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Dax und Wall Street: Sentiment extrem negativ

Kommt bald eine Gegen-Rally?

Dax Wall Street Sentiment

Der Dax hielt sich in der letzten Woche deutlich besser als die Wall Street. Die Quartalszahlen, die in der abgelaufenen Woche veröffentlicht wurden, waren jedoch überwiegend gut. Doch reichen gute Unternehmenszahlen aus abgelaufenen Quartalen, um über die geopolitischen Spannungen und globalen Lieferprobleme hinwegzusehen?

Dax: Stimmung niedergeschlagen

Die Anlegerstimmung im DAX bleibt mit einem Wert von -2,7 weiterhin sehr niedergeschlagen. Seit der zweiten Januarwoche messen wir nunmehr kontinuierlich mit unserer Umfrage eine negative Stimmung unter unseren Umfrageteilnehmern: 17 Wochen in Folge! Das ist der längste Zeitraum mit negativen Stimmungswerten, seit wir die Erhebung vor acht Jahren gemeinsam mit dem Handelsblatt begannen.

Gleiches gilt für die Selbstgefälligkeit: Negative Umfragewerte zeigen eine Verunsicherung der Anleger. Mit einem Wert von -3,2 messen wir heute zum 17. Mal in Folge Verunsicherung.

Nach einer so langen Phase der Enttäuschungen, der Rückschläge und negativen Erfahrungen traut sich kaum ein Anleger noch eine Meinung über die künftige Entwicklung zu: Die Zukunftserwartung notiert bei -0,1 und deutet darauf hin. Aufschlussreicher ist der Anteil der Anleger, die steigende Kurse erwarten (20%), fallende Kurse (21%) bzw. eine Seitwärtsbewegung (42%). Es gibt mehr Anleger, die weder steigende noch fallende Kurse erwarten als Bullen und Bären zusammen.

Die Investitionsbereitschaft im DAX ist auf 1,8 angestiegen. Die Investitionsquote ist moderat. Offensichtlich warten einige Anleger auf ein Signal, aus dem eine positive Lösung für die vielen Konfliktherde abzulesen ist, um Aktien zu kaufen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf -3,5 angestiegen. Absicherungsgeschäfte wurden zum Jahresbeginn getätigt, mit Kriegsbeginn aufgelöst und im Vorfeld der zweiten Offensive Russlands im Südosten der Ukraine wieder hochgefahren. Nun werden Absicherungen erneut aufgelöst.

Ganz ähnlich sieht es bei den institutionellen Anlegern aus, die sich über die Eurex absichern: Die Absicherungsgeschäfte der Vorwoche reichen vorerst aus, die Absicherungstätigkeit ist zurückgegangen.

An der Wall Street hingegen sind die Absicherungsgeschäfte in der abgelaufenen Woche kräftig angestiegen, das Put/Call-Verhältnis der CBOE ist deutlich angesprungen.

Auch US-Fondsmanager haben erneut eine sehr defensive Positionierung eingenommen, die Investitionsquote ist binnen einer Woche von 74% auf 46% reduziert worden.

Auf -43% ist das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger gefallen, der niedrigste Wert seit ich diesen Indikator verfolge. 59% der Anleger ist bärisch eingestellt, nur 16% sind bullisch. Nachdem wir vor zwei Wochen den niedrigsten Stand bei den Optimisten seit 1987 (Start der Umfrage) hatten, sehen wir nun einen der höchsten Stände im Pessimismus.

Es fällt schwer, sich Ereignisse vorzustellen, die weiterhin für so extrem negative Werte sorgen würden.

Der technische Angst & Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 34% nur moderate Angst an. Der Short Range Oscillator des S&P 500 hingegen notiert bei -4,7 und deutet somit auch kurzfristig auf eine überverkaufte Marktsituation. „Überverkauft“ heißt, es wurde so viel verkauft, dass eine Gegenbewegung an der Wall Street schon erfolgen sollte, wenn nur weitere Hiobsbotschaften ausbleiben.

Interpretation der Stimmung

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ – Albert Einstein

Die Sentimenttheorie kann ableiten, was aller Voraussicht mit den Aktienmärkten passieren könnte, sofern keine nennenswerten Ereignisse eine andere Richtung bestimmen. Ceteris paribus – also unter sonst gleichen Bedingungen – müssten der Dax als auch die Aktienmärkte der Wall Street gemäß der Sentimenttheorie schon bald ansteigen.

Doch wir sind menschlichen Entscheidungen ausgeliefert, auf die wir kaum einen Einfluss haben. Niemand weiß, welche Schritte Russland als Nächstes unternehmen wird. Niemand weiß, wie lange China mit der Null-Covid-Strategie noch durchhalten kann. Erste Kunden schreiben mir von der Vermutung, dass China auf diese Weise einen Wirtschaftskrieg gegen den Westen führt.

Über die anderen Entwicklung kann man eine Meinung haben: Die Inflationsentwicklung folgt bestimmten Regeln, wir können die Inflation geschickt beeinflussen. Auch die Corona-Politik hierzulande wird zunehmend von Lockerungen dominiert, jetzt sogar hier bei mir in Hamburg.

Aber weder Beweggründe noch Durchhaltevermögen Russlands und Chinas sind für uns nachvollziehbar und so bleibt die Sentimenttheorie derzeit eine Theorie, die schwer für die Praxis genutzt werden kann. Viele Anleger haben das erkannt, daher die große Neutralität in Deutschland.

Was macht der Ölpreis?

Die Erwartungshaltung bezüglich der Ölpreisentwicklung ist extrem negativ, Bären dominieren das Geschehen. Nachdem die Rallye im Ölpreis die 100 USD/Fass übersprungen hat, läuft das schwarze Gold nun seitwärts. Für die Zukunft erwarten sich die meisten Anleger offensichtlich eine Entspannung am Ölmarkt und damit fallende Ölpreise.

Ich wäre da vorsichtig. Derzeit löst US-Präsident Joe Biden täglich 1 Mio. Liter der strategischen US-Ölreserven auf und führt sie dem Markt zu. Der aktuelle Ölpreis, der sich über 100 USD/Fass hält, bleibt trotz dieses zusätzlichen Angebots so hoch. Was, wenn die Ölreserven gegen Herbst auf ein extrem niedriges Niveau sinken? Und der Ölpreis bleibt auf dem hohen Niveau, obwohl in China immer mehr Gebiete in den Lockdown geschickt werden. Was, wenn in China entschieden wird, dass die Wirtschaft wieder arbeiten darf? Was, wenn die Rezessionsängste, die derzeit groß sind, schwinden?

Das Sentiment im Ölmarkt mahnt davor, fallende Ölpreise als gegeben hinzunehmen. Es gibt durchaus mögliche Entwicklungen, die für eine Fortsetzung der Ölpreisrallye sorgen könnten.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.



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