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Dax: Starke Stimmungsschwankungen durch GameStop

Um 4,5% ist der DAX in dieser Woche angesprungen - der "Aufstand der Massen" mit den Turbulenzen um GameStop aber war ein Strum im Wasserglas

Um 4,5% ist der DAX in dieser Woche angesprungen: Vor einer Woche habe ich den Sentimentdaten entnommen, dass die Korrektur wegen den Turbulenzen um GameStop noch nicht beendet sein dürfte. Nun, die Entwicklung dieser Woche steht dieser Interpretation entgegen. Was ist passiert?

Ich war davon ausgegangen, dass die „Massen“ mit den Kurskapriolen bei GameStop den Hedgefonds das Fürchten gelehrt haben, und dass daher Cash generiert werden würde (Aktien verkauft), um gegen weitere Turbulenzen gewappnet zu sein. Mag sein, dass dies vor dem Hintergrund der aktuell steigenden Kurse passiert. Doch grundsätzlich scheint die Angst vor der „Masse“ seitens der Finanzprofis überschaubar zu sein. Es gibt keine zweite Gamestop Aktie und so völlig unvermittelt wurde der Short Squeeze nun doch nicht losgetreten, es gab ganz besondere Rahmenbedingungen dazu.

Nun zeichnet sich in den USA ab, dass das Konjunkturpaket von US-Präsident Joe Biden mit einem Volumen von 1,9 Billionen USD doch am oberen Ende der Erwartungen umgesetzt werden kann. Das treibt die Konjunkturhoffnung und somit auch die Aktienmärkte.

Anleger haben die Furcht der Vorwoche in Rekordzeit abgeworfen. Das Anlegersentiment ist auf 4,1 gesprungen. Nach -2,8 in der Vorwoche ist das einer der größeren Stimmungssprünge.

Mit dem Selbstvertrauen sieht es ähnlich aus: Nach -3,8 als Zeichen der absoluten Verunsicherung in der Vorwoche ist dieser Wert nun auf +2,6 angesprungen. Als hätten die Anleger den Kurssturz der Vorwoche als Anomalie abgetan.

Die Erwartung an weitere Kursgewinne des DAX ist jedoch in Folge des heftigen Kurssprungs von 4,1 auf 2,3 zurück gegangen – dennoch bleibt die Investitionsbereitschaft mit 1,6 auf einem moderaten Niveau, wie in der Vorwoche.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt mit einem Wert von 2 moderaten Optimismus an. Das hört sich nicht nach viel an, doch es ist einer der optimistischsten Werte seit dem Coronacrash vor einem Jahr.

Das Put/Call-Verhältnis der US-Anleger notiert weiterhin auf einem niedrigen Niveau, zeigt also ebenfalls eine bullische Positionierung der US-Optionshändler an.

US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote von 83% auf 79% leicht zurückgefahren. Wirklich Kasse gemacht wurde bereits in der Vorwoche, diese Woche folgten nur noch ein paar Feinjustierungen.

Der Optimismus der US-Privatanleger schwindet jedoch, das Bulle/Bär-Verhältnis ist nach drei bullischen Monaten nunmehr erstmals wieder neutral. Dies zeigt auch der AAII Sentimentindex an, der 37,4% bullische und 35,6% bärische Anleger misst.

Der technische Angst & Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 60% eine neutrale Verfassung an.

Dax: Die aktuellle Stimmung – Interpretation

Tja, da war die Korrektur beim DAX schneller vorbei, als viele reagieren konnten. Der Aufstand der Massen im Fall von GameStop könnte sich als Sturm im Wasserglas herausstellen. Es dominieren nun schon wieder die positiven Entwicklungen an den Märkten: Positive Quartalszahlen von einer ganzen Reihe von Unternehmen durch alle Branchen haben Einzeltitel stark nach oben befördert. Gleichzeitig winkt ein gigantisches Konjunkturprogramm in den USA.

Der Schock des verschleppten Impfstarts in Europa ist offensichtlich verarbeitet. Was machen schon ein paar Monate, wenn doch zumindest ein Ende in Sicht ist. Ohnehin haben sich die meisten Großkonzerne schon längst auf die Einschränkungen eingestellt.

Somit sieht es derzeit wieder recht rosig aus an den Aktienmärkten. Neue Allzeithochs können schon in der kommenden Woche in Angriff genommen werden. Und danach kann es sogar noch weiter gehen. Einziger Wermutstropfen bleibt jedoch die viel zu schnelle Korrektur der Vorwoche: Da fehlt weiterhin noch was.

Das heißt, wenn der Rallye die Luft ausgehen sollte, dann könnte die nun zu erwartende Verschnaufpause schnell zu einer heftigen Korrektur werden. Leerpositionen, die bei leichten Kursverlusten mit Gewinn eingedeckt würden, und somit einen Boden einziehen würden, gibt es nach der Gamestop-Erfahrung nun weniger. Käufer, die bei einem Stand beim DAX um 13.500 Punkte zugreifen wollten, haben dies in der vergangenen Woche getan. Somit gibt es wenig Halt, wenn die Kurse mal gen Süden drehen.

Tendenziell ist die Ausgangslage jedoch wieder sehr bullisch und ich würde mich für steigende Kurse positionieren, wenngleich ich meine Absicherung derzeit sehr eng wählen würde.

Starke Stimmungsschwankungen beim Dax wegen GameStop



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2 Kommentare

  1. Guter Titel zum Gamestop-Märchen eines Finanzjournalisten.
    DIE GROSSEN MACHEN KASSE MIT DER REVOLUTION DER KLEINEN.So sei Morgan Stanley als Käufer einer der grossen Gewinner, sowie mindestens ein Hedgefonds ,der rund 700 Mia. Dollar verdient haben soll.Der ganze Spuk dauerte etwa 10 Tage, wie lange kann Tesla noch die ganze Finanzwelt zum Narren halten? Robin Hooder und Hedgefonds der Welt vereinigt euch und holt den Tesla-Beschiss herunter.
    Musk soll ins Kittchen bevor er auf den Mars flüchtet.Zudem lebt Elon langsam gefährlich. Wenn er mit seinen zweideutigen Twittersprüchen die Kryptowährungen hypt könnten etwaige Verlierer böse werden auf den Guru.

  2. Erstaunlich, gemäss Zeitungsbericht war Keith Gill, der Strippenzieher des Gamestop Spiels inmitten des Hypes hauptberuflich bei einer Versicherungsfirma angestellt „als Ausbildner für vernünftigen Umgang mit Geld“ ? ? Sein Arbeitgeber wusste nichts von Gills Auftritten als Roaring Kitty.Im Land def unbegrenzten Möglichkeiten ist Alles möglich.
    Das dauert noch solange die bestohlene Unterschicht die Geldräuber als Helden feiert.
    In einem Land mit soviel Waffen und immer mehr Umverteilung ist es zum Bürgerkrieg nicht mehr weit.Der nächste Aufstand müsste gegen Gesamtwallstreet und nicht gegen einige kleine Mitspieler des Betrugscasinos passieren.

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