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Geld fließt aus dem Dax und dem Euro DAX: Trump und die Kapitalmarkt-Zinsen

Märkte dürften nervöser agieren

Dax Zinsen Trump
Foto: anyaivanova - Freepik.com

Nach dem Wahlsieg Donald Trumps wurden Gelder aus Europa, insbesondere Deutschland, abgezogen und in die USA transferiert: Der US-Dollar und die US-Aktienbörsen stiegen an, während der DAX gen Süden driftete.

DAX: Anleger werden vorsichtiger

Diese Woche endete zumindest der Ausverkauf in Deutschland. Der DAX ging unverändert aus der Woche, während der S&P 500 2% abgab. In die Freude am Finanzmarkt über den Wahlsieg Trumps mischt sich nun die Sorge über eine gegebenenfalls zu harte Gangart.

Das Anlegersentiment unserer Umfrageteilnehmer ging diese Woche auf 0,5 zurück. Damit ist die gute Laune der Vorwoche verflogen, Anleger sind nun neutral gestimmt.

Die Selbstzufriedenheit der DAX-Investoren der Vorwoche verflog ebenfalls, der entsprechende Wert ist auf -0,1 gesunken. Es ist also noch keine Verunsicherung zu sehen, doch ich würde den Anlegern eine vorsichtig abwartende Haltung attestieren.

Die Zukunftserwartung ging ebenfalls zurück, der Wert beträgt nun 0,7. Optimisten haben ein leichtes Übergewicht, doch von einer bullischen Stimmung gegenüber dem DAX würde ich nicht sprechen. Dies zeigt sich auch in der Investitionsbereitschaft, die mit einem Wert von 0,7 ebenfalls gering ist.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger brach diese Woche auf -30 ein. Absicherungskäufe gegen weiter fallende Kurse sind offensichtlich gefragt.

Das Put/Call-Verhältnis des DAX an der Eurex, über die sich institutionelle Anleger absichern, fiel diese Woche auf 2,07 zurück. Zwar werden nach wie vor Put-Absicherungen nachgefragt, aber nicht mehr so stark wie noch vor einer Woche (2,23).

An der CBOE hingegen steigt das Put/Call-Verhältnis an. Mit 0,63 klettert das Verhältnis leicht über den langfristigen Durchschnitt. Auch in den USA werden nun also verstärkt Put-Absicherungen nachgefragt.

Die Investitionsquote der US-Fondsmanager stieg auf 92% an. Vor der US-Wahl lag sie bei 82%.

Die Bulle/Bär-Differenz der US-Privatanleger liegt bei 21%. Jeder zweite Anleger ist bullisch gestimmt, während nach wie vor jeder Dritte bärisch ist. Die Polarisierung hat zugunsten der Optimisten stark zugenommen.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 49% eine neutrale Marktverfassung an.

Interpretation der Dax-Stimmung: es sind die Zinsen!

In den USA stiegen in den vergangenen acht Wochen die Zinsen für langfristige Anleihen stark an. Die Rendite für 10 Jahre laufende US-Staatsanleihen betrug Mitte September noch 3,6%, nun sind wir bei 4,4%. Zwar reden alle vom rückläufigen Zinsniveau, weil die Notenbanken die Leitzinsen senken. Doch „am langen Ende“, also bei lang laufenden Anleihen, steigen die Renditen wider Erwarten stark an.

Für Investitionen sind genau diese Zinsen maßgebend. Und wenn die Zinsen für Investitionsfinanzierungen steigen, wird weniger investiert. Der Zinsanstieg ist also belastend für die Konjunktur.

In Deutschland sieht es ähnlich aus, die Zinsen ist im gleichen Zeitraum von 2,0% auf 2,5% angesprungen.

Die Reaktion in Deutschland folgte stehenden Fußes: Der DAX gab deutlich nach. In den USA sorgte die Präsidentschaftswahl für einige Aktienmarktbewegungen, die mit der Zinsentwicklung nichts zu tun hatten. Erst mit etwas Verspätung folgt nun auch in den USA die zu erwartende Reaktion auf die steigenden langfristigen Zinsen.

Die Stimmung unserer Umfrageteilnehmer, die ausschließlich deutschsprachig sind und somit aus der DACh-Region kommen dürften, orientierte sich in den vergangenen zwei Wochen stark am US-Markt. Kein Wunder, die US-Wahlen dominierten die Schlagzeilen. Nur widerwillig nahm man die heimischen Querelen in der Politik zur Kenntnis, vertraute jedoch auf positive Effekte seitens der USA.

Nach einer Woche der Seitwärtsbewegung im DAX und fallenden Kursen in den USA dämmert es unseren Umfrageteilnehmern, dass man sich von der US-Stimmung hat in die Irre leiten lassen. Und so führen Anleger nun offensichtlich ihre Rennpferde vorerst zurück in den Stall und warten die nächsten Entwicklungen beobachtend ab.

Nicht einmal die herausragenden Quartalszahlen von Siemens und der Deutschen Telekom konnten die Stimmung aufhellen, denn beides sind ja international aufgestellte Konzerne, deren US-Geschäft strahlte, während das heimische Geschäft zu wünschen übrig lässt.

Anleihemarkt

Wir erheben mit unserer animusX-Umfrage auch die Stimmung für den Anleihemarkt. Hier deuten einige Indikatoren auf eine anhaltende Kaufzurückhaltung hin, was sinkende Anleihenkurse und somit weiter steigende langfristige Zinsen zur Folge haben könnte.

Für den DAX können wir heute wenig aus den Sentimentdaten ablesen: Die Stimmung ist neutral. Damit lässt sich kein Schiefstand in der Stimmung feststellen, der nicht zur Marktentwicklung passen würde. Und somit gibt es auch keinen Druck in die eine oder andere Richtung.

Ölmarkt

Am Ölmarkt messen wir schon seit vielen Wochen einen Schiefstand: Die Erwartung der Anleger ist extrem positiv, während die aktuelle Stimmung extrem negativ ist. Der niedrige Ölpreis kann nach Meinung unserer Umfrageteilnehmer nicht mehr lange so niedrig bleiben.

Der Öl-Boykott gegen Russland wirkt nicht, das russische Öl ist überall auf der Welt zu finden. Die Lieferwege wurden an die Sanktionen angepasst. Somit bleibt der Ölpreis niedrig. Donald Trump ist es zuzutrauen, den Ölmarkt für seine politischen Ziele zu missbrauchen. Wer auf ein baldige Ende des Ukraine-Krieges setzen sollte, der sollte vielleicht einbeziehen, dass der Weg dorthin im Stile Trumps sicherlich mit Drohungen und vielleicht auch Entscheidungen garniert sein könnte, die den Ölpreis zumindest vorübergehend anfeuern.

Und dann ist da noch das Ölförderland Iran, bei dem Trump ebenfalls eine härtere Gangart einlegen möchte.

Vieles ist denkbar, wenig gewiss. Gewiss ist nur, dass die Märkte kurzfristig deutlich volatiler (=nervöser) agieren dürften.



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