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Dax Sentiment: Stimmungstief aus Coronacrash greifbar nah

Privatanleger optimistisch - Profi-Investoren erwarten neuen Abverkauf

Sentiment Dax Coronacrash

Nach schwachem Wochenauftakt und neuem Korrekturtief am Dienstag vollzogen der Dax und andere Aktienmärkte eine Kehrtwende. Technologiewerte führen in den USA die Rally an, gefolgt von der Kommunikationsbranche und dem Einzelhandel. In Deutschland liegt der Einzelhandel vorn (+1,8%), gefolgt von der Autobranche (+1,3%) und Industrieaktien (+0,9%). Die größten Verlustträger der vergangenen Monaten springen am heftigsten an.

Dax: Stimmung 27 Wochen in Folge negativ

Das Anlegersentiment ist von -7,3 in der Vorwoche auf -3,9 angesprungen. Damit ist die Stimmung in der 27. Woche in Folge negativ, die mit Abstand längste Phase negativer Stimmungswerte. Doch die Kursgewinne der zweiten Wochenhälfte haben geholfen, die strapazierten Nerven der Anleger ein wenig zu beruhigen.

Auch die Verunsicherung gegenüber dem Dax ist daher zurückgegangen. Unser diesbezügliche Sentiemntwert steigt von -7,7 in der Vorwoche auf nur noch -3,5 in der aktuellen Messung an. Anleger sind noch immer unsicher, ob wir nun den Boden der Baisse gesehen haben, oder aber nur mit einer kurzzeitigen Zwischenerholung rechnen müssen.

Wenn wir die Erwartung anschauen, dann sieht es ähnlich düster aus wie in den vergangenen Monaten. Der Wert von -0,7 zeigt, dass die Bären noch immer dominieren.

Trotzdem ist die Investitionsbereitschaft unter unseren Umfrageteilnehmern von 2,0 auf 2,3 angestiegen. Offensichtlich versuchen einige Anleger, jetzt noch auf die angelaufene Erholung beim Dax aufzuspringen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt mit einem Wert von +8 weiterhin eine große Risikobereitschaft an. Seit Anfang Juni hat sich die Positionierung der Privatanleger von stark defensiv (-10) auf stark offensiv gedreht.

Völlig anders verhalten sich institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 2,6 angesprungen und zeigt eine starke Nachfrage nach Put-Absicherungen an.

In den USA ist dieser Unterschied nicht sichtbar, das Put/Call-Verhältnis der CBOE notiert nahe dem Durchschnitt der vergangenen Monate.

US-Fondsanleger bleiben jedoch sehr defensiv, die Investitionsquote von nur 28% zeigt weiterhin einen hohen Cashbestand an, mit dem Fondsmanager die turbulenten Zeiten durchstehen wollen. Normalerweise sind über 60%, durchschnittlich rund 80% der Fondsgelder investiert.

Das Put/Call-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit -33% weiterhin eine sehr große Dominanz der Pessimisten. 53% Bären stehen nur 19% Bullen gegenüber. Es ist das gegenteilige Bild zu den Eurex-Zahlen in Deutschland.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 notiert mit 29% im Bereich der Angst, ab 25% wird extreme Angst signalisiert.

Interpretation des Sentiments

Ein weiteres Superlativ ist in greifbare Nähe gerückt: Der 5-Wochendurchschnitt unseres Sentiments gegenüber dem Dax ist auf -30 gefallen. Das ist der zweitniedrigste Wert, den wir seit 2014 gemessen haben. Lediglich im Coronacrash erreichte dieser Indikator einmal -32:

Dax Sentiment Coronacrash

Nachdem in den vergangenen Monaten die „Beweise“ für den Crash nur sukzessive ans Tageslicht kamen, so scheint nun auch jegliche Hoffnung auf Besserung zerstört. Die Notenbanken werden die Inflation nicht in den Griff bekommen, für den Krieg in der Ukraine gibt es keine zufriedenstellend Lösungsmöglichkeit und China ist mit seiner Lockdown-Politik völlig unberechenbar.

Während also Angst und Panik über Wochen regierte, scheint nun auch jegliche Hoffnung verloren zu sein. Aus Sicht der Sentiment-Analyse ist das ein Zeichen dafür, dass inzwischen alle verkauft haben, die über Monate Zweifel hatten. Die Erholungsrally beim Dax, die wir diese Woche sehen, findet daher nicht durch überzeugte Käufer statt, sondern einfach nur deshalb, weil es niemanden mehr gibt, der noch verkauft.

Dazu passt das niedrige Handelsvolumen, dass jedoch für die aktuelle Jahreszeit nicht untypisch ist.

Doch Vorsicht bleibt angeraten. Der hohe Cashbestand der Teilnehmer unserer animusX-Umfrage wurde in den vergangenen Tagen drastisch reduziert, Privatanleger haben ihre Investitionsquote bereits deutlich erhöht. Selten gehen die Daten von Privatanlegern und institutionellen Anlegern so weit auseinander. Während Private auf steigende Kurse beim Dax wetten, rüsten sich die Profis schon wieder für den nächsten Ausverkauf.

Die Meinungsverschiedenheit kann meiner Einschätzung nach nur durch realwirtschaftliche Entwicklungen aufgelöst werden: Entweder es zeigen sich schon bald positive Entwicklungen in den drei oben genannten Krisenherden. Dann stehen institutionelle Anleger unter Zugzwang und müssen ihre Leerpositionen eindecken und sich long positionieren. Sie würden dann die angelaufene Rally befeuern. Ohne realwirtschaftlich positive Entwicklungen dürfte die Rallye auslaufen und Privatanleger werden dann erneut auf dem falschen Fuß erwischt, wenn sie nicht rechtzeitig ihre Long-Spekulationen bei Dax-Werten auflösen.

Ein Kaufsignal haben wir aus Sicht der Sentimentanalyse daher leider noch nicht. Es bleibt ratsam, kleine Schritte zu machen: In die Rally hinein haben Sie also nochmals die Chance, Positionen, die für die neue Börsenwelt nicht mehr passen, zu verkaufen. So können Sie im Falle eines erneuten Abrutschen andere Aktien, die von den Krisenherden weniger stark betroffen sind, einsammeln.

Wechselkurs US-Dollar – Euro

Der Euro hat diese Woche gegenüber dem US-Dollar den tiefsten Stand seit 2002, also seit Markteinführung, erzielt. Während die USA bereits das Zinsniveau in mehreren Schritten deutlich angehoben haben, zögert die EZB noch immer. Die Parität ist in Sicht.

Die Stimmung am Devisenmarkt ist extrem schlecht, wie anders nicht zu erwarten. Doch wir haben auch für das Wechselkurspaar Euro/US-Dollar einen 5-Wochendurchschnitt. Und der ist zwar auf einem sehr negativen Niveau, doch noch lange nicht auf einem Niveau, das den Negativ-Rekord im Wechselkurs widerspiegeln würde.

Die Investitionsbereitschaft in den Euro ist gering. Erst zu Kursen um die Parität gibt es Anleger, die zugreifen wollen. Doch diese Unterstützung ist im Vergleich zur Vorwoche von 1,05 USD/EUR auf 1,00 USD/EUR gerutscht. Es ist nicht auszuschließen, dass beim Unterschreiten der Standardsatz formiert wird: „Bei Erreichen streichen“.

Gold, Öl und Bitcoin

Am Goldmarkt sieht es anders aus: die Stimmung ist hier bereits so extrem negativ, dass ein Boden näher scheint als im Wechselkurspaar. Außerdem ist die Erwartungshaltung an das Gold deutlich positiv, so dass Anleger wohl nur auf einen Grund warten, um zuzugreifen.

Beim Öl sieht es wieder ganz anders aus: Obwohl der Ölpreis auf hohem Niveau lediglich ein wenig konsolidiert hat, ist die Stimmung binnen kürzester Zeit auf ein extrem negatives Niveau eingebrochen. Und auch für die Zukunft wird nichts Gutes erwartet, Pessimisten dominieren das Parkett der Ölhändler.

Die Stimmung zum Bitcoin war in den Vorwochen auf extrem negativem Niveau. Nach 15% Kursgewinn in den vergangenen Tagen ist auch die Stimmung deutlich angesprungen. Trotz des Kurssprungs ist die Zukunftserwartung jedoch noch neutral, Bullen und Bären halten sich die Waage. Die Rallye, sei es auch nur eine Zwischenerholung, hat also noch Luft nach oben.



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