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Dax: Trotz Rally und Allzeithoch ist er billiger geworden!

Dax auf Allzeithoch

Eine grandiose Quartalssaison ist vorbei, nicht nur für den S&P 500, sondern auch für den Dax. Auch die 30 Unternehmen unseres deutschen Leitindex konnten im zweiten Quartal 2021 Gewinne vermelden, die es in dieser Höhe bisher noch nicht gegeben hat. Daraus ergibt sich die überraschende Situation, dass der Dax zwar um 16 Prozent seit Jahresbeginn geklettert ist, die Unternehmensgewinne aber deutlich mehr. Mit anderen Worten: trotz der Aktienhausse ist der Index fundamental billiger geworden. Bei genauerem Hinsehen stellt man aber fest, dass der deutsche Leitindex in den letzten Monaten nur noch wenig gestiegen ist.

Dax: Das Frühjahrsquartal, mit neuen Rekorden

Wer hätte dies noch vor ein paar Monaten erwartet, als Deutschlands Wirtschaft noch mit der Wachstumsschwelle kämpfte? Nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft Ernst&Young (EY) haben die 30 Unternehmen des Dax in den Frühjahrsmonaten akkumuliert Gewinne von 45 Milliarden Euro eingefahren, eine Steigerung um 89 Prozent, aber nicht gegenüber dem Corona-Jahr, sondern gegenüber 2019, wo man 23,8 Milliarden Euro in der Vergleichsperiode erzielen konnte.

Was dazu geführt hat dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dax von 17 auf 14,6 gefallen ist und damit nicht mehr weit über dem jahrelangen Durchschnittswert (13) liegt. Damit hatten die vielen Anleger (unter denen sich viele Firmeninsider, Belegschaftsaktionäre) befinden, eine gute Nase. Das neue Rekordhoch von über 16.000 Punkten ist damit fundamental untermauert, die Ansicht mancher von völlig überzogenen Bewertungen stimmt zumindest nicht für Deutschland, anders als in den USA bei anderen Bewertungsverhältnissen. Denn nicht nur das zweite Quartal hat Rekord-Unternehmenszahlen beim Dax geliefert. Nach Berechnungen des Handelsblatts kamen die 30 Unternehmen nach sechs Monaten bereits auf 62,3 Milliarden Euro Gewinn, im ganzen Jahr 2020 waren es nur 41 Milliarden gewesen.

Der Dax ist trotz seines Anstiegs im Jahresverlauf nicht teurer, sondern billiger geworden.

Analysten laufen, wie häufig feststellbar, den Bewertungen hinterher, nach den beiden guten Quartalen des Jahres 2021 haben diese die Schätzungen für das Gesamtjahr um 26 Prozent nach oben angehoben.

Laut der neuesten Prognosen sollen es insgesamt 103 Milliarden Euro an Gewinnen geben, deutlich über dem bisherigen Rekord von 94 Milliarden Euro (2017). Wenn man sich da die gesamte Marktkapitalisierung des Dax in Höhe von 1,5 Billionen Euro betrachtet?

Der Dax und die deutsche Wirtschaft

Wie schon oft berichtet, herrscht oftmaliges Staunen über die Entwicklung des deutschen Leitindex, im Vergleich zur Entwicklung der allgemeinen Wirtschaft. Der Dax ist aber ein Exportindex und abhängig von der Entwicklung in vielen anderen Ländern. Während das Statistische Bundesamt zuletzt gemeldet hat, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal zwar um 9,8 Prozent gestiegen ist, dies aber noch nicht ausreicht, um den Einbruch infolge Corona völlig auszugleichen.

Anderes zeigen jedoch die Dax-Gewinne, die eben nur noch zu 20 Prozent auf den Umsätzen im Inland beruhen. 24 Prozent gehen auf das Konto der europäischen Nachbarstaaten, genauso viel auf Amerika und Kanada, 19 Prozent auf Asien und etwa 13 Prozent auf die Schwellenländer (Berechnungen von Goldman Sachs).

Ein weiterer Grund für die Diskrepanz zwischen dem deutschen BIP und dem Dax ist die Tatsache, dass die Wirtschaftsleistung real berechnet wird, ohne den Einfluss der Inflation. Die Dax-Firmen konnten anscheinend von der Teuerung profitieren, durch die Weitergabe der höheren Preise. Die Teuerungsrate war zuletzt gewaltig hoch, im Juli mit Produzentenpreisen von plus 10,4 Prozent, einem Rekordanstieg seit der Erhebung der Daten. Aber auch die Umsätze der Unternehmen befanden sich im zweiten Quartal auf Rekordhöhen, 29 Prozent höher als Q2 – 2020, oder 14 Prozent gegenüber Q2 – 2019.

Aktien, derzeit ein Schutz gegen die Inflation?

Ein Weiteres ist bei Betrachtung der Leitbörsen der USA und Deutschlands feststellbar. War man doch davon ausgegangen, dass die alte deutsche Industrie gegenüber der Hightech-Industrie, die im S&P 500 so stark vertreten ist, völlig ins Hintertreffen geraten sei. Vergleicht man aber die Performance des S&P 500 von Ende März 2020, dem Corona-Tief bis dato, so ist davon nicht viel zu verspüren. Anders jedoch bei längerfristiger Betrachtung:

S&P 500: Corona-Tief 2237 Punkte – aktuell 4509 Punkte

Dax : Corona-Tief 8441 Punkte (Tagestief am 19.3. 2020 – 8257 Punkte – aktuell 15.851 Punkte

Peak Wachstum, auch in Deutschland?

Jetzt kommt das Aber: Während man in den USA am Freitag bereits das 52. Allzeithoch im Leitindex S&P 500 vermelden konnte, geht es beim deutschen Dax trotz eines vor Kurzem erzielten Allzeithochs mit 16.030 Punkten, spürbar langsamer nach oben. Die großen Zugewinne beim Dax 30 gab es schon im Winter, seither geht es nach wochenlangen Seitwärtsbewegungen nur scheibchenweise nach oben.

Verschiedene Frühindikatoren zeigen es an: Der sehr aussagekräftige Ifo-Index ist bereits den zweiten Monat in Folge gefallen, der GfK Konsumklima-Index für September zeigt deutlich nach unten, die Materialknappheit aufgrund der großen Lieferengpässe hinterlässt deutliche Spuren in der Verarbeitenden Industrie, mit neuerlicher Kurzarbeit. Noch könnte man es als eine Verschiebung der Erholung auf das nächste Quartal bewerten, aber der Frühindikator Dax zeigt an, dass sich Skepsis breitmacht.

Fazit

Aus den oben dargelegten Fakten ergeben sich einige Schlussfolgerungen: Zum einen, dass die Anleger im Dax (die vielen Firmeninsider) die Gewinnentwicklung in diesem Halbjahr bereits Monate zuvor sehr gut antizipiert haben. Zum anderen, dass der Dax als Exportindex sehr abhängig ist von der Entwicklung der Weltwirtschaft und nicht so sehr die deutsche Wirtschaft reflektiert, mit ihren vielen, nicht börsennotierten mittelständischen Unternehmen.

Außerdem ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (Retailing P/E) ein Blick in den Rückspiegel, die großen Gewinne hatte der Index auch schon in den ersten drei Monaten vollzogen. Bereits Mitte April stand unser Börsenparameter bei über 15.400 Punkten, viereinhalb Monate später kamen nicht mehr allzu viel hinzu. Man scheint von Seiten der Anleger nicht mehr allzu sehr von großen Gewinnen der Unternehmen in den nächsten Quartalen auszugehen, ganz im Gegensatz zu manchen Wirtschaftsprognosen.



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