist nach unten also derzeit gut abgesichert. Und das nach nur einer Woche „Seitwärtskonsolidierung“.

Ich bleibe also bei meiner Aussage von vor zwei Wochen: Das Risiko liegt auf der Oberseite. Wenn es wider Erwarten nicht mehr zu einem Rücksetzer kommt, laufen viele Anleger den Kursen hinterher. Man sieht die Aktien, die man eigentlich kaufen wollte, immer höher steigen, ohne dass man davon profitiert. Irgendwann werden diese Anleger dann zugreifen und für einen weiteren Aufwärtsdruck sorgen.

Negative Meldungen können jederzeit das gesamte Bild auf den Kopf stellen. Doch aktuell wird schon eine sehr negative Meldung benötigt, um den DAX einbrechen zu lassen. Auf der anderen Seite reichen moderat positive Meldungen, um den DAX weiter steigen zu lassen.

 



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