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Dax: Sind die Kursanstiege berechtigt? Fazit zur Bilanzsaison

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Sind die Kursanstiege des Dax seit dem Corona-Crash wirklich berechtigt?

Vor zwei Wochen machten die Konjunkturzahlen zum zweiten Quartal die Runde. Auch für Deutschland mit dem Rekordeinbruch von minus 10,1 Prozent auf Quartalssicht. Jetzt konnte man auch einen Überblick erhalten über die zugrunde liegenden Gewinneinbrüche der Unternehmen aus unserem Leitindex Dax 30.

Dax: Ein Gewinneinbruch von 45 Prozent

Die Zahlen der Umsätze und Gewinne für das Frühjahrsquartal sehen schrecklich aus, sind aber andererseits auch nicht anders zu erwarten gewesen –  nach einem April, an dem Millionen Deutsche zuhause in Quarantäne saßen. Der Umsatz für Q2 betrug bei den Unternehmen aus dem Dax liegt nach Berechnungen des Handelsblatts bei 283 Milliarden Euro, 13 Prozent weniger als im Vorjahr und dem Stand von 2014 entsprechend. Deutlich stärker fielen die Gewinne: denn vor Steuern, Zinsen und Rückstellungen betrugen diese nur 12,4 Milliarden Euro, ein sattes Minus von 45,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Verlierer und Gewinner

Aufgeschlüsselt bedeutet dies rote Zahlen für sieben der 30 Unternehmen, soviel wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. An der Spitze der Verlierer stand das umsatzstärkste Unternehmen Deutschlands, Volkswagen (Umsatz 252 Milliarden Euro in 2019), die Gewinnerliste führt die Deutsche Telekom an. Interessanterweise konnten 11 Unternehmen ihre Gewinne im Vergleich zu 2019 sogar steigern.

Am auffälligsten war der Verlust von VW mit minus 2,4 Milliarden Euro, gefolgt von Daimler (-1,753 Mrd), Continental (-830 Mio), BMW (-666 Mio) und Adidas (-333 Mio).

Bei den Gewinnern lag die Deutsche Telekom vorne mit einem Gewinnanstieg gegenüber Q2 (2019) von 31,4 Prozent auf 3,087 Milliarden Euro, SAP mit einen Plus von 55,3 Prozent auf 1,284 Milliarden Euro und FMC mit plus 30,7 Prozent und die Deutsche Post mit plus 29,2 Prozent.

Die Wende am Aktienmarkt

Es wurde schon öfters darüber geschrieben, muss aber im Zusammenhang mit den Bilanzen der Unternehmen noch einmal erwähnt werden: Minus 40 Prozent im Februar/März und dann 50 Prozent plus von Ende März bis Anfang Juni – die Entwicklung des Aktienmarktes, ein fast mustergültiges V, bei 64 Prozent wäre es vollendet. Dass der Aktienmarkt, dass auch der Dax vorausläuft, ist quasi systemimmanent, die Frage ist nur, ob der Markt eine Entwicklung aus einer Rezession heraus nicht übertrieben abgebildet hat.

Asien hat angezogen, können wir folgen?

China ist dem Rest der Welt einen ziemlichen Schritt voraus, schließlich fand der Lockdown bereits im ersten Quartal statt und das Bruttoinlandsprodukt erholte sich im Q2 bereits mit über 3 Prozent. Deshalb profitieren einige deutsche Exportwerte vor allem von der dortigen Entwicklung, während es in Europa und vor allen Dingen in den USA noch sehr viel trüber aussieht.

Der in Nordamerika erwirtschaftete Umsatz schrumpfte um 17 Prozent, in Europa lag das Minus sogar bei 24 Prozent. In Asien, wo die Erholung und das Wiederhochfahren der Wirtschaft schon im Mai Fahrt aufnahm, betrug das Umsatzminus hingegen nur vier Prozent, so eine Analyse von Ernst & Young.

Die Konjunkturindikatoren

Die positive Entwicklung im Reich der Mitte ist auch ein bisschen an unseren Frühindikatoren abzulesen. Seit Juni legt der Auftragseingang für die deutsche Industrie kräftig zu und ist bis auf elf Prozent an das Vorkrisenniveau vom Februar geklettert und auch die Exporte stiegen im Juni bereits den zweiten Monat in Folge. Dass dies tatsächlich mit China zu tun hat, sieht man an den Ausfuhren, die über acht Milliarden Euro ausmachten und damit um 15 Prozent über dem Niveau des Vorjahres lagen. Wird China doch wie nach 2009 wieder für eine Erholung des Welthandels sorgen?

Ausblicke der Unternehmen

Hatten sich zu Beginn der Pandemie noch viele Unternehmen geweigert, analog zu den USA, einen Ausblick für ihre Geschäfte zu geben, so hat sich dies deutlich geändert: die Konzernchefs blicken optimistischer in die Zukunft. Sie geben auch bereits wieder konkrete Umsatz- und Gewinnaussichten bekannt.

Sowohl Infineon, RWE, als auch die Deutsche Telekom haben bereits ihre Jahresprognosen angehoben. Gab es im Frühjahr reihenweise Abstufungen, so hat sich die Lage bei den meisten Konzernen aus dem Dax durchaus gewandelt. Dazu ein Analyst der Commerzbank:

„Anders als von uns erwartet, stabilisieren sich die Gewinnerwartungen.“

Hier einige zuversichtliche Aussichten von Konzernen aus dem Dax:

  • Merck mit einer Anhebung der Jahresprognose, Infineon mit einer Anhebung der Umsatzerwartungen, wie RWE, selbst Adidas, die Firma, die bereits früh Staatshilfe beantragt hatte, sieht bereits wieder ein Ergebnis von über 600 Millionen Euro in Q3. Von dem bewilligten Kreditrahmen bei der staatlichen KfW. in Höhe von drei Milliarden Euro hat der Konzern bislang erst 500 Millionen Euro genutzt. Nachdem im Lockdown zeitweise 70 Prozent aller Geschäfte weltweit wegen der Pandemie geschlossen waren, sind nun über 90 Prozent wieder geöffnet.
  • Selbst der gebeutelte Autozulieferer Continental sieht nach einem operativen Verlust in Q2 von 800 Millionen Euro bereits im laufenden Quartal wieder ein positives Ergebnis.
  • Optimistischere Töne kommen auch von BMW-Vorstandschef Oliver Zipse, der vor einem klaren Lichtblick im Monat Juli sprach. Die Umsätze lägen deutlich über Vorjahr, vor allem in China laufe es inzwischen wieder gut.

Und es gibt natürlich auch Profiteure der Krise. Dazu zählt die Deutsche Post, die vor allem wegen des großen Paketgeschäfts den Gewinn vor Steuern und Zinsen in Höhe von 943 Millionen Euro erreichen konnte. Nicht zu vergessen der Software-Riese SAP. Der Anstieg des Gewinns in Q2 um über die Hälfte ließ den Börsenwert auf 170 Milliarden Euro steigen. Ein Big Player im Softwaregeschäft, aber als Tech-Gigant ein bisschen allein auf weiter Flur.

Fazit

Das Schlimmste ist zweifelsohne vorbei, nach dem Komplettstillstand im April. Die Frage ist nur, wie lange es dauern wird, bis die Wirtschaft die bereits eingepreisten Erwartungen erfüllen kann. Das große Problem ist und bleibt Corona. Die Vorstellung einer rascher Ausrottung des Virus dürfte bereits erledigt sein, selbst eine Insellage und extreme Maßnahmen können in einer globalisierten Welt mit grenzüberschreitendem Waren- und Urlaubsverkehr nicht dafür sorgen. Wie man am Beispiel Neuseeland sieht, wo man wochenlang keine Infizierte mehr hatte. Ein infizierter Grenzgänger lässt das Ganze wieder aufflammen – überspitzt formuliert. Wir werden noch eine zeitlang mit der Pandemie leben müssen, mit ihren vielen kleinen und größeren Angriffen.

Für die Aktienmärkte und den Dax könnte das zu einer Schaukelbewegung führen: Hier die Beeinträchtigung der Wirtschaft durch Covid-19, dort das viele Geld und die fehlenden Renditechancen. Die Insider trauen dem Braten nicht und sehen, dass es schwer werden könnte das Niveau zu halten oder gar größere Steigerungen zu bekommen. Nichts anderes sagt eigentlich auch die Entwicklung des Dax seit der ersten Juniwoche aus..

Die Bilanz der Konzerne aus dem Dax in der Coronakrise

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