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Miese Stimmung Signalgeber für tragfähigen Boden? Dax Stimmung: Extrem negative Stimmung verhindert neue Tiefs

Die Stimmungs-Lage an den Märkten

Dax Stimmung Niedergeschlagenheit

Der Schock sitzt tief: vor einer Woche noch hofften viele Anleger auf eine stärkere Erholungsbewegung an den Aktienmärkten, doch schon am Montag wurde der Rückwärtsgang eingelegt, bis Donnerstag verlor der DAX zwischenzeitlich 4%. Da konnte selbst die kräftige Erholung am Freitag nicht mehr viel an der Laune der Anleger verbessern.

DAX: Niedergeschlagenheit – Signal für Boden?

Die Niedergeschlagenheit, die auf der Stimmung unserer Umfrageteilnehmer lastet, bleibt mit einem Wert von -6,2 erdrückend. Die Baisse gibt den Anlegern einfach keine Gelegenheit, sich von den unliebsamen Positionen zu verträglichen Preisen zu trennen.

Und so bleibt auch die Verunsicherung gegenüber dem DAX mit einem Wert von -5,9 groß. Es stehen wichtige Ereignisse an: Quartalszahlen, EZB-Zinsentscheid sowie die Wartungspause von Nord Stream I, die schlimmstenfalls das Ende der Gaslieferungen aus Russland bedeuten könnte.

Pessimismus dominiert die Stimmung der Anleger. Mit einem Wert von -1,2 dominieren die Bären das Parkett.

Dennoch gibt es weiterhin eine gewisse Investitionsbereitschaft, der Wert bleibt stabil bei 1,9. Darin enthalten sind jedoch auch Anleger, die den Markt shorten wollen, also auf fallende Kurse spekulieren.

Unser 5-Wochendurchschnitt des Sentiments im DAX  ist vom Extremwert von -30 in der Vorwoche diese Woche weiter auf -31 abgesackt und nähert sich dem historischen Extremwert von -32 auf dem Coronacrash. Gerade dieser Indikator war in der Vergangenheit ein verlässlicher Signalgeber für einen tragfähigen Boden.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist in der zweiten Woche in Folge deutlich zurück gekommen und notiert nach 12 vor zwei Wochen nun auf einem Wert von 2. Die Spekulation auf eine Erholung wurde offensichtlich sehr schnell beendet.

Profis, die sich über die Eurex absichern, haben ihre Absicherungspositionen ebenfalls hochgefahren. Das Put/Call-Verhältnis notiert bei 3,8 und liegt somit deutlich über dem Durchschnitt von 1,8. Es werden also vermehrt Put-Absicherungen gekauft.

Das Put/Call-Verhältnis der CBOE ist weiter abgerutscht. In den USA lösen Anleger ihre Absicherungen offensichtlich auf.

Die Investitionsquote der US-Fondsanleger bleibt mit 27% auf historisch niedrigem Niveau. In der Regel sind Fondsmanager zu 80% investiert, derzeit wird jedoch aus Vorsicht 73% Cash gehalten.

Bei den US-Privatanlegern dominieren ebenfalls weiterhin die Bären das Parkett. Das Bulle/Bär-Verhältnis liegt bei -20. 46% Bären stehen 27% Bullen gegenüber.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 steht bei 27 und zeigt Angst, aber noch keine extreme Angst an. Der Short Range Oscillator des S&P 500 notiert im neutralen Bereich.

Interpretation der Stimmung gegenüber dem Dax

Die überfällige Erholung fiel offensichtlich kürzer und kleiner aus, als es die lange Phase der extrem negativen Stimmungswerte erwarten ließ. Unsere meisten Stimmungswerte sind schleunigst wieder auf Extremwerte abgefallen, so dass neue Tiefkurse diese Woche nicht erreicht wurden. Es ist eine nervenzehrende Marktphase mit immer neuen Hiobsbotschaften, die ein weiteres Abrutschen der Aktienmärkte auf neue Tiefs jederzeit möglich erscheinen lassen. Vielleicht ist es jedoch gerade die negative Stimmung, die dies bislang verhindert hat.

Denn wenn die Stimmung bereits extrem negativ ist, dann führen weitere Hiobsbotschaften nur noch zu einem Schulterzucken: „Hab ich’s doch gewusst“, sagen sich dann viele Anleger. Hohe Inflationszahlen sind in den Erwartungen drin. Schwache Quartalszahlen sind ebenfalls bereits eingepreist.

Wie es mit der Gasversorgung aussieht, ist schwer abzuschätzen. In den vergangenen Jahrzehnten hatten wir kein Versorgungsproblem mehr. Daher ist es schwer für Anleger, sich eine solche Situation vorzustellen … egal wie groß die Schatten bereits sind, die durch diese Bedrohung geworfen werden.

Doch gerade hinsichtlich der Gasversorgung müssen wir zwischen Europa und dem Rest der Welt unterscheiden: Das Gas, das hier fehlt, gibt es nun anderswo im Überfluss. In den USA sorgte die Störung an der größten Gasverflüssigungsanlage im Juni für einen Gasüberschuss und einen fallenden Gaspreis. Energieintensive Branchen profitieren in den USA derzeit von der Situation.

In China werden wieder vermehrt positive Corona-Tests registriert und erste Lockdown-Verschärfungen wurden umgesetzt. Wie weit die Verschärfungen gehen werden und welche Auswirkung sie haben werden, ist derzeit völlig ungewiss.

Den vorläufigen animusX-Umfragedaten entnehme ich zu meiner großen Besorgnis noch, dass die Investitionsquote unserer Umfrageteilnehmer im DAX mit 48% auf einem sehr hohen Niveau ist. Gleichzeitig ist die Shortquote mit 1% extrem niedrig. Viele Anleger haben sich also in den vergangenen zwei Wochen long positioniert. Eine negative Überraschung würde unter diesen Anlegern gegebenenfalls Panik auslösen, die in heftige Verkäufe beim DAX münden könnte. Die Situation ist also sehr fragil.

Zwar ist die Stimmung bereits extrem negativ, doch viele Anleger haben sich bereits für eine Gegenbewegung positioniert. Eine negative Meldung wird nicht gleich Panik auslösen, doch sollten die Kurse zu bröckeln beginnen, könnten viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt werden und einen Abwärtsrutsch dann noch verstärken.

Euro-Wechselkurs, Gold & Öl

Der Euro hat diese Woche die Parität zum US-Dollar erreicht, der tiefste Stand seit 2002. Entsprechend negativ ist die Stimmung am Devisenmarkt. Niedergeschlagenheit und Verunsicherung der Anleger befinden sich auf extrem negativen Niveaus. Bären dominieren das Geschehen, an eine nennenswerte Erholung beim Euro – ähnlich wie beim DAX – glaubt kaum jemand. Eigentlich ist das eine gute Voraussetzung für steigende Notierungen.

Die Stimmung am Goldmarkt ist auf einen extrem negativen Wert abgesackt. Der Preissturz dieser Woche hat offensichtlich viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Dabei ist das Gold stets erst in einer zweiten Phase einer Korrektur/ Baisse als sicherer Hafen zu gebrauchen. Jetzt wäre vermutlich ein guter Zeitpunkt, Gold zu kaufen.

Am Ölmarkt hat der Rutsch des Ölpreises (WTI) unter 100 USD/Fass die Laune der Anleger in Rekordzeit verhagelt. Niedergeschlagenheit und Pessimismus haben sich in den vergangenen Tagen rasend schnell ausgebreitet.



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