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Dax und Aktienmärkte: Bis die Fed ein Einsehen hat!

Vermutlich werden die Märkte mit weiter fallenden Kursen so lange die Fed unter Druck setzen, bis sie einknickt..

Markus Fugmann

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Was wird nun passieren an den Märkten? Vermutlich werden die Märkte mit weiter fallenden Kursen so lange die Fed unter Druck setzen, bis das eintritt, was die US-Notenbank als Bedingung für eine Änderung ihrer Politik bezeichnet hat: dass der Abschwung an den Aktienmärkten auf die Realwirtschaft wirkt!

Jerome Powell hat gestern einmal mehr klar gemacht: das Sicherheitsnetz der Notenbank, der Fed-Put, hängt sehr viel tiefer unter seiner Präsidentschaft als unter seinen Vorgängern. Und das bedeutet, dass da noch viel mehr nach unten kommen müßte an der Wall Street, bevor die Fed wirklich einknickt! Gestern hat es ein Beobachter in Options-Terminologie so formuliert: der Fed-Put ist sehr viel weiter aus dem Geld, als die Märkte meinten!

Was den Märkte besonders sauer aufstößt ist vor allem die Weigerung der Fed, von ihrem „Autopilot“ abzuweichen bei der Bilanzreduzierung. Diese Reduzierung wurde von den Märkten lange unterschätzt, aber seit Oktober 2018 geht es nun in Schritten von 50 Milliarden Dollar pro Monat nach unten, vier solcher Monate entsprechen nach einer Studie in ihrem Effekt einer Zinsanhebung, mithin würden so also schon einmal – selbst wenn die Fed den Leitzins 2019 gar nicht mehr anhebt – der Effekt von drei Zinsanhebungen eintreten durch die Auopilot-Bilanzreduzierungen!

Liquiditäts-Entzug, globaler Abschwung, Handelskrieg – die Mischung ist ja schon giftig. Und für die zuvor so siegessichere Wall Street unerwartet. Jetzt ist die Frage, wie stark die Schieflagen sind vor dem morgigen großen Verfall. Der S&P 500 jedenfalls mit einem neuen Jahrestief:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Und ist damit aus dem seit dem Jahr 2009 bestehenden Aufwärtstrend heraus gefallen:

Was macht der Dax daraus? Der Index hatte sein Armageddon schon Anfang Dezember mit einem fall von 1000 Punkten erlebt – und wirkt nun deutlicher immuner als die Wall Street:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Wird der Doppel-Boden bei 10580 Punkten halten? Wenn ja, wäre das eine gute Voraussetzung für eine Erholung. Ja, es gibt auch positive Nachrichten: ein government shutdown in den USA ist unwahrscheinlicher geworden (wenn Trump die vom US-Senat verabschiedete stopgate bill unterzeichnet), Italien hat sich mit der EU geeinigt.

Reicht das, um den freien Fall der US-Märkte zu stoppen? Oder drehen ein paar Big Boys heute noch einmal an der Long-Schraube, um ein Desaster mit dem morgigen Verfall abzuwenden? Möglich ist es – aber dazu braucht es wohl eine immense Kraftanstrengung..

 

Foto: Deutsche Börse AG

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Unwissender

    20. Dezember 2018 10:09 at 10:09

    Kann mir jemand beantworten, was morgen verfällt? Ich lese und höre von Herrn Fugmann immer wieder „Verfall“ am morgigen Tag. Danke!

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      20. Dezember 2018 10:20 at 10:20

      @Unwissender, siehe hier (https://www.boersennews.de/verfallstage):

      „Der Hexensabbat, auch dreifacher Hexensabbat (engl.: triple witching day) genannt, bezeichnet den Tag, an dem viele Terminkontrakte an den weltweit wichtigsten Börsen verfallen. Verfallen bedeutet dabei, dass für alle Optionen, Futures und andere Produkte auf dem Terminmarkt die Abrechnungspreise ermittelt werden und diese dann anschließend glatt gestellt werden“.

      Und das passiert morgen..

      • Avatar

        Unwissender

        20. Dezember 2018 10:29 at 10:29

        Vielen Dank! Da ich z.Zt. genug damit zu tun habe, den FX-Markt zu studieren, war ich mir dessen nicht bewusst, auch wenn ich mich oberflächlich auch schon mit diesen Instrumenten auseinandergesetzt habe.
        Übrigens: Kompliment für die tolle Website und das Informationsangebot! Ich lerne viel dazu!

  2. Avatar

    Andreas

    20. Dezember 2018 11:41 at 11:41

    Noch eine kleine Randbemerkung:
    Das Magazin „Der Aktionär“, Börsenpflichtblatt in Frankfurt, hat ein Zertifikatedepot für zahlende Abonnenten am 1.1.2018 aufgelegt. Hier sind Spezialisten am Werk die ihren Lesern Tipps geben, wie und wo sie investieren müssen.
    Das Ergebnis für 2018: Das investierte Geld wäre um 46 Prozent geschrumpft!

    http://www.deraktionaer.de. Das Hebeldepot ist auf der rechten Seite beim runterscrollen zu finden.

    Ich will damit nur sagen, auch für Profis war dies ein sehr hartes Jahr. Bin gespannt ob es 2019 noch volatiler wird.

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Markus Koch zur Lage an der Wall Street – und Impfstoff-Optimismus

Markus Fugmann

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Markus Koch weilt bekanntlich derzeit in Deutschland, berichtet aber dennoch über das Wichtigste an der Wall Street. Fast schon peinlich für Deutschland, wie schwer Koch mit dem schlechten Internet hierzulande kämpfen muß – heute ist er am Tegernsee.

Der Wall Street-Reporter spricht heute über Nike, die den Dow Jones nach oben ziehen nach den gestrigen sehr starken Ergebnissen, dazu über den gestrigen Battery Day von Tesla, der doch eher enttäuschte.

Und: Markus Koch glaubt mit Goldman Sachs an den Wunder-Impfstoff, der das Coronavirus-Problem schlagarig beseitigen könne schon gegen Ende des Jahres. Das ist eher Wunder-Glaube – aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Und führt zu Portfolio-Umschichtungen in jene Branchen, die von der Coronakrise so stark betroffen sind – Stichwort Rotation.

Markus Koch zur Lage an der Wall Street

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Rüdiger Born: Gold und Nasdaq im Fokus

Rüdiger Born

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Gold und Nasdaq schaue ich mir im folgenden Video genauer an. Wie ist die aktuelle Lage, und welche Tradingchancen gibt es? Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

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Aktienmärkte: Die Wiedergeburt der Zykliker und die Risiken

Die neue Welle des Coronavirus hat Folgen für die Aktienmärkte: zuletzt hatten sich zyklische Aktien erholt – aber diese Erholung steht nun auf dem Spiel

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Das letzte Halbjahr der Aktienmärkte war die Periode für Hightech, für die so genannten FANG-Aktien, wie man sie ursprünglich abkürzte. Die großen Profiteure der Pandemie, die ihr Geschäft durch das Social Distancing inmitten einer Rezession sogar ausweiten konnten. Doch still und heimlich waren auch zyklische Aktien gestiegen, denen die Aktienmärkte beim Wiederanspringen der Wirtschaft Potenzial zuerkannte. Jetzt werden mehr und mehr Zweifel laut darüber, ob die Märkte nicht zu viel eingepreist haben, die Wirtschaftserholung stockt, den Zyklikern droht etwas Ungemach.

Aktienmärkte: Der Nasdaq 100 überstrahlte alle

Anfang September wurde sie gestartet, die erwartete Korrektur des Nasdaq 100, nach fast 78 Prozent plus binnen sechs Monaten und den darin enthaltenen Einzelwerten Apple, Alphabet, Amazon, Facebook und Microsoft. Diese repräsentieren bereits fast die Hälfte der Marktkapitalisierung im Nasdaq 100 – und selbst im riesigen S&P 500 etwa ein Viertel der Bewertung. Trotz eines Rückschlags von 14 Prozent in der Spitze sieht das Ganze noch nicht nach einer richtigen Korrektur aus. Aber gleichzeitig haben sich still und leise die zurückgebliebenen Zykliker zurückgemeldet, deren KGV im S&P 500 mit 20 deutlich niedriger liegt als jenes der Techwerte.

Hierzu ergab die letzte Umfrage der Bank of America unter den großen Fondsmanagern, dass die Profis bei Versicherern, Fondsgesellschaften und Pensionskassen so viele zyklische Werte eingesammelt hätten, wie seit dem Januar 2018 nicht mehr. Und gerade diese Branche korrigierte am Montag beim Abverkauf der Aktienmärkte stärker als die Highflyer im Nasdaq 100.

Die Zykliker im Dax

Gerne wird mit dem Finger auf den deutschen Leitindex gedeutet, der über Jahre hinweg dem großen Bruder in den USA, dem S&P 500, hinterherläuft. Aber war dies auch in den letzten Monaten so? Konnte der Dax im letzten Halbjahr von seinem Tief von 8255 Punkten Ende März nicht auch 60 Prozent zulegen? Verursacher dieser Performance waren nicht nur die spärlich im Index vertretenen Techwerte wie SAP oder Infineon, sondern auch die alten Industriewerte. Allen voran Daimler, die fast 100 Prozent zulegen konnten, wie auch Volkswagen und BMW, die stärker als der DAX gestiegen waren. Oder auch HeidelCement oder der Chemiekonzern Covestro. Alles in die Aktienmärkte eingepreiste Hoffnungen auf eine weitere Erholung der Wirtschaft.

Jetzt wackeln die konjunkturabhängigen Titel

Die aktuelle Entwicklung bringt die zyklischen Werte in neue Bedrängnis. Corona und seine steigenden Zahlen sind Themen nicht nur für die Aktienmärkte, sondern vor allem auch für alle dafür zuständigen Politiker in Europa. In Spanien und Großbritannien glaubt man schon, dass die Sache außer Kontrolle geraten sei. Aber auch Deutschland wird davon stark betroffen, zu erkennen an der Lufthansa, die immer mehr ums Überleben kämpft – oder den Reisekonzern TUI, der sein Programm weiter zusammenstreicht. Und wieder einmal die Bankenwerte. Diese haben korrigiert und kommen auch nicht wieder hoch – altes Thema: ohne Zinsen keine Erträge. Ohne Bankentitel aber gibt es keine vollständige Erholung der Indizes.

Die neueste Konjunkturprognose des Münchner Ifo-Instituts brachte positive aber auch negative Botschaften.

Für dieses Jahr schätzt das Institut für das deutsche Bruttoinlandsprodukt ein Minus von 5,2 Prozent und damit deutlich niedriger als bei der letzten Schätzung von minus 6,7 Prozent. Sollte dies so eintreten, käme es im Coronajahr 2020 nicht zur schärfsten Rezession seit Kriegsende, denn in der Finanzkrise 2009 hatte das Minus 5,7 Prozent betragen.

Aber das Ifo-Institut prognostiziert für 2021 ein geringeres Wachstum aus dem Tal heraus, von 5,1 Prozent (OECD 5 Prozent). Sehr zum Leidwesen der Zykliker und des Dax. Ist das der Grund dafür, warum der deutsche Leitindex seit dem 8. Juni über drei Monate in einer Seitwärtsphase beharrt und jeder Ausbruch nach oben verhindert wurde? Daher muss ich noch mal auf den Ifo-Index am Donnerstag zurückkommen, der um 10:00 Uhr bekanntgegeben wird. Dessen neuester Stand wird einen kleinen Einblick geben auf die Aussichten für die (alte) deutsche Industrie, inklusive der zyklischen Werte.

Fazit

Der erste Teil der V-förmigen Erholung der Wirtschaft ist geschafft, jetzt kommt der asymmetrische Teil, sprich die in die Länge gezogene Erholung, gespickt mit einigen Rückschlägen. Corona in der kalten Jahreszeit und die US-Wahlen sind Unsicherheitsfaktoren, trotz der Versprechen der Notenbanken alles zur Unterstützung der Wirtschaft (und der Aktienmärkte) zu tun. Dies und das Modeakronym TINA ziehen ein Sicherheitsnetz unter die Aktienmärkte, können aber nicht verhindern, dass es zu weiteren Bereinigungsphasen kommen wird. Wenn die Einschränkungen durch Covid-19 weiter einen dunklen Schatten auf Wirtschaftssektoren wie Luftfahrt, Freizeit und Tourismus, Gastronomie und Hotellerie werfen – dafür ist ihr Gewicht an der Wertschöpfung eines Landes einfach zu hoch. Gleichzeitig dämpft dies das Wachstum der Zykliker, um zum Eingangsthema zurückzukehren..

Die neue Welle des Coronavirus und die Folgen für die Aktienmärkte

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