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Dax-Stimmung: Profis viel bärischer als Privatinvestoren – wer hat Recht?

Über die aktuelle "Schizophrenie" der Dax-Investoren..

Die Stimmung der Dax-Investoren driftet, wie die jüngste Umfrage der Deutschen Börse zeigt, so weit auseinander wie sonst nur ganz selten! Normalerweise liegen Profis und Privatinvestoren in ihrer Einschätzung der Lage nicht weit auseinander – doch diesmal ist das anders: die Profis sind nur noch zu 32% bullisch (-6% zur Vorwoche), während bei den Privatanlegern 43% im Bullen-Lager weilen (+3% zur Vorwoche), dagegen nur 33% im Camp der Bären (-3% zur Vorwoche). Bei den Profis dominieren dagegen die Bären mit 44% (+9% zur Vorwoche).

Woher kommt diese starke Differenz? Und vor allem: ist das gut oder schlecht für die weiteren Aussichten des deutschen Leitindex? Dazu eine Einschätzung von Joachim Goldberg:

„Die heutige Erhebung zeigt, dass sich die beiden Panels trotz beinahe gleicher Ausgangslage in der Vorwoche offenbar in zwei verschiedenen Wirklichkeiten befinden. Dies mag zum einen an den eingangs genannten Marktrisiken liegen, die man in ihrer Gesamtheit durchaus unterschiedlich bewerten kann. Ob dabei die institutionellen Investoren gegenüber den privaten einen Informationsvorsprung haben? Tatsächlich ist doch der DAX trotz der Abgaben der Institutionellen gegenüber der Vorwoche sogar gestiegen, was für möglicherweise langfristige Kapitalzuflüsse sprechen könnte. Ob diese aus dem Ausland kommen, sei einmal dahingestellt. Denn man muss sich nur einmal in die Situation eines heimischen langfristig orientierten privaten Börsianers versetzen, der sich möglicherweise bereits vor einigen Quartalen aus dem Aktienmarkt zurückgezogen hat, weil Aktien bis zu ihrer massiven Korrektur im vergangenen Jahr mehrheitlich als überbewertet galten. Gut möglich, dass sich angesichts einer nunmehr als gesund eingeschätzten Börse der eine oder andere langfristig orientierte Anleger zurückgemeldet hat. Zumindest spricht das heutige Sentiment-Ergebnis bei den Privatanlegern für diese Hypothese. Zumal eine Zinswende in der Eurozone in diesem Jahr immer unwahrscheinlicher wird.

Was die institutionellen Investoren angeht, kann es gut sein, dass deren Pessimismus – sowohl absolut als auch in der relativen Sechs-Monatsbetrachtung – dem Versuch geschuldet ist, Abwärtsbewegungen auszunutzen, um etwas Extra-Rendite zu verdienen. Letztlich ist der DAX dadurch an der Unterseite auf niedrigerem Niveau durch mögliche Rückkäufe der bearishen institutionellen Investoren von heute gut unterstützt. Viel interessanter ist jedoch die Oberseite einzuschätzen, wenn der DAX weiter steigen sollte und die Pessimisten von heute etwa ab 11.600 Zählern in Bedrängnis bringen würde.“

Offendkundig sind als die Profi-Investoren eher wenig geneigt an den „Draghi-Put“ zu glauben, nachdem der EZB-Chef vor einer Woche faktisch alle Zinsanhebungsfantasien ad acta gelegt hatte mit seinen Aussagen. Wie der Dax nun weiter agiert, dürfte jedoch auch wesentlich vom Ausgang der Gespräche zwischen den USA und China im Handelsstreit abhängen..

Ausführlicher zu den Daten und ihrer Interpretation hier Joachim Goldberg im Video:


Foto: Deutsche Börse AG



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