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Dax: Symptom für deutsche Stagnation

In gewisser Weise könnte man sagen, dass der Dax aktuell das widerspiegelt, was in Deutschland derzeit der Fall ist: Stagnation! Während Deutschland etwa nach den Schröderschen Reformen eine starke Dynamik entfaltete, in den letzten Jahren aber im Grunde nur noch seinen Wohlstand verwaltet und daher mit der Neuauflage der Großen Koalition den ewigen Stillstand gewählt hat in der Hoffnung, dass schon irgendwie alles so bleiben könnte wie es jetzt ist, ist die Lage etwa in Frankreich ganz anders: dort werden alte Zöpfe abgeschnitten, werden verkrustete Strukturen aufgebrochen (was immer nur gegen große Widerstände möglich ist!).

Das Dumme ist nur: wenn man den Wohlstand verwalten und damit im Grunde die doch ökonomisch durchaus gute jüngere Vergangenheit konservieren will, dann verpaßt man aber leider die Zukunftsthemen wie vor allem künstliche Intelligenz etc. Da werden asiatische Gesellschaften – die überwiegend das Beste nach vor sich haben, während Europa und vor allem Deutschland das Beste wohl schon hinter sich hat – uns immer mehr den Rang ablaufen. Fakt ist: Deutschland ruht sich derzeit auf seinen Lorbeeren aus und wird dafür in der Zukunft die Zeche bezahlen!

Das gilt wohl auch für den Dax und sein Geschäftsmodell, den Export. In gewisser Weise ist der Anstieg des Dax seit Anfang April eine Art Echo-Blase: man feiert noch einmal die gute alte Zeit, als Deutschland als Export-Weltmeister seinen tollen Produkte in die Welt verkaufte, ohne dass die Käufer darüber gemeckert hätten. Aber das ist absehbar vorbei, der Protektionismus ist die neue und gleichzeitig alte Kraft, die die nähere Zukunft prägen wird – und Trump ist ihr Symptom!

Was den Dax jetzt noch stützt ist fraglos der im Vergleich zum Dollar geschwächte Euro, der naturgemäß dem deutschen Geschäftsmodell entgegen kommt und damit eben die Illusion fördert, dass alles so bleiben könnte, wie es jetzt ist. Aber der Zeitgeist arbeitet gegen das deutsche Geschäftsmodell und damit auch gegen den exportlastigen Dax. Im Grunde verschafft also der Euro dem Dax noch einmal eine Gnadenfrist, mehr aber auch nicht.

Charttechnisch handelt der Dax derzeit im Niemandsland, die große Unterstützung liegt nach wie vor bei 12650 Punkten und damit ziemlich weit weg vom aktuellen Kursniveau. Auf der Oberseite ist die Luft reichlich dünn, aber noch gibt es wegen der Euro-Schwäche keine Abwärtsdynamik. Das große Thema aber ist der Anstieg der Renditen am amerikanischen Anleihemarkt, der nun wieder zur echten Alternative für die Aktienmärkte geworden ist angesichts der absehbaren Straffung der Geldpolitik durch die Fed.

Wenn die (Notenbank-)Musik immer leiser wird, wird auch der Dax nicht mehr so wild tanzen können. Wir sind gewissermaßen in einem Schwebe-Zustand: die Gegenwart ist noch ok, aber die Zukunft wird schwierig. Es ist nur die Frage, wann die Zukunft konkret eingepreist wird..


(Chart durch anklicken vergrößern)

 

Weiter wie bisher: Merkel mit dem neuen Koalitionsvertrag

Von Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=67282779



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1 Kommentar

  1. Moin, moin,
    sehr gut, wir verwalten nur noch den Restwohlstand. Wie wahr diese Worte. Der Fall des wirtschaftlichen Abstiegs wird kommen, wohl eher kurzfristig als langfristig. Die BRD in ihrer jetzigen Struktur ist unreformierbar. Wer will auf etwas verzichen, wer will seine Privilegien aufgeben? Niemand. Nur alleine der Gedanke, dass Beamte kündbar wären oder nach ihrer Leistung bezahlt werden würden, undenkbar, zumindest für Beamte. Also keine echten Reformen. Ergo folgt der Abstieg in die Kreisklasse. Nur das geht finanziell nicht. Die BRD benötigt sehr viel Geld für Renten, Sozialleistungen etc. pp. . Ich persönlich hätte keine Idee wo das hinführen oder enden soll, civil war?

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