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Dax-Stimmung: Auf dem falschen Fuß erwischt!

Die Euphorie der Optimisten ist nach dem Kursrückgang beim Dax leicht eingetrübt - aber die Masse sitzt nach wie vor auf Long-Positionen und hofft auf die Wende..

FMW-Redaktion

Bekanntlich ändert sich ja nichts so schnell wie die Lage! Und offenkundig hat sich mit den deutlich gestiegenen Sieg-Chancen Trumps bei den US-Wahlen die Lage verändert – und jetzt stellt sich die Frage, ob die geneigten Investoren darauf auch adäquat reagiert haben. Denn wenn uns nicht alles täuscht, steht der Dax derzeit eine gute Etage tiefer als noch in der Vorwoche – und in der Vorwoche war die Stimmung unter den Dax-Investoren, sowohl bei Profis als auch bei Privatanlegern, reichlich euphorisch.

Hat man jetzt umgedacht? Die klare Antwort ist: Jein! Ja insofern, als der heiß gelaufen Optimismus etwas abgekühlt ist. Nein insofern, als der Optimismus vergleichsweise immer noch sehr hoch ist! Nämlich bei Profis wie bei den Privaten gleichermaßen bei 57%, wie die neueste Umfrage der Deutschen Börse zeigt. Damit sind bei den Profis 7%, bei den Privaten 8% aus dem Bullen-Lager geflüchtet, aber mehr als die Hälfte sind noch optimistisch, und das heißt im Zweifel: noch long investiert!

Die übeschaubaren Verluste des Bullen-Lagers verteilen sich etwa gleichmäßig auf die zuvor doch arg verwaisten Lager der Bären und der Neutralen. Die Bären gewinnen bei beiden Anelger-Gruppen jeweils 4% hinzu (Profis nun 28%, Private nun 26%) – und stellen damit nach wie vor eine überschaubare Minderheit. Die Neutralen gewinnen bei den Profis 3% auf nun immer noch mickrige 15%, bei den Privaten 4% auf nun ebenfalls geringe 17%. Man hat also eine Meinung, und die ist nach wie vor klar bullisch dominiert!

Das alles kann nur bedeuten: da sind noch sehr viele im Markt, die mit ihren Longs im Verlust sind, aber die Position noch nicht „abgedrückt“ haben. Wohl ganz nach dem Motto Hoffnung, weil Aktienkurse ja irgendwann immer steigen (wenn sie nicht dummerweise fallen!).

Hören wir dazu die Einschätzung von Joachim Goldberg:

„Es sieht so aus, als seien sich einige Börsianer hinsichtlich der US-Präsidentschaftswahlen und insbesondere eines eindeutigen Wahlergebnisses zu sicher gewesen (..). Dies war für einige mittelfristig orientierte professionellen Akteure, die wir allwöchentlich befragen, Grund genug, eine vorsichtigere Positionierung vorzunehmen.
Dieser Stimmungswechsel ist insofern bemerkenswert, als es seit der vorherigen Befragung keine Gelegenheit gab, Kaufpositionen zu einem höheren Preis als den 10.700 Punkten zum Zeitpunkt der Erhebung zu veräußern.

Damit wird gleichermaßen erkennbar, dass der jüngste Kursrückgang des DAX – in der wöchentlichen Punktbetrachtung vermerken wir einen Verlust von 2,5 Prozent – zu großen Teilen auf unsere mittelfristig orientierten institutionellen und privaten Investoren zurückzuführen sein dürfte. Dennoch haben vergleichsweise viele Akteure an ihren bullishen Positionen festgehalten, obwohl der Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen nicht nur auf Messers Schneide zu stehen scheint, sondern außerdem damit eine längere Phase der Unsicherheit als gewünscht für die Finanzmärkte verbunden sein könnte.

Die Zuversicht der immer noch mehrheitlich in der absoluten, aber auch in der Halbjahresbetrachtung zu optimistischen Akteure mag zum einen darin begründet sein, dass sich nunmehr viele Engagements der Optimisten „unter Wasser“ befinden. Die damit einhergehende mögliche selektive Wahrnehmung dürfte sicherlich nicht primär auf Wirtschaftsdaten begründet sein, sondern entsteht eher aus dem leicht verfügbaren Vergleich, dass sich die Aktienkurse nach den US-Wahlen ähnlich wie nach dem Brexit-Votum für den Austritt Großbritanniens aus der EU entfalten könnten. Zwar hatten sich die Kurse seinerzeit zunächst erheblich abgeschwächt, aber danach innerhalb weniger Wochen sogar deutlicher erholt, als sie zuvor infolge des Votums gefallen waren.

Per Saldo bleibt jedoch festzustellen, dass der heute gezeigte Optimismus der Marktteilnehmer leicht über dem vor eben jenem Brexit-Votum liegt..“.

Man denkt sich also scheinbar: das wird schon wieder, und erinnert sich dabei an den Brexit. Da wurde es ja auch wieder, also diesmal auch, logisch. Da kann man nur die Daumen drücken..

In den USA, wir kennen das schon, das Stimmungsbild nach wie vor total anders! Gemäß neuester AAII-Umfrage bleiben die Neutralen in der Führungsposition mit 42% (+0,9% zur Vorwoche), die Bullen verlieren 1,1% auf nun nur noch 23,6% (was für ein Kontrast zu den Deutschen!), die Bären liegen bei 34,3% (+0,2%). Sieht also alles danach aus, als hätten die Amis diesmal den besseren Riecher gehabt..



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1 Kommentar

  1. „Die mit ihren Longs im Verlust sind“ Jetzt macht die Manipulation auch Sinn, ein kleiner Raubzug durch die Optionswelt! Kann man nur hoffen, dass das Glücklich macht. Wenn nicht gibt’s immer noch Psychologen als Suizid -hilfe.

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