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Streit um Grönland sorgt für Zoll-Eskalation Dax tief im Minus – Autoaktien stürzen – Trump-EU-Zölle belasten massiv!

Trumps Grönland-Obsession eskaliert! Der Dax fällt heute früh um 1,39 %, denn EU-USA-Zölle wären ein Desaster für deutsche Konzerne.

Containerschiffe
Foto: shutterdin-Freepik.com

Der Dax fällt heute früh deutlich um 1,39 %. Trumps Grönland-Obsession eskaliert! Warum das gerade den Dax trifft und die nächsten Tage weiter runterziehen kann? Schauen wir uns das genauer an!

Dax fällt, Autowerte sogar kräftig – Grönland-Desaster

Trump will Grönland unbedingt haben. Nun hatten einige EU-Länder eine Hand voll Soldaten nach Grönland entsandt. Daraufhin verkündete Trump am Samstag, dass die USA ab dem 1. Februar 10 % Zusatzzoll gegen acht EU-Länder einführen werden, darunter auch Deutschland und Frankreich. Ab Juni soll der Zoll auf 25 % steigen. Nun wollen die EU-Staaten zügig beraten, ob sie Zölle gegen die USA im Volumen von 93 Milliarden Euro aktivieren wollen. Für den Dax bedeutet das: Die deutsche Exportindustrie steht vor einem massiven Einbruch ihrer Verkäufe Richtung USA! Und das in einer Zeit, wo chinesische Exporteure bereits mit Hochdruck ihre Produkte in Europa, Asien und anderen Kontinenten in die Märkte drücken, als Ersatzmärkte für den US-Markt, wo China mit US-Zöllen konfrontiert ist.

Mercedes-Benz -2,7 %, Siemens -2,98 %, Airbus -1,66 %, BASF -1,9 %, BMW -4,77 % (vorhin sogar kurzzeitig – 7 %), Volkswagen -2,96 %, Porsche -2,97 %. Allen voran die Autoaktien sind heute früh deutlicher im Minus! Auch könnte man viele Unternehmen aus MDax oder SDax nennen. Nochmal deutlich höhere US-Zölle werden ihren Absatz Richtung USA massiv mindern! Von daher könnte der heute früh gestartete Verlust im Dax der Auftakt für weitere Kursstürze sein. Denn die Börsianer handeln stets die Zukunft. In einigen Monaten einbrechende US-Aufträge für deutsche Unternehmen preist man jetzt schon mal in Form fallender Aktienkurse ein. Auch die US-Aktienfutures sind im Minus, aber in den USA ist heute Feiertag – daher bleiben die Aktienmärkte in New York heute geschlossen. Meine persönliche Meinung: Die nächsten Tage könnten Dax und Co zwar absacken. Aber man vergesse nicht die TACO-Trades in 2025. Immer wieder schockierte Trump die Märkte, die Kurse fielen. Aber kurz darauf sorgte er für Erleichterung, und die Aktienmärkte setzten zur Rally an. Im Fall Grönland könnte schon ein entspannender Tweet von Trump ausreichen, um bei Dax und Co wieder für Euphorie zu sorgen. Aber aktuell sind die Märkte im Krisenmodus!

Europäische Aktien vor Einbruch – Analystenkommentare

Bloomberg hat aktuell einige Anlaystenkommentare zusammengetragen, die wie nachfolgend zeigen: „Kurzfristig könnte jede überraschende Eskalation durch Zölle auf Europa eine klassische Risikoaversion auslösen, insbesondere nach einem starken Jahresauftakt, der von einer konstruktiven Stimmung getragen wurde“, sagte Florian Ielpo, Leiter der Makroforschung bei Lombard Odier Asset Management. „In diesem Szenario könnten Staatsanleihen profitieren, hochwertige Vermögenswerte würden wahrscheinlich eine Outperformance erzielen und Gold könnte einen Aufschwung erleben.“

Laut Vincent Mortier, Chief Investment Officer bei Amundi SA, dürften die Auswirkungen kurzfristig eher auf Aktien zu spüren sein und für Anleihen und Währungen weniger offensichtlich sein. Der Feiertag in den USA am Montag deutet ebenfalls auf dünnere Marktbedingungen und keinen Treasury-Cash-Handel über Nacht hin. Die Auswirkungen der Nachricht „könnten sich negativ auf die Wachstumsaussichten Europas auswirken, aber höchstwahrscheinlich nur in sehr begrenztem Umfang“, sagte Mortier. „Langfristig könnte dies ein positiver Katalysator für Europa sein, um seine strategische Autonomieagenda zu beschleunigen und neue Allianzen zu bilden.“

„Die Futures sind rückläufig, da die Nervosität spürbar ist. Insgesamt gibt es so viele Probleme – von Kreditkarten über die Unabhängigkeit der Fed bis hin zu Zöllen –, dass ich wirklich keinen Grund sehe, warum die Aktienmärkte weiterhin neue Rekorde brechen sollten“, sagte Alexandre Baradez, Chefmarktanalyst bei IG in Paris. „Dies ist tatsächlich ein Zeitpunkt, an dem Anleger versucht sein könnten, Risiken zu reduzieren und Gewinne mitzunehmen.“

Seit Beginn des Jahres 2025 ist der Stoxx Europe 600 in US-Dollar um 36 % gestiegen, doppelt so viel wie der S&P 500 im gleichen Zeitraum. Der europäische Leitindex wird derzeit mit dem fast 16-fachen der erwarteten Gewinne (KGV) gehandelt, was über dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre liegt und den Abschlag gegenüber US-Pendants auf etwa 30 % verringert.

„Das Jahr hatte für die Finanzmärkte recht gut begonnen, aber diese neue Situation könnte zu Gewinnmitnahmen führen“, sagte Vincent Juvyns, Chef-Anlagestratege bei ING in Brüssel. „Wenn man nur die erhöhten Zölle betrachtet, ist dies etwas, das wirtschaftlich absorbiert werden könnte, aber die Möglichkeit eines Bruchs innerhalb der westlichen Welt hätte Konsequenzen, deren Ausmaß ich nicht abschätzen kann.“

Die Strategen der Citigroup unter der Leitung von Beata Manthey haben zuvor geschätzt, dass ein Zoll von 10 % auf Europa zu einem Rückgang des europäischen Gewinnwachstums pro Aktie um 2 bis 3 Prozentpunkte führen dürfte.

Luxusgüter, Automobilhersteller und Bergbauunternehmen gehörten zu den Sektoren, die nach Trumps „Befreiungstag” im April unter Druck gerieten. Auch Aktien, die internationalen Wertschöpfungsketten ausgesetzt sind, wie z. B. zyklische Konsumgüter und Güter des täglichen Bedarfs, könnten betroffen sein. Dennoch dürfte jede Reaktion nur von kurzer Dauer sein, bis mehr Klarheit über die Situation herrscht. Auch Verteidigungsaktien könnten zulegen, sagte Juvyns von ING, was den Umfang eines Ausverkaufs begrenzen würde.

„Die Tatsache, dass diese Drohung in den sozialen Medien erfolgte und nicht in einer Durchführungsverordnung konkretisiert wurde, und dass ihre Umsetzung verzögert ist, bedeutet, dass viele Anleger sich möglicherweise dafür entscheiden, abzuwarten, bevor sie überreagieren”, sagte Brian Jacobsen, Chef-Wirtschaftsstratege bei Annex Wealth Management.

Dies könnte insbesondere für den Euro zutreffen, da die Deutsche Bank nur begrenzte Auswirkungen auf die Regionalwährung prognostiziert, unter anderem aufgrund der starken Abhängigkeit der USA von Europa in Bezug auf Kapital. Die Zölle könnten auch ein Katalysator für einen stärkeren politischen Zusammenhalt in der EU sein, was bedeutet, dass negative Auswirkungen auf den Euro gegenüber dem Dollar in dieser Woche möglicherweise nicht von Dauer sein werden.

„Aus unserer Sicht wird es in den nächsten Tagen vor allem darauf ankommen, ob die EU beschließt, ihr Anti-Zwangsinstrument zu aktivieren, indem sie Maßnahmen auf den Tisch legt, die sich auf die Kapitalmärkte auswirken“, schrieb George Saravelos, globaler Leiter der Devisenforschung bei der Deutschen Bank, in einer Mitteilung an Kunden. „Es ist eher die Instrumentalisierung von Kapital als die von Handelsströmen, die die Märkte bei weitem am stärksten stören würde.“

Michael Brown, Senior Research Strategist bei Pepperstone, sagt aktuell: „Ich gehe davon aus, dass bald ein Ausweg aus dieser Bedrohung gefunden wird und dass dies zu einem weiteren „TACO-Moment“ oder einem Beispiel für die „Kunst des Verhandelns“ wird, je nachdem, wie man diese Dinge betrachtet. Vor diesem Hintergrund, da die fundamentalen Argumente für Risiken nach wie vor stichhaltig sind und vorausgesetzt, dass jegliche europäischen Vergeltungsmaßnahmen weitgehend rhetorischer Natur bleiben, würde ich Aktienkursrückgänge derzeit als Kaufgelegenheiten betrachten.“

Francisco Simón, Leiter der Strategieabteilung für Europa bei Santander Asset Management, sagt aktuell: „In den kommenden Tagen wird es entscheidend sein, ob die Ankündigung in konkrete Maßnahmen umgesetzt wird oder rein rhetorischer Natur bleibt, was einen deutlichen Unterschied in der Reaktion der Märkte bedeuten würde. Kurzfristig interpretieren wir diese Ankündigung eher als politisches Gerede denn als wirtschaftlichen Schock. Sie führt zu einer leicht höheren Risikoprämie für europäische Vermögenswerte, insbesondere für Exporteure und den Euro, aber die Wahrscheinlichkeit einer sofortigen Umsetzung ist nach wie vor gering.“

Andrea Tueni, Leiter Sales Trading bei Saxo Banque France, schreibt aktuell: „Ich weiß nicht, ob die Auswirkungen so groß sein werden wie im April letzten Jahres, als die US-Zölle angekündigt wurden, aber sie werden negativ sein, das ist sicher. Die offensichtlich betroffenen Sektoren sind Luxusgüter, Wein und Spirituosen. Ein weiterer Faktor, der die Unsicherheit erhöht, ist, dass die US-Märkte geschlossen sein werden, was bedeutet, dass den Anlegern während des Handels dieser Kompass fehlen wird.“

Guillermo Hernandez Sampere, Leiter des Handels bei der Vermögensverwaltungsgesellschaft MPPM: „Die Märkte (wie der Dax) reagieren sensibel auf die dynamischen Entwicklungen hinsichtlich neuer Zölle als Grundlage für Verhandlungen über Sicherheitsfragen. Die zunehmende Unsicherheit, wie sie im letzten Jahr zu beobachten war, wird alle Märkte belasten. Das heute in Davos beginnende Forum wird die aktuelle Situation widerspiegeln.“

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld

Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Claudio Kummerfeld hat langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

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3 Kommentare

  1. Es geht den USA nicht um Frieden und Freiheit. Nein, es geht den USA ausschließlich um den Erhalt ihrer Hegem0nie. Und natürlich um die Rohstoffe fremder souveräner Staaten. Wie auch im Fall der Ukraine:

    US Senator Lindsey Graham sagte am 9.6.2024 bei einem Interview der CBS Sendung „Face the Nation“, die Ukraine hätte Rohstoffe im Wert von „10-12 Trillion Dollars“ (Imperiale Zählweise), die man nicht den Russen und Chinesen überlassen dürfe.

  2. Für die Amis ist wichtig, dass die Deindustrialisierung in Deutschland möglichst zügig voranschreitet.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Das kann nicht stimmen. Die Rüstungsindustrie läuft an und das stützt Basisindustrien, wie Stahl, Chemie…

      Beunruhigend ist das. So was in der Art hatten wir schon mal. Zurückgestaute Inflation, Rüstungsindustrie ersetzt zivile…

      Ja wir haben gepennt an der Stelle und die 2% Ziele müssen eingehalten werden. Aber wie Du sagst, die Industrie hat ernsthafte Probleme und hier kommt ein potenter Nachfrager. Ich hoffe, dass wir da wieder raus kommen.

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