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Dax Stimmung: Weltuntergang – oder Übertreibung nach unten?

Der perfekte Kontraindikator?

Dax Weltuntergangsstimmung

Stellen Sie sich vor wir haben eine Rally im Dax ..und keiner geht hin.

Dax: Weltuntergangsstimmung

In der vorigen Woche war der DAX um 2,6% angesprungen, dennoch ist die Stimmung unter den Anlegern auf einem extrem negativen Niveau verblieben. In der Vorwoche konnte der DAX zur Stunde leicht zulegen. Doch die Stimmung hellt sich noch immer nicht auf. Im Gegenteil, sie wird schlechter.

Das Anlegersentiment ist diese Woche auf -5,0 gerutscht (Vorwoche -4,8). Ab Werten von -4 sprechen wir von extremer Niedergeschlagenheit unter Anlegern.

Die extrem große Verunsicherung der Vorwochen ist immerhin ein wenig zurückgegangen. Mit einem Wert von -4,9 notiert aber auch diese noch immer im extrem negativen Bereich.

Die Zukunftserwartung im Hiblick auf den DAX verharrt auf einem neutralen Niveau von +0,1. Und auch die Investitionsbereitschaft zeigt mit einem Wert von 2,2 eine verhältnismäßig neutrale Bereitschaft auf.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt mit einem Wert von nur noch -2,5% weiterhin eine Absicherungsneigung, wenngleich die Absicherungen auf dem derzeitig niedrigen Kursniveau wohl weniger wichtig genommen werden. Die größten Absicherungskäufe (Put-Käufe und ähnliche Produkte, mit denen man sich gegen fallende Kurse absichert) fanden Anfang April statt, nachdem sich der DAX vom Ausverkauf in Folge des Kriegsausbruchs bis unter 13.000 auf 14.800 Punkte erholt hatte.

Seither geht die Absicherungsneigung zurück, wenngleich die bestehenden Absicherungen netto noch nicht kleiner werden.

Auch bei den institutionellen Anlegern, die sich über die Eurex absichern, geht die Absicherungsneigung zurück. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 1,5 zurückgegangen.

In den USA notiert das Put/Call-Verhältnis der CBOE mit einem Wert von 1,1 auf einem hohen Niveau, ist in den vergangenen Tagen aber auch bereits leicht rückläufig.

Eine Überraschung haben die US-Fondsanleger parat: Schon vor einer Woche war die Investitionsquote mit 24% extrem niedrig. Diese Woche ist die Investitionsquote auf nur noch 19,5% gefallen. Nur fünfmal war die Investitionsquote seit der großen Finanzkrise 2007 bis 2009 unter 20%: Coronacrash 2020, Eurokrise 2015, Griechenlandkrise 2011.

Die Stimmung unter den privaten US-Anlegern zeigt mit einem Wert von -24 % zwar eine extrem starke Bärendominanz an. doch die Dominanz war in den vier Vorwochen noch größer. Jeder zweite Privatanleger ist pessimistisch gestimmt, nur jeder vierte optimistisch.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 12% nun in der zweiten Woche in Folge extreme Angst an. Auch der Short Range Oscillator des S&P 500 notiert weiterhin deutlich unter -4% und weist auch kurzfristig auf einen überverkauften Markt hin.

Interpretation der Stimmung an den Märkten

Hinsichtlich der weiteren Entwicklung an den Aktienmarkt sind Anleger neutral gestimmt. Man könnte auch sagen, sie haben keine Meinung. Vor dem Hintergrund der noch immer großen Verunsicherung passt meines Erachtens die zweite Formulierung derzeit besser: keine Meinung.

Anleger sind also verunsichert und wissen nicht, wie es weitergeht. Da helfen nicht einmal zwei positive Börsenwochen für den DAX in Folge, um bei Anlegern gute Gefühle aufkommen zu lassen. Im Gegenteil, die Stimmung ist weiterhin extrem schlecht, trotz positiver Börsenentwicklung. Man glaubt also nicht, dass diese positive Börsenentwicklung nachhaltig sein könnte.

Das mag am heftigen Kursrutsch liegen, den wir diese Woche in den USA beobachten mussten. Der Dow Jones ist um 3% eingebrochen, die Nasdaq um 4%. Im Dow Jones wurde die achte Börsenwoche mit negativem Vorzeichen in Folge gemessen. Das gab es zuletzt 1923. Das ist 99 Jahre her, falls Sie glauben, ich hätte mich vertippt. In den USA macht sich Ohnmacht breit: Inflationsbekämpfung, ohne eine Rezession zu riskieren, ist nicht mehr möglich.

Vor einer Woche habe ich eine Liste der Superlative begonnen:

– Längste Phase negativer Stimmung in unserer Umfrage seit 8 Jahren
– Niedrigste Bullenquote in US-Stimmungsumfrage seit 40 Jahren
– Extrem niedrige Investitionsquote der US-Fondsanleger

Wir können die Liste nun fortführen:

– 8 Wochen Kursverlust in Folge gab es beim Dow Jones zuletzt 1923
– Gemäß der Umfrage der Bank of America ist die Cashquote auch international bei Fondsmanagern so niedrig wie seit dem Coronacrash nicht mehr.
– Die Investitionsbereitschaft am Anleihemarkt ist quasi nicht vorhanden: Seit 6 Monaten pendelt diese gemäß unserer Umfrage um die 10%-Linie der Extremwerte.
– Die Nachrichtenwahrnehmung am Anleihemarkt ist so negativ, dass ich unsere Graphik neu justieren muss. Die Ergebnisse befinden sich aktuell außerhalb des Anzeigespektrums, das die vergangenen 15 Jahre ausgereicht hatte.

Also entweder die Welt geht nun wirklich unter, oder aber viele Anleger werden schon bald auf dem falschen Fuß erwischt. Für den Fall, dass die Welt wirklich untergeht: Da interessiert es mich dann wenig, ob ich mit einer zu zurückhaltenden Investitionsstrategie falsch gelegen haben sollte. Sollte die Welt jedoch nicht untergehen, wie es in den vergangenen vielen tausend Jahren immer wieder der Fall war, dann möchte ich nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.



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