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Dax Sentiment: Verunsicherte Anleger warten auf Jahresendrallye

Dax Sentiment zum Jahresende

Der DAX vollzog letzte Woche starke Schwankungen: Nach der Straffung der Geldpolitik in den USA sprang der DAX nach oben. Das Festhalten an der lockeren Geldpolitik durch die EZB hingegen führte sodann zu einem Ausverkauf, der den DAX auf das Niveau von vor der US-Zinsentscheidung zurückführt.

Dax: die Entwicklung der Sentimentindikatoren

Auf den ersten Blick sind beide Reaktionen des DAX widersprüchlich, doch ich erspare mir hier die Interpretation der Reaktion, sondern schaue stattdessen auf die Entwicklung unserer Sentimentindikatoren.

Die Anlegerstimmung hat unter der hohen Volatilität gelitten und ist leicht ins Minus gerutscht (-0,2). Stärker noch hat die Verunsicherung unter den Anlegern zugenommen. Die Selbstgefälligkeit ist von -0,7 in der Vorwoche auf nunmehr -2,7 gerutscht. Vielleicht spiegelt sich in dieser Verunsicherung ein wenig die widersprüchliche Reaktion der Aktienmärkte auf die Notenbankentscheidungen wider.

Die Zukunftserwartung ist nach drei starken Wochen nunmehr leicht auf nur noch 1,9 zurück gegangen. Wir können daraus ableiten, dass sich die Verunsicherung der Anleger auch auf die Erwartung an die künftige Entwicklung auswirkt. Es gibt deutlich weniger Bullen als noch vor einer Woche.

Entsprechend sinkt auch die Investitionsbereitschaft im DAX um 1,7 %punkte auf 0,9 ab. Ich würde sagen: Anleger verabschieden sich in die Weihnachtsferien.

Das Euwax-Sentiment ist leicht angestiegen und zeigt einen durchaus angestiegenen Risikoappetit der Privatanleger. Der Wert von 6 zeigt an, dass Anleger verstärkt auf steigende Kurse spekulieren und Absicherungen vernachlässigen.

Eine überraschende Kehrtwende lässt sich beim Put/Call-Verhältnis der CBOE beobachten. Nachdem die vergangenen Monate stets die Call-Optionen historisch hoch lagen, Anleger also auf steigende Kurse spekulierten, stieg der Kauf von Put-Absicherungen diese Woche stark an.

US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote noch weiter gesenkt. Nach 69% in der Vorwoche sind nun nur noch 52% der Mittel investiert. Hohe Cashbestände zum Jahreswechsel sind nicht hat gerade typisch für Fondsmanager. Sollte ein weiterer Rücksetzer nun ausbleiben, geraten Fondsmanager in Zugzwang.

Bei den US-Privatanlegern dominieren die Bären (-14%), eine seltene Begebenheit. Im laufenden Jahr hatten wir nur Ende September und Ende November mal kurzzeitig einen Bärenüberhang.

Interpretation der Stimmung gegenüber dem DAX

Eigentlich recht konstruktiv, die Anlegerstimmung, oder? Okay, der Rückgang der Zukunftserwartung gegenüber dem DAX ist zumindest kurzfristig nicht so erfrischend. Aber der Stimmungseinbruch und die hohe Verunsicherung zeigt, dass der Überschwank von Ende November vollständig auskuriert ist.

Mag sein, dass es noch ein paar Tage dauert, bis der Zukunftsoptimismus wieder ansteigt und somit die Investitionsbereitschaft für neue Aktienkäufe erzeugt. Aber zumindest ist auf Basis der aktuellen Sentimentdaten kein Crash zu befürchten.

Vielmehr ist es eine gesunde Verschnaufpause, die von der bei allen beliebten Weihnachts- und Jahresendrallye abgelöst werden könnte.

Besonders auffällig ist diese Woche das Sentiment auf dem Währungsmarkt. Der Euro ist unbeliebt, die Stimmung ist an der Schwelle zu Weltuntergangsstimmung. Die Zukunftserwartung für den Euro ist auf einen Extrempunkt gefallen. Wenn beide Indikatoren parallel laufen, könnte die dominierende Bewegung (Ausverkauf des Euros gegenüber dem US-Dollar) noch ein wenig anhalten. Irgendwann könnte der Ausverkauf auslaufen, vom Anschluss würde der Wechselkurs bei geringem Handelsvolumen ansteigen. Diesem Punkt sind wir bereits sehr nah.

Fundamental betrachtet ist der Ausverkauf wenig überraschend: Während die US-Notenbank eine beschleunigte Straffung der Geldpolitik vornimmt, bleibt die EZB bei ihrer lockeren Haltung und ignoriert den Inflationsdruck. Wer eine stabile Währung sucht, der muss derzeit den US-Dollar dem Euro vorziehen.

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4 Kommentare

  1. Die von mir an der Börse meist gehassten Begriffe lauten: Weihnachts- und Jahresendrallye. Die Begriffe suggerieren nämlich, dass jeder Idiot am Jahresende gewinnt. Nach dem heutige Kursrutsch denke ich aber, dass der deutsche Michl die Hosen gestrichen voll hat.

  2. Komisch Herr Zimmermann, sind denn nicht sie der immer nur steigende Börsen proklamierte und die Bären oft verhöhnte?
    Jetzt sollen andere Rallygläubiger plötzlich Idioten sein.Laut Stastik gibt es in 7 von 10 Jahren diese Rally.Jetzt gibt es tausend Gründe,dass 2021 eher in die Statistik der Nichtrallys eingeht.
    Wie sagte doch ein bekannter Philosoph, ES GEHT SOLANGE GUT BIS ES NICHT MEHR GUT GEHT!

  3. Vielleicht spielt die böse neue Muh- Tante auch eine Rolle, aber Herr Heibel hat ja die Pandemie schon vor einem Monat als beendet erklärt? Die Börse kann man immer schönreden, bei der Pandemie kann man die Realität nicht wegzaubern.

    1. Ich betrachte die „Pandemie“, betrachtet durch die Börsenbrille noch immer als beendet. Die Börse hat inzwischen Kontaktbeschränkungen, Lockdowns etc. durchgespielt und wird im entsprechenden Fall kurz umschichten, dann geht’s weiter. Ähnlich sieht es in der Wirtschaft aus. Die breiten Indizes werden meiner Einschätzung nach nicht mehr wegen Corona einbrechen, das heißt: Wegen Corona wird der DAX nicht mehr unter 14.800 Punkte sacken.

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