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Dax-Stimmung: Profis stark bärisch!

Die Stimmung der deutschen Profianleger ist derzeit fast schon als "depressiv" zu bezeichnen. Schon zuvor war der Optimismus der Profis ja eher bescheiden ausgeprägt, und es sieht so aus, als dass vor allem der Abverkauf am Dienstag dann starke Spuren in den Köpfen hinterlassen hat..

FMW-Redaktion

Die Stimmung der deutschen Profianleger ist derzeit fast schon als „depressiv“ zu bezeichnen. Schon zuvor war der Optimismus der Profis ja eher bescheiden ausgeprägt, und es sieht so aus, als dass vor allem der Abverkauf am Dienstag dann starke Spuren in den Köpfen hinterlassen hat. Zwar hat sich der Anteil der Bullen zur Vorwoche nicht verändert mit weiterhin 32%, jedoch ist das ein historisch sehr niedriges Niveau. Dagegen hat das Bärenlager weitere +6% auf nun 52% zulegen können – mehr als jeder zweite Profi geht also von fallenden Kursen aus. Dabei sind es diejenigen, die zuvor an der Seitenlinie standen, die nun auf die Seite der Bären gewechselt sind, da das Lager der Neutralen eben diese -6% (nun 16%) verliert, die zu den Bären übergelaufen sind.

Auch die Privatanleger werden skeptischer: die Bullen verlieren -2% auf nun noch 37%, womit das Bärenlager mit einem Zuwachs von +3% auf nun 42% klar in Führung liegt. Neutral sind bei den Privaten nun 21% (-1% zur Vorwoche).

Dass die Skepsis in den letzen Wochen immer größer geworden ist, liegt auf der Hand. Und offensichtlich hat der scharfe Abverkauf am Dienstag dann diese Haltung bestätigt. Joachim Goldberg erklärt den starken Pessimismus so:

„Anleger dies- und jenseits des Atlantiks scheinen sich große Sorgen zu machen. Und das hat gleich mehrere Gründe: Da sind einmal die als überbewertet empfundenen Aktien, vornehmlich in den USA, die viele Akteure zur Vorsicht mahnen, zum anderen kommt ihnen ein seit nunmehr acht Jahren ununterbrochen andauernder Bullenmarkt äußerst verdächtig vor. Auch wird immer wieder vor zu viel Euphorie gewarnt, angeblich ausgelöst durch die fiskalpolitischen Reformversprechungen von US-Präsident Donald Trump.

So überrascht es auch nicht, dass die jüngste Stimmungserhebung unter den mittelfristig orientierten institutionellen Anlegern zum dritten Mal hintereinander schlechter als in der Vorwoche ausgefallen ist. Tatsächlich liegt der Börse Frankfurt Sentiment-Index – er ist um 6 Punkte gefallen – nun bei einem Wert von -20 Punkten. Eine derart schlechte Stimmung haben wir zuletzt am 11. März 2015 registriert, wobei heute allein der Anteil der Pessimisten mit 52 Prozent aller Befragten sogar so hoch ist wie zuletzt im April 2010. Selten haben Anleger eine so klare bearishe Einstellung gezeigt, zumal sich der Zuwachs im Bärenlager fast ausschließlich durch vormals neutral eingestellte Akteure speist.

Gleichzeitig wird aber auch erkennbar, dass der am vergangenen Donnerstag erreichte neue Höchststand des DAX seit April 2015 von rund 12.156 Zählern nicht ausgereicht hat, um die Börsianer tatsächlich zu schockieren oder gar eine Kaufpanik auszulösen. Stattdessen wurden die vergleichsweise hohen DAX-Niveaus zu weiteren Absicherungen bzw. Verkäufen genutzt.“

Goldberg meint, dass dieser Pessimismus nun dafür sorgen sollte, dass der Dax etwas tiefer als derzeit abgesichert sei:

„Wir gehen vielmehr davon aus, dass der Markt für eine größere Korrektur durchaus gewappnet ist. Deswegen ist auf niedrigerem Niveau (spätestens bei 11.500/600 DAX-Zählern) mit stützender Nachfrage zu rechnen, die sich auch aus wahrscheinlichen Gewinnmitnahmen obiger Pessimisten ergibt. Mit anderen Worten: Die Situation hat sich für den DAX – abgesehen von möglichen technischen Korrekturen – keineswegs verschlechtert.“

Nun ja, vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Denn es ist kaum vorstellbar, dass angesichts der Trump-Rally noch große Short-Positionen offen sind, die im Laufe der Rally aufgebaut worden waren. Diese Positionen mussten aufgrund des impulsiven Anstiegs längst eingedeckt werden, wenn überhaupt sind es noch recht „frische“ Shorts, die nun im Markt sind. Also so furchtbar viel Potential für Gewinnmitnahmen der Shorties sehen wie eher nicht..

Wie auch immer – anders jedenfalls sieht das Bild in den USA aus, laut neuester AAII-Umfrage: dort haben bei den Privatanlegern die Bullen wieder die Führung übernommen mit 35,3%, ein Zuwachs von +4,1% zur Vorwoche. Dahinter folgen die Neutralen, die ebenfalls +4,1% hinzu gewinnen können (auf nun 34,2%), während die Bären die großen Verlierer sind mit einem Rückgang von 8,2% auf nun nur noch 30,5%.

Schon lustig irgendwie: während die Anleger beim Dax meinen, amerikanische Aktien seien schon überbewertet, weshalb man auch für den Dax pessimistisch ist, sind die Amerikaner da scheinbar weniger sorgenvoll. Ob zurecht, wird sich bald zeigen!



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2 Kommentare

  1. Ich seh die Sache so: reichlich Pessimismus ist tendenziell positiv für steigende Kurse, vor allem jeseits des großen Teichs. Wenn die Rally mal stirbt, dann in Euphorie.

    1. Na, das heißt ja dann, sie stirbt. Der Meinung bin ich auch.

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